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KINO: Wassersymphonie, Kosmos und der blutige Militärputsch

1973 forderte Pinochets Militärputsch in Chile viele Menschenleben. Dokumentarfilmer Patricio Guzmán schafft es auf faszinierenden Umwegen, der Opfer zu gedenken.
Chiles Küste: Der Film zeigt die vielfältige Beziehung des Landes zum Wasser. (Bild: PD)

Chiles Küste: Der Film zeigt die vielfältige Beziehung des Landes zum Wasser. (Bild: PD)

Der Film «El botón de nácar» (Der Perlmuttknopf) beginnt mit Aufnahmen eines 3000 Jahre alten Quarzblocks, der einen Tropfen Wasser enthält. In einer nächsten Szene sieht man Satellitenschüsseln, die im weltweit grössten Observatorium in der Atacama-Wüste im Norden Chiles stehen und die gestochen scharfe Bilder aus entferntesten Galaxien liefern. Man vernimmt die ruhige Off-Stimme von Patricio Guzmán, die zu wogenden Wellen des Meeres von der existenziellen Wichtigkeit des Wassers erzählt und davon, dass auf weit entfernten Himmelskörpern Wasser entdeckt wurde und dass dort wohl auch Formen von Leben existieren.

Später wird mit einer meterlangen Rolle Pappe, die eine Lehrerin auf die Umrisse Chiles zuschneidet, das Land mit seiner eigentümlichen geografischen Form erklärt, und Guzmáns Stimme erläutert aus dem Off, dass Chile ein zerrissenes Land ist. Das zeige sich allein darin, dass es von dem über 4000 Kilometer langen, aber nur rund 180 Kilometer breiten Land keine kompletten Landkarten gebe, sondern, dass das Land kartografisch stets in Norden, Mitte und Süden aufgeteilt werde.

Von den Ureinwohnern

Anhand von Bildern aus dem kalten Süden des Landes lernt man das Leben der einst hier ansässigen Völker kennen. Diese lebten auf und mit dem Wasser, befuhren als Nomaden des Wassers mit ihren einfachen Booten die zahllosen tiefen Buchten und Fjorde der unübersichtlichen Küsten und wurden im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgerottet–von weissen Eroberern, die keinen Bezug zum Leben am Wasser hatten. Vielfältig und mit erstaunlichem Assoziationsreichtum entwickelt Guzmán weitere Erzählstränge eines Films, der immer wieder zum Wasser und seiner Beziehung zum Kosmos findet. Das mag esoterisch klingen, doch Guzman ist viel zu erdverbunden, als dass dies überhand nehmen würde. Vielmehr kontrastiert er seine Überlegungen mit der blutigen Geschichte Chiles. Mit verblichenen Schwarz-Weiss-Fotografien erzählt er von 8000 Ureinwohnern, von denen heute noch 20 leben. Drei von ihnen kommen zu Wort, jetzt vernimmt man erstmals, was es mit dem «Perlmuttknopf», dem Filmtitel, auf sich hat.

Und ganz ähnlich wie im letzten Film «Nostalgia de la luz» (2010) – bei dem es um die Zusammenhänge zwischen Wüstensand und Sternenstaub ging – schlägt der heute 74-jährige Guzmán, der einst bei Pinochets Militärputsch nur mit knappster Not mit dem Leben davonkam, auch hier den Bogen zur Terrorherrschaft des Generals. 17 Jahre lang hielt dieser Chile unter seiner Knute, jetzt erhält der Perlmuttknopf eine noch schrecklichere Dimension. Und wir lernen: Das Meer ist ein Wunder, aber es ist auch ein Massengrab. •••••

Geri Krebs

Hinweis

«El botón de nácar» startet übermorgen im Stattkino Luzern.

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