KINO: «War On Everyone» – politisch höchst unkorrekt

Lieber ein offensichtlicher Rüpel als einen Wolf im Schafspelz. John Michael McDonagh («The Guard, ­Calvary») schickt in «War On Everyone» zwei US-Polizisten in den Krieg gegen einen skrupellosen britischen Lord.

Regina Grüter
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Good Cops? Nein, bad Cops: Terry Monroe (Alexander Skarsgård, rechts) und Bob Bolaño (Michael Peña). (Bild: Praesens-Film/PD)

Good Cops? Nein, bad Cops: Terry Monroe (Alexander Skarsgård, rechts) und Bob Bolaño (Michael Peña). (Bild: Praesens-Film/PD)

Für John Michael McDonagh ist politische Korrektheit ein Fremdwort. Sehr zur Freude seiner grossen Fangemeinde.

Äusserst unorthodox war schon das Vorgehen des irischen Polizeibeamten in «The Guard» (2011) und eine echte Heraus- forderung für den FBI-Agenten, mit dem zusammen er einen international tätigen Drogenring ausheben soll. Brendan Gleeson und Don Cheadle hiess das Traumpaar, was haben wir gelacht.

Die zwei Cops tragen ­ keine Maske

In «Calvary» (2014) war Gleeson wieder mit von der Partie. Dass der Ire immer den Kinoeintritt wert ist, haben wir damals schon geschrieben. Das Drama um einen Priester, der im Beichtstuhl mit dem Tod bedroht und von alten Dämonen verfolgt wird, ist selbstverständlich mit McDonaghs rabenschwarzem Humor gespickt.

Derart politisch unkorrekt, dass es einen höllischen Spass macht, ist nun auch «War On Everyone». Die Handlung hat der Regisseur in die USA verlegt, ins heisse New Mexico. Die Hauptprotagonisten sind diesmal ein Polizistenduo, Terry (Alexander Skarsgård) und Bob (Michael Peña), die so gar keinen Hehl aus ihren, gelinde gesagt, schlechten Manieren machen. Man könnte es als britisches Understatement bezeichnen, dass sie, die guten Kerle mit dem Herz auf dem rechten Fleck, offen zu ihren Schwächen stehen, während ihr Widersacher, ein Brite adliger Abstammung, als Wolf im Schafspelz daherkommt. Hinter der distinguierten Fassade lauern Gier und menschenverachtende Skrupellosigkeit.

Alle, wirklich alle, ­bekommen ihr Fett ab

Das Einwandererland USA gibt McDonagh die Möglichkeit, sich über alles und jeden lustig zu machen. So bekommen denn auch alle ihr Fett ab – Latinos, Iren, Schwarze (köstlich: Malcolm Barrett als Reggie und David Wilmot als Pádraic Power).

Auch sonst bedient «War On Everyone» etwelche Klischees: Terry säuft wie ein Loch, denn er hatte eine schwierige Kindheit; der Lord spritzt heimlich Heroin, denn er kann es sich leisten und hat das hohle Leben geerbt; Bobs Familie kommt daher wie eine Kreuzung aus den «Simpsons» und «Eine schrecklich nette Familie». Die Liste an Überspitztheiten liesse sich beliebig erweitern.

Die Story mit ernsthaftem Unterton folgt einem klassischen Strickmuster mit Showdown. Trotz einiger Ungereimtheiten hält sie dicht. Doch McDonagh hiesse nicht McDonagh, wenn er in seine im 1970er-Jahre Blaxploitation-«Die Strassen San Francisco»-Style gedrehten Satire nicht eine gute Portion Originalität einfliessen liesse. Und die liegt in erster Linie wieder in den Dialogen, aber auch in Slapstick-artigen Konstellationen.

Man sollte sich also nicht vom haarsträubenden Intro verunsichern lassen. Obwohl, «War On Everyone» geht schon in eine andere Richtung, der Humor ist – das liegt in der Natur der Sache – amerikanischer geworden. Ob einem das gefällt oder nicht, ist letztendlich Geschmackssache.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Regina Grüter
regina.grueter@luzernerzeitung.ch