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KINO: Völkermord und Gegengewalt

Das Schicksal des armenischen Volkes im letzten Jahrhundert ist der Hintergrund des neuen Films von Robert Guédiguian. Es ist ein bis heute kontroverses Thema.
Der Armenier Aram (Syrus Shahidi) rächt sich an der Türkei und trifft auch einen Unbeteiligten. (Bild: PD)

Der Armenier Aram (Syrus Shahidi) rächt sich an der Türkei und trifft auch einen Unbeteiligten. (Bild: PD)

Peter Mosberger

Nach «Le voyage en Arménie» (2006) setzt sich der französische Regisseur in «Une histoire de fou» ein weiteres Mal mit seinen armenischen Wurzeln auseinander. Die Handlung beginnt mit einem historischen Prolog: 1921 wird in Berlin der türkische Politiker Talat Pascha, ex-Innenminister und Hauptverantwortlicher für den Völkermord an den Armeniern von 1915/16 (siehe Box), erschossen. Der armenische Attentäter wird überraschend freigesprochen.

Das Opfer möchte verstehen

Armenien hatte 1918 bis 1920 mit dem Ende des Osmanischen Reichs die politische Unabhängigkeit erlangt, kam aber kurz danach unter die Herrschaft der aufstrebenden Sowjetunion. Erst mit dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde das Land 1991 wieder unabhängig. Diese Fakten werden im Film echt frei mit Fiktivem verflochten.

1981 wird in Paris von armenischen Untergrundkämpfern ein Attentat auf den türkischen Botschafter verübt, bei dem der zufällig vorbeikommende Radfahrer Gilles schwer verletzt wird. Am Anschlag beteiligt ist der junge Hitzkopf Aram, der bei der armenischen Befreiungsarmee in Beirut untertaucht. Seine ahnungslosen Eltern in Marseille sind schockiert.

Als die Mutter Anouch erfährt, dass Gilles künftig auf den Rollstuhl angewiesen ist, besucht sie ihn im Spital und entschuldigt sich im Namen des armenischen Volkes. Das Opfer seinerseits versucht, die Hintergründe des Attentats zu verstehen, und als Anouch ihm gesteht, dass ihr eigener Sohn dabei war, möchte er Aram unbedingt treffen.

Schuld und Verantwortung

Robert Guédiguian ist vor allem durch seine Marseille-Filme bekannt geworden, in denen er mit viel Anteilnahme Alltags- und Familiengeschichten aus dem Milieu der einfachen Leute erzählte. «Une histoire de fou» spielt zwar ebenfalls zum Teil in Marseille, ruft aber vor allem auch den Genozid während des Ersten Weltkriegs und den Kampf um die Unabhängigkeit in Erinnerung. Dies nicht ohne Pathos.

Der weit gespannte Bogen spiegelt sich dabei vor allem in den Gesprächen der Immigrantenfamilie um Anouch und ihren Mann. Von Ariane Ascaride eindringlich dargestellt, steht dabei Anouch mit ihrer vermittelnden Haltung fast allegorisch für das «armenische Schicksal» in der Diaspora: für soziale Integration in der Fremde bei gleichzeitiger Bewahrung der eigenen Kultur, symbolisiert etwa durch die armenische Kirche.

Der Film mag für jene, die mit der armenischen Geschichte nicht vertraut sind, manchmal schwer zugänglich sein, trotz der im positiven wie im negativen Sinn pädagogischen Inszenierung. Das ungewöhnliche Thema und die sich stellenden Fragen nach Schuld und Verantwortung geben dem an Originalschauplätzen – Marseille, Beirut, Armenien – gedrehten Melodrama gleichwohl spürbar Gewicht. Und man folgt dem abwechslungsreichen Geschehen mit Interesse und Anteilnahme.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Hinweis

«Une histoire de fou» läuft ab Donnerstag im Stattkino Luzern.

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