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KINO: Wann ist ein Mann ein Mann?

In «The Wound» verdichtet Regisseur John Trengove das in Südafrika tabuisierte Thema der Homosexualität vor dem Hintergrund eines archaischen Stammesritus zu einem kraftvollen Spielfilmdebüt.

Das Bantu-Volk der Xhosa ist eine der grössten Ethnien in Südafrika. Sein traditionelles Siedlungsgebiet ist die Bergregion Eastern Cape. Heute jedoch leben die Xhosa, die fast ein Viertel der südafrikanischen Bevölkerung umfassen und zu denen so bedeutende Vertreter wie Nelson Mandela gehören, auf dem ganzen Staatsgebiet des riesigen Landes. Und längst ist die grosse Mehrheit der Xhosa in das moderne städtische Leben integriert und hat mit der traditionellen Welt der Vorfahren und ihren Bräuchen kaum mehr etwas am Hut.

So auch der Lagerarbeiter Xolani, der in Johannesburg mit seinem Gabelstapler Paletten herumfugt. Doch wenn die Ältesten seines Dorfes in den Bergen zum Initiationsritus Ukwaluka rufen, kann sich auch Xolani diesem Ruf nicht entziehen. Dies gilt für ihn noch in verstärktem Masse, muss er doch als Homosexueller ganz besonders darauf bedacht sein, nicht durch sozial abweichendes Verhalten aufzufallen.

Die Katastrophe scheint unausweichlich

Weder in der Stadt und schon gar nicht in der traditionellen Gesellschaft seines Heimatdorfes, wo diese sexuelle Orientierung tabuisiert ist. Ukwala bezeichnet einen Brauch, bei dem junge Männer, in weisse Gewänder gehüllt, von einem Stammesältesten beschnitten werden. Danach werden die solcherart Versehrten, von einem Mentor betreut, zwei Wochen lang in einem abgelegenen Hüttendorf von der Zivilisation ferngehalten – zwecks Wundheilung und zwecks Vorbereitung auf ihre Rolle als Mann.

Die Privilegierten unter den Männern haben während dieser Zeit einen persönlichen Mentor für sich allein. Zu ihnen gehört der rebellische Kwanda, ein Sohn aus gutem Hause, den seine Eltern nur hierhergeschickt haben, weil auch sie sich den Traditionen nicht entziehen können. Kwandas Mentor ist niemand anders als Xolani, und dieser muss nun ein doppeltes Versteckspiel spielen. Einerseits hat er seinem Schützling jene Männlichkeitswerte von Härte, Strenge und Stärke zu vermitteln, an die er selber nicht mehr glaubt – und andererseits muss er vor Xolani sein Verhältnis zu seinem alten Freund Vija, einem verheirateten Dorfbewohner, geheim halten. Doch als dann Kwanda, der sich seiner sexuellen Orientierung selber unsicher ist, eines Tages die Liaison der Männer entdeckt, scheint die Kata­strophe nicht mehr weit.

Basierend auf dem Roman ­ «A Man Who Is Not a Man» von Thando Mgqolozana, der darin seine eigenen Initiationserfahrungen verarbeitete, hat der weisse Ethnologe John Trengove in Zusammenarbeit mit Mgqolozana mit «The Wound» einen Film geschaffen, der etwas von der Hölle zu vermitteln versucht, durch die Homosexuelle auf dem afrikanischen Kontinent gehen. Natürlich sei es für ihn als Weissen alles andere als selbstverständlich gewesen, das Leben ausgegrenzter schwarzer Männer zu schildern und dazu eine ihm fremde Welt in Szene zu setzen.Das sagte Regisseur und Drehbuchautor John Trenegrove auf der diesjährigen Berlinale.

Aber schliesslich sei es ihm darum gegangen, Menschen zu zeigen, die, obwohl in einer ganz anderen Kultur daheim, sehr ähnliche Vorstellungen von individueller Freiheit und sexueller Selbstbestimmung hätten wie er selbst. Das ist John Trengove hervorragend gelungen, wenngleich in der Geschichte aus dieser archaischen Welt erzählerisch so manches im Ungefähren bleibt.

Geri Krebs

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«The Wound» läuft im Stattkino in Luzern

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