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KINO: Was vom kubanischen Traum übrig blieb

Der kubanische Regisseur Fernando Pérez präsentiert in Luzern seinen neuen Film «Últimos días en La Habana» persönlich. Zudem widmen ihm die 27. Weltfilmtage Thusis eine Reihe.
Geri Krebs
Fernando Pérez. (Bild: Getty)

Fernando Pérez. (Bild: Getty)

Mit keinem anderen Land ausserhalb seiner Heimat Kuba verbindet Fernando Pérez eine so lange Beziehung wie mit der Schweiz. 1990 kam der damals 45-jährige Regisseur erstmals hierher; in Biel präsentierte er seinen Spielfilmerstling «Clandestinos». Darin geht es um eine Gruppe junger Stadtguerilleros im Revolutionsjahr 1958; es war der ambitionierte Versuch von Pérez, der bereits mehrere Dokumentarfilme realisiert hatte, die Suspense-Elemente von Hitchcock in den Kontext eines kubanischen Revolutionsfilms zu transformieren. In Kuba ist «Clandestinos» bis heute einer der erfolgreichsten einheimischen Filme. So erfolgreich, dass er für manche ältere Leute in Kuba auch heute noch, drei Jahrzehnte und acht Filme später, «der Regisseur von ‹Clandestinos›» ist. «Das ist eines von zwei ‹transzendentalen Erlebnissen›, die ich mit meinen Filmen in Kuba hatte», lacht Fernando Pérez im Gespräch und erklärt, das Zweite betreffe seinen Dokumentarfilm «Suite Habana». Beim dialoglosen Filmpoem (2003), das einen Tag im Leben von zwölf Bewohnern der kubanischen Hauptstadt verfolgt, seien nach der Vorführung immer wieder Leute weinend auf ihn zugekommen. Sie hätten ihn, emotional überwältigt, umarmt und ihm gedankt, dass er in dieser Offenheit von ihrer Lebensrealität erzählt und sie zum Nachdenken über ihre Situation angeregt habe. «Natürlich ist das etwas vom Besten, was einem als Cineasten passieren kann: Die Herzen der Leute in dieser Art zu erreichen, aber irgendwann wurde mir das auch einfach zu viel», erzählt Pérez.

Ähnlich wie «Suite Habana» ist auch sein neues Werk «Últimos días en La Habana» ein Werk voller hintergründiger Poesie; ein Film, der das was vom «kubanischen Traum» übrig geblieben ist, in einer Schonungslosigkeit demontiert, wie es so noch kaum ein anderer Cineast von der sozialistischen Insel getan hat. «Últimos días en La Habana» erzählt von zwei homosexuellen Männern, die in einer winzigen Wohnung in einem Elendsviertel der Hauptstadt leben. Einer der Männer hat Aids und wird bald sterben, während der andere nur ein Ziel hat: Kuba zu verlassen. Er wartet auf sein Visum für die USA. Dieser Plot ist nicht, was man mit der längst zum Gemeinplatz erstarrten Latino-Fröhlichkeit assoziieren könnte. Dennoch ist der Film alles andere als ein Trauerspiel, sondern es blitzt immer wieder grimmiger Humor auf.

«Pfeile schiessen und schauen, was passiert»

Dazu passt, dass Fernando Pérez keineswegs so wirkt, als trage er den Weltschmerz mit sich herum. Vielmehr strahlt der 73-Jährige eine grosse Wachheit und Energie aus und ist ein aufmerksamer Zuhörer. «Ja, klar, es gibt das genetische Alter und die Tatsache, dass alles irgendwann zu Ende ist», antwortet er auf die Frage nach der Quelle seiner Vitalität und betont: «Ich bin heute noch genau so neugierig wie mit 17, als ich ins neu gegründete kubanische Filminstitut Icaic eintrat.» In jeder seiner Arbeiten, so auch im 1990 entstandenen Spielfilm «Hello Hemingway», in dem es um geplatzte Träume eines Mädchens in den Jahren vor der kubanischen Revolution geht, stecke viel von seiner persönlichen Geschichte. Wenn man ihn aber fragt, welcher Film am meisten Autobiografisches aufweise, winkt er ab: «Diese Sichtweise ist für mich genauso irrelevant wie jene nach dem politischen Gehalt meiner Filme. Für mich bedeutet Filme machen, Pfeile abschiessen und dann schauen, was passiert. Dabei interessiert mich der Flug des Pfeiles. Und der lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Deshalb mache ich Filme.»

Geri Krebs

«Últimos días en La Habana» läuft ab Mittwoch, 1. November, im Stattkino in Luzern.

Premiere um 18 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs.

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