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KINO: Vaterliebe bis zur Aufopferung

Er spielte in «Trainspotting» oder in der «Star Wars»-Reihe. Jetzt hat Ewan McGregor für «American Pastoral» erstmals auch Regie geführt. Er erzählt, was für ihn besonders herausfordernd war.
Andreas Stock
Ewan McGregor als Regisseur beim Drehen und zugleich in den Kleidern der Hauptfigur. (Bild: BPD)

Ewan McGregor als Regisseur beim Drehen und zugleich in den Kleidern der Hauptfigur. (Bild: BPD)

Der schottische Schauspieler hat sich einen richtigen Brocken vorgenommen. «American Pastoral» (deutsch: Amerikanisches Idyll, 1998 erschienen) von Philip Roth, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, gilt als eines der «unverfilmbaren» Bücher. Zunächst hatte Ewan McGregor (45) das Drehbuch erhalten, weil er auch die Hauptrolle des Vaters spielt, wie er im Interview erzählt.

«American Pastoral» ist ein Familiendrama, das im Amerika der 1950er- und 1960er-Jahre spielt. Im Zentrum Seymour Levov, den man wegen seiner Grösse und der blonden Haare «den Schweden» nennt. Seymour ist Sohn eines jüdischen Lederhandschuh-Fabrikanten und ein Vorzeige-Amerikaner: freundlich, sportlich, anständig.

Die Tochter radikalisiert sich

Klar heiratet er das schönste Mädchen der Stadt, die zur Miss New Jersey gewählt wird. Als sie mit Merry eine Tochter bekommen, Seymour die Fabrik übernimmt und sie in ein hübsches Landhaus ziehen, scheint das bürgerliche Idyll perfekt.

Doch das trügt. Merry stottert und entwickelt sich zum widerspenstigen Teenager, der sich mehr und mehr vom bürgerlichen Leben der Eltern distanziert. Rassenunruhen und Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg radikalisieren Merry.

«Die Studie dieser Vater-Tochter-Geschichte hat mich sehr berührt. Seymour ist ein Mann, der sehr davon überzeugt ist, dass seine Art des Lebens die richtige ist. Er lebt den amerikanischen Traum, und seine Tochter Merry lebt die Rebellion der Sechzigerjahre», erklärt Ewan McGregor, was ihn an der Story begeistert.

Erst als ihm die Regie übertragen wurde, habe er den Roman von Roth gelesen: «Über eine Zeit von sechs Monaten habe ich in dieser Geschichte gelebt. Täglich darin gelesen und das Hörbuch beim Joggen und Autofahren gehört. Ich wollte Philip Roth in mich hineinsaugen, um seine Präsenz irgendwie im Film spürbar zu machen.»

Zeit für die Arbeit mit den Schauspielern

Das Drehbuch beschränkt die ausführliche Schilderung der gesellschaftlichen Veränderungen des Romans auf wenige Schlaglichter, die aber Parallelen eröffnen zur Gegenwart. Der Film fokussiert auf die Familie, auf das vermutliche Bombenattentat der Tochter und ihr Verschwinden – und die Erschütterungen, die das bei den Eltern auslöst.

Seymour will Merry nicht aufgeben. Es ist eine Vaterliebe bis zur Aufopferung, während die Mutter psychisch an ihre Grenzen gelangt. Jennifer Connelly spielt die heftige Veränderung bravourös; sie distanziert sich als verbitterte Mutter emotional komplett von der Tochter und zunehmend auch von ihrem Ehemann.

Als Schauspieler empfand Ewan McGregor gerade die Arbeit mit den Darstellern – die Rolle von Merry spielen Hanna Nordberg respektive Dakota Fenning – als wunderbar. «Ich war gut vorbereitet, weil ich diese Sicherheit brauchte. Ich hatte mit dem Kameramann besprochen, wie wir jede Szene drehen. Das gab mir die Freiheit, mit den Schauspielern genug Zeit zum Ausprobieren zu haben. Erst wenn wir wussten, wie wir eine Szene spielen, kam die Crew zum Drehen hinzu.» «American Pastoral» ist denn auch ein Schauspielerfilm, der davon lebt, dass man die Charaktere und ihr teils extremes oder irrationales Handeln für glaubwürdig hält.

Was war für den Regiedebütanten die grösste Herausforderung? «Fasziniert hat mich das Sounddesign», sagt McGregor. Hier habe er am wenigsten Erfahrung gehabt und viel lernen können. «Ein Sounddesigner stellt einem verschiedene Möglichkeiten vor, wie zum Beispiel eine Kuh muhen soll (er ahmt unterschiedliche «Muhs» nach). Während zwei Wochen habe ich bei der Tonmischung alle 15 Sekunden so eine Entscheidung fällen müssen», schildert er die Erfahrung. «Es ist unglaublich, wie stark die Geräusche den Film beeinflussen und wie wenig einem das als Zuschauer bewusst ist.»

«Das Leben ist zu kurz, um nur den Job zu machen»

Der Schotte hat mit zahlreichen berühmten Regisseuren gearbeitet. Doch wer beeinflusste seinen Inszenierungsstil am meisten? «Ganz ehrlich, ich habe von allen etwas lernen können. Selbst von jenen, mit denen man nicht so gerne gearbeitet hat», lautet seine diplomatische Antwort. Um dann doch einen Namen herauszuheben: «Danny Boyle war mein erster Regisseur und derjenige, der wohl die deutlichsten Spuren hinterlassen hat. Ich habe bei drei seiner Filme mitgewirkt, mit denen er eine Marke im Filmbusiness hinterlassen hat.»

Ewan McGregor selbst hat das Inszenieren so gut gefallen, dass er wieder Regie führen will. «Aber nur, wenn ich an die Geschichte glaube.» Das eigene Leben sei für 16 Monate voll auf so ein Projekt fokussiert. «Das kann ich nicht, um einfach nur den Job zu machen. Dafür ist das Leben zu kurz. Es muss eine Story sein, für die sich das lohnt. Dieses Gefühl hatte ich bei diesem Film.»

Hinweis

«American Pastoral» läuft nächste Woche in unseren Kinos an. Mehr Infos auf der Kinoseite am nächsten Mittwoch.

Andreas Stock

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