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KKL: Das Orchester war solistisch gefordert wie die Studenten

Starker Leistungsausweis auch für die Musikhochschule: Drei Solisten und ein Komponist präsentierten sich im Solistenkonzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester.
Russische Pianistenschule in Luzern: Natalia Ryzhova brillierte als eine von zwei Studentinnen von Konstantin Lifschitz. (Bild: Dominik Wunderli)

Russische Pianistenschule in Luzern: Natalia Ryzhova brillierte als eine von zwei Studentinnen von Konstantin Lifschitz. (Bild: Dominik Wunderli)

Mit der Konzertreihe «Rising Stars» bietet das Luzerner Sinfonieorchester künftig eine Plattform für junge internationale Solisten. «Zu solchen Konzerten kommt die Presse und kann man Agenten einladen», begründete dies Intendant Numa Bischof Ullmann: «Den Wert von Auftritten mit Orchester in der ersten Phase der Karriere kann man nicht hoch genug veranschlagen.»

Spritziger Auftakt

Die Basisarbeit vor Ort leistet das LSO auch für Musiker mit dem Solistenkonzert. In diesem erhalten ausgewählte Studenten der Musikhochschule Luzern zum Abschluss ihres Masters of Performance Gelegenheit für einen Auftritt im Konzertsaal des KKL. Erstmals konnte sich dieses Jahr neben drei Solisten (alles Frauen) ein Kompositionsstudent mit einem eigenen Werk vorstellen. Und dass Chefdirigent James Gaffigan das Konzert persönlich dirigierte, unterstrich zusätzlich die Bedeutung des Anlasses.

Die Uraufführung integrierte sich nahtlos ins Programm, weil als Prüfstein ausschliesslich Werke aus dem 20. Jahrhundert dienten. Mit den Schwierigkeiten, die diese boten, rückten Fragen der persönlichen Interpretation gegenüber technischen Aspekten zwar eher in den Hintergrund. Aber diesbezüglich zeigte der Abend ein hohes Niveau, wie es in früheren Jahren keineswegs selbstverständlich war. Damit war dieses Konzert auch ein Leistungsausweis für die Musikhochschule Luzern.

Er war es aber auch für Solisten selber, die in den jeweiligen Werken den Gestaltungsspielraum eindrücklich nutzten. So durfte man die Pianistin Natalia Ryzhova nicht auf den spritzig-perkussiven Ton festlegen, mit dem sie Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester wirblig aufsprühen liess. In den orientalischen Arabesken des zweiten Satzes bewies sie impressionistischen Klangsinn und verband auch in den motorischen Ecksätzen gestochen-scharfe Präzision mit expressiver Kraft.

Tänzelnd wie Volksmusik

Mehr Spielraum bot Bernd Alois Zimmermanns Violinkonzert, das unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs – mit Marschtrümmern und Katastrophenszenarien ans Lebendige geht. Dazu gehört auch die Bedrängnis für die Sologeige von Fiona Milla Jäntti (aus der Klasse von Sebastian Hamann). Wie sich die deutsch-finnische Geigerin dagegen behauptete, war grosse Klasse: Sie spannte mit einem bis in hohe Lagen leuchtkräftigen Ton weite Kantilenen aus, tauchte mit federnder Bewegungsmotorik mühelos aus tosenden Orchesterlawinen auf, berührte mit der Süsse der Doppelgriffpassagen noch im Untergang. Wo sie die Musik augenzwinkernd tänzeln liess, konnte man sich gut vorstellen, dass Jäntti auch Volksmusik spielt. Nur das kurzatmige Vibrato wollte nicht so recht zu den grossen Gesten passen, die dieses Konzert auch hat.

Dass die Musikhochschule Luzern in den letzten Jahren zunehmend Solisten hervorbringt, verdankt sie Lehrern wie dem Pianisten Konstantin Lifschitz. Nach Ryzhova bestätigte das die Russin Maria Aninika in Prokofjews Klavierkonzert Nr. 2. Die Bewältigung des horrenden Soloparts war umso eindrücklicher, als das Klavier hier stark solistisch exponiert ist und sich auch ein einzelner Missgriff nicht verstecken lässt. Aninika meisterte souverän und mit mächtigem, aber nie bombastischem Klang das weite Ausdrucksspektrum vom romantischen Pathos bis hin zu aufgesplitterter Virtuosität.

Im Sog des Chaos

Solche Aufsplitterung trieb dazwischen Victor Alexandru Colteas «Ruth­less» auf die Spitze. In der Uraufführung war damit selbst das engagiert mitgestaltende Orchester unter Gaffigan solistisch gefordert. Das ist kein Zufall, weil die Musikhochschule Luzern auch im Fach Komposition über namhafte Dozenten wie Dieter Ammann verfügt, bei dem Coltea sein Studium fortsetzte.

An Ammann erinnerte der energetisch-gestische Charakter des Werks, in dem ein Urknall Kräfte und Partikel vielschichtig auseinanderstieben lässt. Colteas Ziel, «Rauheit in der Musik» darzustellen, liess zwar klangfarbliche Aspekte etwas verblassen und Linien und perkussive Muster auch plakativ aufeinanderprallen. Aber im dritten Abschnitt gelingt ihm das Wunder, das Chaos nicht zu glätten, sondern soghaft zu bündeln und zu steigern bis zum verblüffenden Schluss. Das war fast schon auf frenetischen Schlussapplaus hin komponiert, den das Publikum auch spendete. Dass es den Komponisten dreimal auf die Bühne bat, war nochmals eine Bestätigung, wie willkommen auch Komponisten im Solistenkonzert sind.

Urs Mattenberger

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