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KKL: Effektvolles Heldentum und wunderbare Liebeserklärung

An seinem Winterkonzert vom Samstag setzt das Blasorchester Stadtmusik Luzern fast vollständig auf die Moderne. Besonders der zweite Teil überzeugt. Und zeigt sogar, dass die Bläser mit einem sinfonischen Original mithalten können.
Hervé Grélat, Dirigent des Blasorchesters Stadtmusik Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Hervé Grélat, Dirigent des Blasorchesters Stadtmusik Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Heldentum und Übernatürliches sind Zeichen unserer Zeit. Unter den zehn erfolgreichsten Filmen des letzten Jahres gibt es kaum ­einen, im welchem nicht Donnergötter («Thor»), wilde Superamazonen («Wonder Woman») oder galaktische Krieger («Star Wars») ihre allmächtigen Kräfte schwingen. Der Effekt dominiert über die inhaltliche Tiefe, die Bits über die Ausdrucksstärke der menschlichen Akteure.

Diese Trendwelle findet auch in der Blasmusik einen starken Widerhall. Dabei gibt es Kom­ponisten, etwa die Amerikaner Chuck Elledge und Daniel Bukvich, die geschickt moderne ­Musiktechniken einsetzen. Werke wie «Dinosaurs» von Bukvich brechen zwar nicht vollständig die Hörgewohnheiten der Zuschauer, überraschen und fordern aber mit ungewohnter Akkord- und Tongestaltung. Dies ist allerdings die Ausnahme. Viele moderne Kompositionen sind zwar spektakulär, bewegen sich ideenmässig jedoch dem Mainstream entlang, orientieren sich an der erfolgreichen Filmmusik.

Eine grosse Herausforderung

Die an diesem Abend vom Blasorchester Stadtmusik Luzern gespielte Musik des belgischen Komponisten Bert Appermont (44) liegt hier etwa in der Mitte. Er liebt es, historische Sagen, Bibelgeschichten Götterwelten und Kämpfe zu vertonen. Gullivers Reisen, die Schlacht von Jericho oder Noahs Arche sind seine Themen. Diese werden oft bombastisch, unter Einsatz des ganzen Orchesters in Szene gesetzt. Auch in der an diesem Abend erklingenden Sinfonie «Gilgamesch» ist das Allmächtige das Motiv. Der sumerische Halbgott Gilgamesch verliert seinen besten Freund und begibt sich anschliessend auf die – vergebliche – Suche nach der Unsterblichkeit.

Neben den wuchtigen, oft stark auf Effekt ausgerichteten Tutti-Stellen verwendet Appermont auch moderne, die Hör­gewohnheiten herausfordernde Elemente. So eine oktatonische Tonleiter, wo sich Halb- und Ganztonschritte abwechseln.

Die Aufführung fordert wegen der Dichte der Instrumen­tation und der Schwierigkeit der Intonation dem Blasorchester Stadtmusik Luzern vieles ab. Vor allem die leiseren Passagen gelingen überragend. Mystisch entwickelt sich der Anfang mit den tiefen Streichern, dem Fagott und der Bassklarinette. Brillant – und dies nicht nur hier – zeichnen die diversen Solisten ihre ­Linien. Die schwierige Intonation beherrschen sie meist ausgezeichnet.

Stoisch und abgeklärt singt das Saxofon im letzten Satz, gibt seinen musikalischen Zug an die ebenfalls exzellente Oboistin und hervorragende Flötistin weiter. Es ist hier, wo das Stück und die Interpretation zu einer Linie finden, sich die Unsterblichkeit erahnen lässt, die Gilgamesch so sehnlichst sucht, ohne sie je zu finden. Auch die schnellen, wuchtigen Steigerungen in der Sinfonie werden unter der Leitung von Hervé Grélat packend ausgelegt.

Einiges ist indes zu laut. Suboptimal fällt der Klangausgleich in den Forte-Stellen aus, der Sound hart und spitz. Die Details der verschachtelten Komposition, vor allem im Holz, gehen oft unter. Auch wird der dritte Satz etwas schnell genommen, was die Musiker teils ans Limit bringt.

Mit Witz und Feuer

Von noch stärkerer Qualität ist da der zweite Teil. Die Komposition «… my Consciousness» (2013) des Amerikaners Daniel Montoya Jr. gibt dem Orchester die Gelegenheit, abseits von technischen Schwierigkeiten den Klang, die verschiedenen Farben des Ensembles ins Zentrum zu rücken. Herrlich zeichnen sie die Liebeserklärung des Komponisten an seine Frau, einfühlsam und sinnlich. Höhepunkt des Abends ist die «West Side Story» von Leonard Bernstein. Diese wurde ja letzte Woche auch von der Sinfonica di Milano integral zum Film aufgeführt. Und man stellt fest, dass das Werk, so gespielt vom Blasorchester Stadtmusik Luzern, dem sinfonischen Original in nichts nachsteht.

Hervé Grélat entzündet ein Feuerwerk aus Rhythmus und Hingebung. Der Klang ist transparent, die verschiedenen Register können sich entfalten. Dynamik, Klangausgleich, Witz, Raffinesse, Feuer und vor allem viel Swing. Mit Ausnahme des leicht wackelnden Finales ist diese Interpretation ein grosser Genuss. Das Publikum dankt es mit tosendem Applaus und das Orchester diesem mit der packenden Zugabe «Danza Final – Malambo» aus der Estancia Suite von Alberto Ginastera.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

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