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KKL: Der Chansonnier wird zum Zauberer

Stephan Eicher hat gestern im KKL Luzern mit seiner Show gezeigt, dass er auch mit Automaten noch ganz und gar ein Mensch geblieben ist.
Stephan Eicher (54) am Dienstagabend bei seinem Auftritt im KKL in einem faszinierenden Kuriositätenkabinett von Musikautomaten. (Bild: Boris Bürgisser)

Stephan Eicher (54) am Dienstagabend bei seinem Auftritt im KKL in einem faszinierenden Kuriositätenkabinett von Musikautomaten. (Bild: Boris Bürgisser)

Pirmin Bossart

«Stell das Lied ab es mahnet mi a di», singt Stephan Eicher, und er ist ganz allein auf der Bühne. Die Scheinwerfer fallen nur gerade auf ihn und sein Klavier, das er an diesem Abend so ausgiebig wie noch nie zuvor benutzen wird. Männer, die ins Alter kommen, bauen einen Weinkeller auf. Musiker, die dem Rockeralter entwachsen, wechseln zum Klavier.

Geheimnisvolle Apparaturen

Aber Eicher ist trotzdem auch noch für härtere Klänge zu haben. Das zelebrierte er gestern Abend mit den 250 000-Volt-Tesla-Coils, die seiner Gitarre einen verzerrt-sirrenden Klang verliehen und eine rockende Unterlage gaben für einige seiner Hits. Die Coils waren die geheimnisvollsten Apparaturen seiner neuen Show. Sie blinkten und funkelten rot wie zwei grosse Alien-Augen in den weissen Saal des KKL.

Der 54-jährige Chansonnier lässt sich, so untrüglich man ihn an seiner Stimme auch erkennt, nicht gerne auf etwas festlegen. Schon vor 40 Jahren ist er alleine auf der Bühne gestanden, damals mit Gitarre und elektronischen Apparaturen. In seinem aktuellen Programm sind es jetzt Automaten, die Musik machen. Eicher hat sie in einem aufwendigen Verfahren so programmiert, dass sie per Pedaldruck ausgelöst werden können. Das machte den Chansonnier ein wenig zum Magier.

Für die Ohren und für die Augen

Mit all den Lichtern, die synchron zum Klimpern und Klöppeln funkelten, war dieser geheimnisvolle Klimbim fast noch stärker ein optisches Vergnügen. Da flirren die Tasten, ohne dass jemand am Klavier sitzt, Pauken werden geschlagen, Glockenspiele klingeln, Xylofone chillen. Manchmal motzen auch ein paar furzende Synthesizertöne das Jahrmarkt-Budenzauber-Geschehen auf oder bringen stampfende Beats ein wenig Disco-Leben in die Bude.

So sitzt man da, schaut und hört und denkt, dass dieser Eicher doch auch ein gewitzter Kerl ist. Er saugt sich jedes Mal wieder einen neuen Zugang zu seiner Musik aus den Fingern und scheut keinen Aufwand, sie mit viel Freude und Unterhaltungskicks seinem Publikum nahezubringen. Gleichzeitig ist er selbstironisch genug, um zu wissen, dass seine Spielereien wohl ihn selber beglücken, aber vielleicht nicht immer allen im Publikum gleichermassen gefallen. Also gibt er uns Zuhörern einen Code «Stefan, ässe!» –, den wir immer rufen können, wenn es langweilig werden sollte.

Witzig, redselig, absurd

Überhaupt zeigte sich Eicher an diesem Abend von einer geradezu redseligen Seite. Er machte feine Witzchen, erzählte absurde Geschichten und ­hatte sein Mundwerk trotz allem so gut im Griff, dass es stets geistreich blieb. Es tue ihm leid, wenn er jetzt das Publikum ein bisschen missbrauche, meinte er. «Aber schon bald sitze ich wieder sechs Wochen allein im Studio und darf mir neue Songs ausdenken.»

Auch musikalisch war das ein ganz vergnüglicher, wenn auch mit über zwei Stunden Dauer doch ein etwas sehr langer Abend. Eicher wechselte zwischen intimen Settings mit Klavier und Gitarre, setzte die Automaten mal dezent und mal in voller Opulenz ein. Das chansoneske Repertoire hatte Charme, aber es war gut, dass der Sound auch mal deftiger abging. In seinem Schluss-Medley verwob er Songs, die alle mit Getränken zu tun hatten, und da passte neben «Campari Soda» auch seine Version von «D Rosemarie und I» ins imaginäre Glas. Ganz am Schluss bat er die Zuhörer im Saal, ihre Handys einzustellen und nach drei Minuten den persönlichen Klingelton des Weckers erschallen zu lassen. Als es nach drei Minuten quer durch die Sitzreihen zu klingeln begann, war man endgültig aufgewacht. «Stefan, ässe!»

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