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KKL: Auch das Orchester war ein Star des Abends

Die junge Pianistin Katia Buniatishvili verfügt über eine enorme Technik und einen eigenwilligen Kopf. Die Überraschung des Konzertabends kam jedoch von einer ganz anderen Seite.
Roman Kühne
Katia Buniatishvili agierte im KKL kongenial mit dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. (Bild: Corinne Glanzmann (5. Januar 2018))

Katia Buniatishvili agierte im KKL kongenial mit dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. (Bild: Corinne Glanzmann (5. Januar 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Die beiden gegensätzlichen Zugaben im Konzertsaal des KKL sagen alles über die soeben beendete Interpretation der georgischen Solistin Katia Buniatishvili. Zuerst die «Rhapsodie Nr. 2» von Franz Liszt in der Bearbeitung des Pianisten Vladimir Horowitz. Atemberaubend schnell, ein Wirbel aus Tasten und Tönen, so dass man sich mehr in einem Wettbewerb wähnt denn in einem Konzert. Dann die Bach-Kantate «Schafe können sicher weiden» ruhig, suchend, zögerlich gar.

Mit der gleichen Gegensätzlichkeit hat die 30-Jährige zuvor das Klavierkonzert von Robert Schumann interpretiert. Zum Glück mit mehr Tiefe als in der ersten Zugabe. Denn Mozart hat fast 30 Klavierkonzerte geschrieben, Beethoven immerhin noch fünf. Bei Schumann war es dann nur noch eines, aber was für eines. Wohl kaum ein bekannter Pianist, der das Werk, Inbegriff der Romantik, nicht aufnahm. Über 200 Einspielungen sind momentan im Handel erhältlich.

Persönliches Massenwerk

Dieses auf CDs im Übermass vertretene Stück traf im von 21st Century Concerts (Pirmin Zängerle) organisierten Abend auf Katia Buniatishvili. Eine Künstlerin, die nicht gerade dafür bekannt ist, die Werktreue in den Vordergrund zu stellen. So neigt ihre aktuelle CD (Rachmaninow) etwas gar zum Virtuosentum, tritt die Tiefe der Kompositionen gegenüber der blendenden Technik in den Hintergrund.

Live im KKL hingegen entwickelt sie eine zwar extreme, aber spannende Interpretation. Sie spielt den ersten Satz, ja weite Bereiche des ganzen Stückes wie in sich gekehrt. Vorsichtig tastet sie durch die Noten, intim und persönlich. Es ist ein delikater Windstoss, der die Blätter wirbelt, die sich dann langsam wieder zu Boden senken. Die Tempi nimmt sie sehr frei, lässt langsame, ja stehende Akkorde und Töne ansatzlos in rasende Phrasen gleiten.

Vor allem der Schluss kippt fast, ist extrem schnell. Und doch bleibt er diesseits der Grenze zum spektakulären Klamauk, spielt Buniatishvili auch hier mit Grazie und Leichtigkeit, gibt dem Werk wie natürlich eine innere Ruhe und Tiefe.

Das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi ist für das verborgene Spiel der Solistin eher wuchtig besetzt. Aber unter dem exzellenten Dirigat von Claus Peter Flor begleiten die Musiker achtsam. Der hervorragend besetzte Holzsatz kommuniziert farbenreich mit der Pianistin. Kaum hörbar ertasten Flöte und Klarinette ihre Wege. Das ständige Ineinandergreifen von Tutti und Solo wird plastisch dargestellt. Nahtlos gleiten die Melodien ineinander. Es ist ein spannender, naher Schumann aus einem Guss.

Überhaupt ist das in Mailand stationierte Orchester eine Über­raschung. Erst vor 25 Jahren gegründet, ist es bei uns noch wenig bekannt. Zu Unrecht. Denn auch in der grossen 5. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski überzeugt das Orchestra Sinfonica di Milano mit einer kompakten, ausgereiften Interpretation. Es verfügt über einen grossen, aber weichen, gut in Bässen und Celli geerdeten Klang. Dies zeigt sich auch in der gewählten «deutschen Aufstellung» mit den tiefen Streichern praktisch in der Mitte.

Mehr Probezeit im KKL

Dirigent Claus Peter Flor nimmt den ersten Satz behutsam, sorgt für eine ausgeglichene Klangbalance, lässt die Farben und Schattierungen sprechen. Die wieder ausgezeichneten Bläsersolisten können sich mühelos entfalten. Vor allem das langsame Andante cantabile überträgt eine innere Gelassenheit, ein Miteinander. Aber auch einen immer drängender werdenden Schwung, einen Aufbau, in welchem organisch die lange Steigerung wächst. Schade, dass die Posaunen gegen Schluss die Lautstärke gar etwas überdehnen.

Das Orchester ist extra schon einen Tag früher angereist, weil es ihm wichtig war, im neuen Saal zwei Proben durchzuführen. Dies hat sich definitiv gelohnt. Es wird spannend sein, das Orchester im KKL mit der «West Side Story» zu hören, dann mit der entsprechenden Präsentation des Films.

Hinweis

«West Side Story» mit dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi: Freitag/Samstag, 19./20. Januar, 19.30 Uhr, im KKL.

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