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KKL: Beethoven erschüttert im Innersten

Besucher aus der ganzen Schweiz kamen an die gestrige Weihnachtsmatinee des Luzerner Sinfonieorchesters. Dieses gab eine glänzende Visiten­karte ab und berührte stark.
Der Genfer Pianist Louis Schwizgebel-Wang hatte Spass mit Mozart, während das LSO danach viel mehr bei Beethoven überzeugte. (Bild: Eveline Beerkircher)

Der Genfer Pianist Louis Schwizgebel-Wang hatte Spass mit Mozart, während das LSO danach viel mehr bei Beethoven überzeugte. (Bild: Eveline Beerkircher)

Simon Bordier

Dass das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) ein besonderes Gespür für Beethoven hat, bewies es in den letzten Jahren immer wieder. Gestern Vormittag konnte sich nun ein aus der ganzen Schweiz angereistes Publikum von den Qualitäten des «Beethoven-Orchesters» überzeugen. Denn für die Weihnachtsmatinee im KKL mit Werken von Mozart und Beethoven hatte das Möbelhaus Pfister seinen Kunden Vorzugspreise gewährt. Davon machten auffallend viele Gebrauch: Der Konzertsaal war ausverkauft, wobei 90 Prozent des Publikums aus Pfister-Kunden bestanden, wie es auf Anfrage heisst.

Mozart völlig unaufgeregt

Am Dirigentenpult stand der 26-jährige israelische Maestro und Pianist Lahav Shani, der 2013 beim renommierten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker ausgezeichnet wurde. Aber weder der junge Gastdirigent noch das LSO schienen dazu aufgelegt, sich in den Liebestrubel von Mozarts «Figaro»-Ouvertüre zu stürzen, die zum Auftakt gespielt wurde – völlig unaufgeregt wurde sie dem Publikum zu Gemüte geführt.

Zu munteren Spielchen war hingegen der Genfer Pianist Louis Schwizgebel-Wang (28) aufgelegt, der für Mozarts C-Dur-Klavierkonzert Nr. 21 auf die Bühne kam. Locker leitete er im ersten Satz vom marschartigen Thema in den schillernden g-Moll-Abschnitt über, kündigte diesen mit glockenartigen Schlägen an, schwelgte kurz in Moll, fand flugs wieder heraus, versprühte mit jedem Lauf einen kleinen Witz und blickte während des langen Tremolos erwartungsvoll ins Orchester.

Das Zusammenspiel überzeugte allerdings nicht restlos. Die Einsätze des Blechs kamen teils verzögert, und die Klavierläufe flossen in der Durchführung etwas zu leicht über den Orchestersatz hinweg. War der Pianist vielleicht zu eigenwillig? Oder das Orchester nicht auf dem «Quivive»? Man hätte den Musikern schlicht mehr Zeit gewünscht, um sich aneinander zu gewöhnen.

Publikum hielt den Atem an

Zu einem LSO-Heimspiel wurde die zweite Konzerthälfte mit Beethovens Sinfonie Nr. 7. Das Orchester schien bereits im ersten Satz durch die eigenen Akkordschläge im Innersten erschüttert. Dabei kannte jedes Register seine Rolle in dieser «Apotheose des Tanzes» (Wagner) genau. Was sich am Ende der Einleitung noch wie ein Wortwechsel zwischen Flöte und Geigen anhörte, wurde durch die Hörner und die Pauke rhythmisch immer weiter zugespitzt, bis sich Streicher und Bläser gegen Schluss des Satzes völlig ratlos gegenüberstanden – das Publikum hielt den Atem an. Besonders schön war der darauffolgende Klangteppich, den die Kontrabässe für die Coda nochmals ausrollten.

Zwischen aufrührerisch und idyllisch

Im Allegretto stimmten die tiefen Streicher einen Trauermarsch an, der bei aller rhythmischen Schwere und dunklen Klangfarbe einen tänzerischen Kern enthielt. Im Kontrast dazu waren die Triolen der Klarinette geschmeidig und die Melodie der Flöte schwebend-leicht, während der Streicherklang gegen Schluss in der Fuge aufgelichtet wurde. Im Scherzo gelangen die Wechsel zwischen den aufrührerischen Synkopen-Abschnitten und den idyllisch-feierlichen Trios erstaunlich reibungslos – Dirigent Shani nahm sich teils völlig zurück.

Glänzender Dirigent

Der 26-Jährige machte eine glänzende Figur: ein Tanzmeister, der das Zepter sicher in der Hand hielt, ohne etwas erzwingen zu wollen. Auch durch das stürmische Finale führte er das Orchester und konnte auf sattelfeste Hornisten zählen. Als Zugabe spielte das LSO Dvoráks «Slawischen Tanz Nr. 2», der einigen Zuhörern Tränen entlockte.

Dass das LSO und sein Chefdirigent James Gaffigan auf gutem Weg sind, zeigen die Geschäftszahlen für die Saison 2014/15. Mit einem Schwerpunkt auf französischer Musik verzeichnete das Orchester 42 941 Einzelbesuche; 10,6 Prozent mehr als in der Vorsaison. Die Auslastung stieg von 83,5 auf 85 Prozent. Die Zahl der Abonnenten nahm von 17 308 auf 17 083 leicht ab. «Der Weg der Vermittlung zwischen Innovation und Tradition», steht im Geschäftsbericht, «wurde vom Publikum mitgetragen.»

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