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KINOJAHR 2017: Schweizer Frauen reisen um die Welt

So klar war es selten: Die schweizerische, die europäische und die internationale Kinolandschaft wurden dieses Jahr mehr ­oder weniger von je einem Film beherrscht. Und einer der drei darf sich grosse Chancen auf einen Oscar ausrechnen.
Regina Grüter
«Die göttliche Ordnung» thematisiert Schweizer Politikgeschichte. Hinten Marie Leuenberger als Hauptprotagonistin. (Bild: Filmcoopi)

«Die göttliche Ordnung» thematisiert Schweizer Politikgeschichte. Hinten Marie Leuenberger als Hauptprotagonistin. (Bild: Filmcoopi)

Regina Grüter

Man hat es schon fast vergessen. Doch den grössten internationalen Erfolg feierte der Schweizer Film Anfang Jahres bei den ­Oscars: «Ma vie de courgette» des Wallisers Claude Barras war in der Kategorie «Bester langer Animationsfilm» nominiert. Ein wunderbarer Lohn für diesen herzergreifenden Puppenfilm und den Standort Schweiz.

Am meisten von sich reden aber – auch über die Schweizer Grenzen hinaus – machte heuer ein Spielfilm. «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe, am 9. März in den Kinos gestartet, ­erreichte national über 340000 Eintritte, rund eine halbe Million weltweit. Der Film wurde in über 30 Länder verkauft, lief in Deutschland, Österreich, Frankreich, Dänemark, Kanada und den USA. Dass die Geschichte über eine Gruppe von Frauen, die sich 1971 in einem Dorf für das Stimm- und Wahlrecht einsetzen, auch jenseits des Atlantiks funktioniert, hat die Aufnahme am Tribeca Film Festival in New York eindrücklich bewiesen. Dort gewann der Film unter anderem den Publikumspreis.

Bester europäischer Film ­ mit Oscar-Hoffnungen

Hinter dem Film steht die Produktionsfirma Zodiac Pictures (aktuell «Papa Moll») der Luzerner Lukas Hobi und Reto Schaerli mit Sitzen in Zürich und Luzern. Mit «Heidi» gelang Zodiac bereits 2015 ein grosser Wurf. Die erneute Zusammenarbeit mit Volpe, die damals das Drehbuch schrieb, hat sich ausgezahlt. Dies auch punkto Frauenbeteiligung im Filmbusiness, die trotz grossem Einsatz von Jessica Chastain, Meryl Streep oder Alicia Vikander international immer noch erschreckend tief ist, geht die «Göttliche Ordnung» mit starkem Beispiel voran.

Spannt man den Bogen ein bisschen weiter, so haben im europäischen Film im Jahr 2017 Frauen und Männer gleichermassen auf sich aufmerksam gemacht. Einer der schönsten Filme des Jahres stammt von einer Frau. Der ungarische Oscar-Beitrag «On Body And Soul» von Ildikó Enyedi hat es im Gegensatz zum erfolgreichen Schweizer Film auf die Shortlist geschafft. Zu den europäischen Oscar-Hoffnungen gehören auch «Aus dem Nichts» des Deutschtürken Fatih Akin mit einer Diane Kruger, die über sich hinauswächst und dafür in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt wurde.

Das Pendant für den besten Film ging an «The Square» von Ruben Östlund. Auch bei den Europäischen Filmpreisen, die jüngst in Berlin verliehen wurden, räumte «The Square» gross ab. Und wenn man sich die neun Filme umfassende Shortlist so anschaut, dürfte sich Ruben Östlund wohl die grössten Chancen auf einen Academy Award ausrechnen. Es ist schon verblüffend, was der erst 43-jährige Schwede mit seinen drei Langspielfilmen geschafft hat. Auch «Play» und «Tourist» sind aufwühlende Meisterwerke. Die Nominationen in der Kategorie «Bester fremdsprachiger Film» werden am 23. Januar bekannt gegeben.

International waren es gross angelegte Blockbuster, die schon lange vor dem Kinostart heiss diskutiert wurden. Am 5. Oktober, am gleichen Tag, wie die «New York Times» die Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein öffentlich machte (siehe unten), lief die langersehnte Fortsetzung von «Blade Runner» an. In die Fussstapfen von Ridley Scott zu treten, der vor über 30 Jahren überraschend ein wegweisendes Werk des Science-Fiction-Genres geschaffen hatte, oblag dem durchaus auch visionären kanadischen Regisseur Denis ­Villeneuve. Die Geschichte überzeugt weitgehend, die formale Umsetzung wartet mit ein paar visuellen Highlights auf und «unsere» Carla Juri mit einem schauspielerischen. Und, Villeneuve setzt auch die 3D-Technik qualitativ hochstehend ein – nämlich so, dass man sie mit der Zeit gar nicht mehr wahrnimmt.

«Blade Runner 2049» verzeichnete schweizweit 112 659 Eintritte. «Star Wars: The Last Jedi», der zweite Teil der neuen Trilogie, wird sie aber bei weitem wieder alle schlagen – mit 175 000 Besuchern und einem Einspielergebnis von 3 Millionen an den ersten vier Tagen ist der am 14. Dezember gestarteten Fortsetzung der Weltraumsaga der mit Abstand erfolgreichste Kinostart des Jahres gelungen.

Bei den horrenden Auflagen, die Disney den Kinobetreibern auf der ganzen Welt macht, ist das aber auch kein Wunder. Die Ticketabgaben sind höher als ­üblich, auch verpflichten sich die Betreiber, den Film während mindestens vier Wochen im grössten Saal laufen zu lassen. Nun ja, die Klientel scheint vorhanden, und die Kinos profitieren auch finanziell davon. Mit «Star Wars: The Force Awakens» hatte der Konzern 2015 über 2 Milliarden Dollar eingenommen.

Der Unterhaltungsriese ­ stellt sich neu auf

Mitte Dezember wurde bekannt, dass Disney das altehrwürdige Filmstudio 20th Century Fox und diverse Fernsehproduktionsstätten übernimmt. Zudem geht der Bezahlsender Sky vollständig in den Besitz von Disney über. Und schliesslich wird der Unterhaltungsriese künftig Mehrheits­besitzer von Hulu sein, einem Onlineportal, über das traditionelle Hollywood-Studios ihre Inhalte verbreiten. Die Macht ist definitiv mit Disney. Jedenfalls weiss der Konzern – ganz im Gegensatz zur neuen Hoffnung der Rebellen Rey alias Daisy Ridley – wie sie zum eigenen Vorteil einzusetzen ist.

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