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KKL: Bobby McFerrin ist happy über das Publikum

Sänger Bobby McFerrin und Jazzpianist Chick Corea bestritten einen starken Improvisationsabend. Duette mit Zuhörern führten zu grossen Überraschungen.
Bewahrten sich die Lust am Experiment: Bobby McFerrin (65) und Chick Corea (74) auf der Bühne des KKL-Konzertsaals. (Bild Corinne Glanzmann)

Bewahrten sich die Lust am Experiment: Bobby McFerrin (65) und Chick Corea (74) auf der Bühne des KKL-Konzertsaals. (Bild Corinne Glanzmann)

Simon Bordier

Grundsätze sind dazu da, dass man sie über Bord wirft. Das weiss auch der singende Improvisationskünstler Bobby McFerrin (65). Dabei hat er sich und der Musikwelt geschworen, dass er seinen Evergreen «Don’t Worry, Be Happy» aus dem Jahr 1988 nicht mehr spielen werde wenn das Publikum nicht satt zu kriegen ist, soll man es nicht noch weiter füttern, so die Devise. Doch am Samstag war das Publikum nicht wegen der guten alten Zeiten so zahlreich im Konzertsaal des KKL erschienen, sondern um McFerrin und die Jazzpiano-Ikone «Chick» Corea (74) beim gemeinsamen Improvisieren zu hören. Und siehe da, plötzlich öffnete sich wieder eine Tür ins Jahr 1988.

Kehlkopflaute und Zungenschläge

Das konnte zu Beginn des Konzerts im Rahmen des Zyklus Summer Night Classics kaum jemand erahnen. Der Saal war in schummriges Licht getaucht, McFerrin und Chick Corea kamen wie Schatten auf die Bühne und suchten händeringend nach einer ersten Liedzeile. McFerrin gab in allen Höhenlagen Laute von sich, klopfte sich rhythmisch auf die Brust, brachte seine Tonbänder in Schwung doch lag es an Chick Corea, die melodischen Stichworte zu geben. Er entwickelte am Klavier so klangmächtige Harmoniefolgen, dass sich McFerrin mit seinen Kehlkopflauten und Zungenschlägen teils auf die perkussive Begleitrolle beschränkte.

Besonders experimentierfreudig zeigten sich die beiden befreundeten Amerikaner zum Jazz-Standard «Autumn Leaves». Vom melancholischen Charme des Chansons blieben indes nur einzelne Melodiebrocken übrig. Kurze, prägnante Rhythmen dienten während der Improvisation als Marksteine fürs Publikum wie auch für das Jazz-Duo selbst. Denn McFerrin und Chick Corea gingen über weite Strecken getrennte Wege, schufen auf diese Weise Platz für Zufallsbegegnungen und verhedderten und rieben sich dabei genüsslich aneinander. Und doch: Die witzigen Auflösungen und virtuosen Parallelläufe zeigten, dass der eine wohl stets ahnte, was der andere vorhat, selbst wenn er musikalisch scheinbar meilenweit davon entfernt war. Das letzte Wort beziehungsweise die letzten Silben bei diesem «Autumn Leaves» behielt dann McFerrin mit einem unerwarteten «Cha-cha-cha».

McFerrin streitet mit Zuhörer

Taufrisch wirkten auch Chick Coreas Improvisationen über sein Stück «Armando’s Rumba», das eine Klammer um die anderthalbstündige Non-Stop-Vorstellung bildete. Besonders lebendig wurde es im Saal, als Zuhörer zum Mitimprovisieren auf die Bühne gebeten wurden. Zwei junge Pianisten und ein Sänger liessen sich auf musikalische Zwiegespräche mit den künstlerischen Übervätern ein. Dabei war keiner der drei auf den Mund gefallen, auch nicht der Sänger aus dem Publikum, als McFerrin im stimmlichen Lautengefecht plötzlich die Tonlage wechselte und ihn ankeifte er gab nicht weniger streitlustig im Ton eines Marktweibs zurück. Das hohe Niveau der drei spontanen Klavier- und Gesangsdarbietungen sorgte für Raunen im Publikum.

Franz Flückiger (24) aus Bern blühte auf dem Klavierhocker neben Chick Corea auf. «Ich wusste, dass Corea hin und wieder Zuhörer auf die Bühne bittet. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen», meinte der Jazzpiano-Student nach dem Konzert. Er habe erst am Klavier entschieden, was er spielen wolle: «Ich habe spontan etwas in die Runde geworfen, und Corea hat es sogleich aufgegriffen.» Er sei tief beeindruckt, wie genau Corea hinhöre. «Es ist ein unglaubliches Privileg, einmal mit ihm gespielt haben zu dürfen.»

Überraschung bis zum Schluss

Das Engagement des Publikums beeindruckte wohl auch die beiden Stars. Denn nach den hochstehenden Intermezzi setzte sich McFerrin ans Klavier und stimmte prompt seinen Hit «Don’t Worry, Be Happy» an wenn auch mit einer ungewohnt traurigen Klavierbegleitung. «Sie erleben heute Abend eine Weltpremiere: Es ist das erste Mal, dass ich mich zu diesem Song selber am Klavier begleite», verkündete McFerrin in scherzhaftem Ton.

Aber auch dem KKL-Publikum, das sich zum Schluss mit Standing Ovations bedankte, wurde nicht jeder Wunsch erfüllt: Als Zugaben mussten ihm ein «Happy Birthday» für Chick Corea, der am 12. Juni 74 geworden ist, und ein paar süsse Falsetttöne McFerrins genügen.

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