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KKL: Biréli Lagrène: Swing hoch zwei

Mit Biréli Lagrène gastierte einer der Fürsten des Gipsy-Jazz im KKL. Viel Neues wurde nicht geboten. Erst der Gast brachte den richtigen Schwung ins Konzert.
Roman Kühne
Das Biréli Lagrène Gipsy Quartet bei seinem Auftritt im KKL. (Bild: Manuela Jans Koch (Luzern, 28. Januar 2018))

Das Biréli Lagrène Gipsy Quartet bei seinem Auftritt im KKL. (Bild: Manuela Jans Koch (Luzern, 28. Januar 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Schatten ist übernatürlich gross. Es gibt wohl kaum eine Kunstrichtung, in der sich eine Person so unsterblich in das Gedächtnis des interessierten Publikums brannte wie im Zigeunerjazz. Django Reinhardt ist bis heute der Name, der diese Richtung prägt. Der Gitarrist ist zwar schon mit 43 Jahren 1953 verstorben. Er hat jedoch nicht nur den Gipsy-Jazz quasi «erfunden», sondern war überhaupt eine Hauptfigur der europäischen Improvisationsbewegung.

Seither ist auch schlichtweg nicht ganz so viel passiert. Zwar bringen die Manouches, wie die in Frankreich und den umliegenden Ländern lebenden Sinti sich nennen, immer wieder hervor­ragende Gitarristen hervor. Sie bewegen sich jedoch oft in traditionellen Bahnen. Natürlich gibt es Ausnahmen. Beispiele hierfür sind der fantastische Sänger Diego el Cigala, der erst vor kurzem, mit praktisch 50 Jahren, seinen Durchbruch schaffte, oder der deutsche Gitarrenvirtuose Josche Stephan.

Virtuosität mit Witz

Einer, der sich schon vor längerem seinen eigenen Namen schuf, nicht nur von der «Hommage an Django» lebt, ist der ebenfalls aus Frankreich stammende Biréli Lagrène. Am Sonntagabend gastierte er auf Einladung des Jazz Club Luzern im Konzertsaal des KKL. Er hat sich zwar phasenweise von der Tradition entfernt. Ausflüge in Jazzrock, Fusion oder die französische Volksmusik legen dafür Zeugnis ab. Zu seinen Spielpartnern zählte er den Freejazzer Jaco Pastorius oder Herbie Hancock. Doch ist er immer wieder zu seinen Wurzeln nicht nur zurückgekehrt, sondern hat sich in ihnen regelrecht verankert. Die Konzertbezeichnung «Swingender Gipsy-Jazz mit einem Hauch von Nostalgie» ist an diesem Abend ein guter Werbeslogan und eine klare Untertreibung. Das Konzert ist sicher nicht gerade die Speerspitze der Innovation. Geboten wird Swing hoch zwei. Überraschungen gibt es keine.

Höchst vergnüglicher Abend

Biréli Lagrène und seine Musiker setzten vor allem auf Virtuosität. Dies könnte mit der Zeit auch ermüden. Doch die Energie, das Feuer und der Witz, mit denen das Quartett, später ergänzt mit dem Gitarristen Stochelo Rosenberg, zu Werke geht, schafft einen höchst vergnüglichen Abend.

Da ist einmal Biréli Lagrène selber. Virtuos und fingerflink rast er über die Saiten. Er spielt mit viel Witz, klopft und schleift auf der Gitarre, streut absurd schnelle Triolen dazwischen oder nimmt in seine Begleitung Phrasen des Sax-Solos auf. Schade, wird etwas gar wenig variiert. Lagrène beendet zum Beispiel mindestens dreimal ein Stück mit der gleichen Jazz-Wendung. Immer wieder streut er aber auch witzige Versatzstücke ein, etwa ein paar Takte aus der Titelmelodie zu «Mission Impossible». Der Saxofonist Franck Wolf begeistert mit weiten Melodien, seinem guten Akkordverständnis. Er spielt die wohl modernsten, auch spannendsten Soli. Überzeugend ist auch William Brunard am Kontrabass. Er intoniert mit klarem Ton und jugendlicher Frische. Für den nötigen Drive sorgt der begleitende Gitarrist Hono Winterstein. Zuverlässig wie ein Herzschrittmacher wirft er seine Akkorde.

So richtig Schwung ins Konzert kommt aber erst, als der ­geladene Gastgitarrist Stochelo Rosenberg die Bühne betritt. Der Sinto aus den Niederlanden stammt aus einer weit verzweigten Musikerfamilie. In seinem eigenen Trio tritt er jeweils mit seinem Bruder und seinem Vetter auf. Mit Biréli Lagrène hat er schon öfters gespielt, auch schon im Duo. Entsprechend gut harmonieren die beiden. Mit den nun drei Gitarren entwickelt sich ein unerhörter Drive, und Rosenberg bringt eine neue Kantabilität in die Stücke. Schade nur, dass die zwei Gitarristen an diesem Abend nie im Duett konzertierten. Fazit: ein vergnügliches Konzert, bei dem die Fans des traditionellen Gipsy-Jazz voll auf ihre Kosten kamen.

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