KINO ZUG: «Innsaei» – Vom Burn-out zur Intuition

Warum lassen wir hauptsächlich den Verstand walten und handeln selten nach dem Gefühl? Der Fliz-Filmclub zeigt mit «Innsaei» eine starke Dokumentation zum Phänomen der Intuition.

Drucken
Teilen
Wir sollten weniger nach unserem Kopf handeln als nach unserem Gefühl. «Innsaei» geht der Kraft der Intuition auf den Grund. (Bild: PD)

Wir sollten weniger nach unserem Kopf handeln als nach unserem Gefühl. «Innsaei» geht der Kraft der Intuition auf den Grund. (Bild: PD)

Was ist Intuition? Ist es einfach das sprichwörtliche Bauchgefühl? Ist es eine Eingebung aus dem Unterbewusstsein? Oder ist sie die Wahrnehmung feinstoff­licher Dinge, die ausserhalb un­serer Aufmerksamkeit liegen?

Die Wissenschaft beschäftigt sich erst seit wenigen Jahren ernsthaft mit dem bislang un­ergründeten Phänomen der Intuition. Dabei ist sie nach Auf­fassung vieler Menschen, die sich mit der Wahrnehmung auseinandersetzen, eine zentrale Komponente, durch die eine enorme Fülle an Wissen und Lebenserfahrung verloren geht, wenn wir sie missachten.

Auf der Suche nach neuen Denkansätzen

Hrund Gunnsteinsdóttir war eine unermüdliche Menschenrechtlerin, hat die Welt gesehen und erlebt, schliesslich einen enormen beruflichen Karrieresprung bei der UNO gemacht, gearbeitet wie ein Tier – dann ist sie wie aus heiterem Himmel heraus gegen eine Wand gerannt: Burn-out – im Alter von gerade mal 29 Jahren. All die traumatisierenden Eindrücke aus den Kriegsgebieten und dann die 100-Stunden-Wochen waren mehr als zu viel. Gemeinsam mit ihrer Freundin, der Filmemacherin Kristín Ólafsdóttir, macht sich die Isländerin auf die Suche nach neuen Denkansätzen, das eigene Leben anders, vorsichtiger zu leben und rücksichtsvoller gegenüber dem eigenen Ich zu sein. Sie fragt sich: Warum leben wir nur nach unserem Kopf, nach unserem Verstand? Warum leben wir nicht nach unserem Gefühl? Wie können wir intuitiv handeln, und wie vor allem können wir dieser Intuition vertrauen, wenn wir sie endlich finden, und mit ihr unsere Entscheide treffen?

Gunnsteinsdóttir und Ólafsdóttir wollen der Intuition und der damit verbundenen Wahrnehmung der Welt auf den Grund gehen. Sie treffen auf Wissenschafter, Lebenscoaches und allerlei Menschen mit unterschiedlichem biografischem Hintergrund, die sich mit der Intuition auseinandersetzen und damit einhergehend mit der Frage, wie man sich in einer Welt voller Stress, Lärm und Widrigkeiten zurechtfinden kann, ohne den Kontakt zu sich selbst zu verlieren. Und so werden an immer mehr Schulen auch die Kinder schon entsprechend sensibilisiert und auf die Zukunft vorbereitet. Indem sie gelehrt werden, auf sich selbst zu hören, auf ihre Intuition zu vertrauen und empathisch zu handeln.

Wissenschaft, Spiritualität

Mit «Innsaei – Die Kraft der Intuition» zeigt der Fliz-Filmclub Zug diesmal eine Produktion, die den Charakter einer Wissenschaftsdoku hat – aber nicht nur: Spiritualität und Esoterik spielen ebenso eine Rolle. Die Filmemacherin durchbricht die Monologe der befragten Personen stets mit einer Vielzahl an oft schnell wechselnden audiovisuellen Einspielungen, von denen viele in Machart oder Perspektive durchaus eine künstlerische Komponente haben. Die eigentliche Hauptprotagonistin Hrund Gunnsteinsdóttir selbst tritt nur wenige Male punktuell in Erscheinung. Ihre Präsenz besteht hauptsächlich in der Rolle als Erzählerin.

«Innsaei» ist so lehr- wie abwechslungsreich und unterhaltsam. Der Film hat das Potenzial, Menschen, die unter dem Stress ihres hektischen Alltags oder an Ängsten unterschiedlicher Natur leiden, wertvolle Denkanstösse zu geben.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch