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KKL: Aus dem Fernen Osten mitten in die europäische Kultur

Ist das Reich der Mitte auf dem Weg zur kulturellen Klassikmacht? Das Shanghai Symphony Orchestra präsentierte sich als erstes chinesisches Orchester am Lucerne Festival. Es zeigte seinen Stärken, allerdings weniger in Bezug auf Finessen.
Begleitet vom Shanghai Symphony Orchestra begeisterte Violinist Maxim Vengerov im KKL. (Bild: Patrick Hürlimann (20. August 2017))

Begleitet vom Shanghai Symphony Orchestra begeisterte Violinist Maxim Vengerov im KKL. (Bild: Patrick Hürlimann (20. August 2017))

Das Luzerner Sinfonieorchester in einem Konzert mit traditioneller indischer Musik? Oder das Festival Orchestra mit karibischer Reggae-Musik? Sicher wäre hier die eine oder andere Schwierigkeit programmiert. Ähnlich muss es dem Shanghai Symphony Orchestra gehen, wenn es sich mit europäischer Literatur beschäftigt, quasi seine fernöstliche Identität über unsere kontinentale Geschichte stülpt.

Das Konzert vom Sonntag gab einige Antworten. Eine lautet, dass die Schanghaier eher dem amerikanischen Stil zuneigen. Fast zu kräftig besetzt für den Konzertsaal zeigt das Ensemble seine Stärke vor allem in der kriegerischen Interpretation der 5. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Eher am Effekt orientiert entsteht unter der Leitung von Long Yu eine bedrohliche, stampfende Kulisse. Das Vorwärtsdrängen der Streicher, die schneidenden Einsätze von Trompeten oder Waldhörnern, der explodierende Schluss ergeben eine besondere Art packendes Konzerterlebnis. Allerdings verlieren sich viele Feinheiten in der Lautstärke, selten werden die obersten Spitzen gebrochen, der Verlauf der Musik birgt wenig Überraschendes. Vor allem im ruhigeren dritten Satz tritt das dämonische, geheimnisvolle Moment nur momentweise an die Oberfläche.

Sinnliche Intimität erschafft Emotionen

Auch im Violinkonzert von Peter Tschaikowsky begleiten die Musiker eher statisch, fehlt die federnde Leichtigkeit. Ein Genuss für sich ist hingegen der Geiger Maxim Vengerov. Schon vor vier Jahren begeisterte er in Luzern im Trio mit Martha Argerich (Klavier) und Steven Isserlis (Cello) am Zauberseefestival. Im KKL knüpft er nun quasi nahtlos an diesen Abend an. Sein Spiel überquillt an Drallheit, eine sinnliche Intimität erschafft die Emotionen aus dem Nichts. Keine sezierende Analyse, sondern ein emotionsgeladenes Gesamtbouquet ist das Ziel, ein packender Bogen von der ersten bis zur letzten Note. Auch die Zugabe, das Adagio aus der 1. Sonate von Johann Sebastian Bach, spielt er mit derselben Leidenschaft, ist «mehr Vengerov als Bach». Der tosende Applaus ist ihm sicher.

Über den Tod der Komponistentochter

Schon am Nachmittag erkundete die Camerata Zürich unter der Leitung von Igor Karsko im Kirchensaal Maihof östliche Identitäten. Darunter Leoš Janáceks «Auf verwachsenem Pfade» in einer Uraufführung mit Texten von Maïa Brami. Ob es zu diesen in sich schon sehr bildhaften Musikstücken noch inspirierende Texte braucht, bleibe dahingestellt. Wenn jedoch die Worte, vorgetragen vom Schauspieler Thomas Sarbacher, den Tod der Tochter des Komponisten beschreiben und dann das Orchester dies in einer drängenden Traurigkeit weiterführt, dann entfaltet sich hier eine glückliche Symbiose. Das Orchester hätte man sich allerdings manchmal etwas schlanker gewünscht, klarer in Struktur und Artikulation.

In drei Stücken von Antonín Dvorák strich Thomas Demenga das Solocello. Er interpretierte mit grosser Ruhe. Vor allem in «Waldesruhe» entspannte sich ein singendes Bild, in ein wehmütiges Licht getaucht.

Roman Kühne
<span style="font-size: 1em;">kultur@luzernerzeitung.ch</span>

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