KKL: Ein Gloria für den klirrenden Winter

Das Bach-Ensemble Luzern stimmte mit einem individuellen Programm auf Weihnachten ein. Pauken und Trompeten von Bach und Vivaldi begeisterten. Eigene Höhepunkte setzte der Geiger Daniel Dodds.

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Daniel Dodds als Solist des Bach-Ensembles Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Daniel Dodds als Solist des Bach-Ensembles Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Konzerte zur Weihnachtszeit sind eine ebenso dankbare wie heikle Aufgabe. Denn da setzen professionelle Spitzenensembles mit beliebten Weihnachtsklas­sikern hohe Massstäbe, denen Laienchöre unmöglich gleichkommen können. Diese punkten dafür mit ihrer Leidenschaft und Begeisterung. Und Chor und Orchester des Bach-Ensembles Luzern zeigten am Sonntag im KKL, wie auch diese in Verbindung mit harter Probenarbeit Glanzpunkte ermöglichen können.

Für das traditionelle, festliche Weihnachtskonzert des Bach-Ensembles kamen die «grossen» Werke wie Weihnachtsoratorium und Messias nicht in Frage, weil sie schon anderweitig «besetzt» waren. So setzte Franz Schaffner sein Jahresthema mit Vivaldi und Bach konsequent fort. Er stellte das «Gloria» in D-Dur von Antonio Vivaldi an den Beginn des Konzertes und die Kantate «Gloria in excelsis Deo» von Johann Sebastian Bach an den Schluss.

Chor, Orchester und Solistinnen vereinten sich zur jubilierenden Engelsbotschaft in Vivaldis «Gloria», in dem Melodienreichtum und harmonische Vielseitigkeit immer wieder überraschen. So folgte nach dem strahlenden Beginn das verhaltene «Friede auf Erden», in dem der Chor lange Bögen singt, die in der Akustik des Konzertsaales schwerer zu halten sind als in einer Kirche. Schnörkellos klar setzte Barbara Zinniker ihren Sopran gegen Oboe und Fagott im «Domine Deus», und fand sich im Duett mit Barabra Erni (Alt) klangvoll zusammen.

Konzertanter Höhepunkt mit Daniel Dodds

Auch wenn der Winter draussen noch nicht klirrt, holte Franz Schaffner mit seinem Orchester und dem Solisten Daniel Dodds diese Kälte lautmalerisch in den Saal. Da flirten im Winterkonzert aus Vivaldis «Jahreszeiten» die Streicher mit Konzertmeisterin Naomi Lozano-Tolksdorf kurz und eisig, und schwang sich der betörende Geigenton von Dodds weich darüber. In Bachs Violinkonzert E-Dur setzte Dodds im Adagio über dem zarten Klang des Orchesters seine Kantilenen fein timbriert, um im Allegro assai das Tempo zügig voranzutreiben. Seine ganze Virtuosität reizte er in der Zugabe, Paganinis «Caprice 24», aus.

In Bachs «Magnificat» verbreitete das Orchester mit Trompeten und Pauken weihnächtliche Festlichkeit, die vom Solistenquartett (zusätzlich mit Simon Witzig, Tenor, und Serafin Heusser, Bass) stimmungsvoll aufgenommen wurde. Die diffizilen fünfstimmigen Chorsätze waren gut einstudiert, brachten die Stimmen aber doch an ihre Grenzen. Das nachfolgende «Gloria» forderte den Chor nochmals stark heraus. Das bestens aufgestellte Orchester unterstützte ihn aber hervorragend und akzentuierte zusammen mit den klaren Stimmen der Solisten weihnächtliche Vorfreude.

Gerda Neunhoeffer
kultur@luzernerzeitung.ch