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KINO: Woher nehmen sie den Mut, sich zu exponieren?

Luc Schaedler porträtiert in «A Long Way Home» fünf chinesische Künstler der Gegenkultur. Er eröffnet dem Zuschauer erstaunlich tiefe Einblicke in die Seele von Chinas Gesellschaft.
Der chinesische Künstler Gao Zhen arbeitet mit grossformatigen Fotos und Gemälden. (Bild: Xenix Film)

Der chinesische Künstler Gao Zhen arbeitet mit grossformatigen Fotos und Gemälden. (Bild: Xenix Film)

Luc Schaedler hat – zumindest was sein filmisches Schaffen anbelangt – sein Herz an China verloren. Seit der studierte Ethnologe vor etwas mehr als 25 Jahren zum ersten Mal ins Reich der Mitte aufbrach, ist er immer wieder dahin gereist.

Ab und zu – nicht oft, denn Schaedler arbeitet bedächtig und überaus sorgfältig – hat er einen Film mit nach Hause gebracht: 1997 «Made in Hong Kong», eine Stimmungsaufnahme in der Weltmetropole kurz vor der Übergabe an China, 2013 «Watermarks – Three Letters From China» über die Bruchstellen von Tradition und Moderne im heutigen China. Dazwischen «Angry Monk – Reflections on Tibet» (2005), wo er in Form eines Roadmovies der Geschichte des rebellischen Mönchs Gendun Choephel (1903–1951) nachforscht.

Was brutale Brüche in Menschen bewirken

Und nun «A Long Way Home», sein bisher persönlichster Film, in dem sich Schaedler so direkt wie noch nie den historischen Ereignissen annähert, auf denen seine lange Faszination für China gründet: der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989, ihr vorausgehend die Kulturrevolution von 1966 bis 1976 und implizit die Frage, was solche massiven Brüche und Veränderungen in Menschen bewirken.

Im Zentrum seines Films stehen fünf Artisten, die zu den bedeutendsten Vertretern der aktuellen chinesischen Gegenkultur zählen. Es sind die «Gao Brothers» – Zhen (*1956) und Qiang (*1962) Gao –, die mit riesigen Fotografien und Gemälden arbeiten. Dazu die Choreografin und Tänzerin Wen Hui, der Animationskünstler Pi San, dessen Trick­filme immer wieder für Furore sorgen, und der Poet und Schrift­steller Ye Fu.

Was die fünf in ihrem Schaffen verbindet, ist die Kritik an der Gesellschaft. Er habe, meinte Schaedler kürzlich, sich immer wieder gefragt, woher sie den Mut nähmen, sich derart zu exponieren. Er hat seine Protagonisten besucht, befragt, begleitet. Ist dabei, wenn die Goas in einer Ausstellung Hitler neben Mao neben Stalin hängen, lässt sich von Pi San erzählen, wie sein erster kurzer Film über einen Furz im Internet viral ging, und hört Wen Hui zu, wenn sie erklärt, dass sie auf der Bühne nicht schauspielert, sondern Erinnerung lebt.

Nach der Nacht des Massakers Kündigung geschrieben

Und um Erinnerungen geht es Schaedler vor allem: Jeder seiner Protagonisten weiss noch genau, was er am 3./4. Juni 1989, der Nacht des Massakers auf dem Tiananmen-Platz, tat. Wen Hui, die davor jeden Abend auf dem Platz verbrachte, schlief zu Hause. Ye Fu, der bis dato als Polizist arbeitete, war derart entsetzt, dass er sich hinsetzte und die Kündigung schrieb ...

Schaedler verwebt die vier Stränge seines Filmes sehr fein und geschickt. Er tritt zusammen mit seinen Protagonisten die Reise in deren Erinnerungen, Jugend und Kindheit an, ergänzt das Erzählte mit historischem Quellenmaterial: Fotos, Ausschnitten aus Nachrichtensendungen, Filmen.

Es kommt, stockend, in Splittern, manchmal nur Andeutungen, Entsetzliches zu Tage. Irgendwann fällt die Formulierung «einer Erziehung der Grausamkeit», welche China bis heute präge. «A Long Way Home» ist dicht, auch erschütternd. Doch er vermittelt in 73 Minuten sehr konzis etliches klärende Ein­blicke in Chinas Gesellschaft.

Irene Genhart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Der Film startet am Donnerstag im Stattkino Luzern. In der Vorstellung vom Freitag, 2. 3., 20.15 Uhr, ist der Regisseur anwesend.

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