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KKL: Das Rätsel, warum der Funke doch noch sprang

Kann ein einziger Musiker ein ganzes Konzert zum Guten wenden? Das Mariinsky Orchestra jedenfalls machte nach der Pause eine wundersame Wandlung durch.

Plötzlich ist das Knistern da. Es lodert zuerst im Orchester, dann springt der Funke über ins Publikum. Das Konzert ist schon weit fortgeschritten, das letzte Viertel angebrochen. Woran liegt es? An den Zuschauern sicher nicht.

Das KKL ist am Sonntagabend beim Konzert des Mariinsky Orchestra unter Valery Gergiev bis hin zur Orgelempore restlos ausverkauft. Am Orchester liegt es sicher auch nicht. Gespielt werden die erste und die letzte Sinfonie von Peter Tschaikowsky. Speziell ist, dass die Bratschen gegenüber den 1. Violinen sitzen. Eine Positionierung, welche heute nur noch selten zu sehen ist, die aber Herbert von Karajan oder Wilhelm Furtwängler regelmässig gewählt haben.

Dies gibt dem Orchesterklang eine weiche, tiefe Note. Vor allem in der 1. Sinfonie von Tschaikowsky, wo die Bratschen mehrfach das Ensemble führen, scheinen die bildhaften «Winterträume» warm und sanft. Zusammen mit den starken Bass- und Celloregistern entwickelt sich ein dunkel grundierter Sound, auf dem sich die helleren Stimmen gut entfalten können. Die Violinen spielen dicht und mit intensivem Kern.

Viel Raum für die Melodien

Die hervorragenden Holzbläser werden schön getragen, bleiben stets hörbar. Inspiriert und singend ist das Wechselspiel zwischen Oboe und Fagott im zweiten Satz. Sehnsüchtig der lange Bogen der Violen, begleitet von Flöte und Klarinette. Überhaupt gibt Dirigent Valery Gergiev den Melodien viel Platz, lässt die Sinfonie üppig und romantisch. Die Streicher dürfen aus dem Vollen schöpfen. Diesem Fundament setzt er schneidende Trompeten und Posaunen entgegen.

Wie zuvor beim London Symphony Orchestra, deren Chefdirigent er lange war, übertreibt er es gerne mit der Lautstärke. Scharf lässt er das Blech in den Klang einbrechen, verdeckt teils die Feinheiten und Farben der Komposition. Ein längeres Pianissimo, die sichtige Strukturierung ist wohl weniger seine Leidenschaft. All dies bringt der 1. Sinfonie eine grosse Fülle, es ist eine gute Aufführung – ohne dass sie aber besonders berühren würde.

Da versprüht die 6. Sinfonie nach der Pause eine ganz andere Energie, ist vor allem ab dem dritten Satz mitreissend, quirlig und intensiv. Sassen die Musiker vorher ruhig auf ihren Stühlen, so wiegt nun die Streichermasse im Rhythmus der Musik. Natürlich hat die letzte Sinfonie Tschaikowskys eine andere Tiefe als sein Erstlingswerk, seine «süsse Sünde meiner Jugend». Doch kann es sein, dass es auch der Kapellmeister ist? Nach der Pause übernimmt Lorenz Nasturica-Herschcowici den ersten Platz. Und es geht ein Ruck durch das Orchester. Mit viel Bewegung und intensiven Blicken steuert er das Ensemble. Tatsache ist, dass die Aufführung der «Sechsten» mitreisst und packt und – ungeachtet der auch im Schlusssatz knallenden Blechbläser und Perkussionisten – das Konzert zum jubilierenden Abschluss bringt.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

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