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KKL: Gewaltige Stichflammen im grossen Saal

Schlagende Argumente für künftige Abstimmungskämpfe: Jugendblas- und Musikschulorchester triumphierten mit der Luzerner Kantorei und Carl Orffs «Carmina Burana».
Rund 300 Kinder und Jugendliche überzeugten im Saal des KKL mit Carl Orffs «Carmina Burana». (Bild: Philipp Schmidli)

Rund 300 Kinder und Jugendliche überzeugten im Saal des KKL mit Carl Orffs «Carmina Burana». (Bild: Philipp Schmidli)

Urs Mattenberger

Würde man wegen eines Schülerkonzerts den Anfang des prestigeträchtigen Matchs gegen Frankreich verpassen? Die Frage stellten sich wohl manche der 1800 Besucher, die am Sonntag um 18.30 Uhr den Konzertsaal des KKL bis auf den letzten Platz füllten, um einem von der Musikschule Luzern veranstalteten Gemeinschaftskonzert von rund 300 Kindern und Jugendlichen beizuwohnen.

Aber als es nach 20.30 Uhr tatsächlich knapp wurde, weil der Schlusschor «O Fortuna» aus Carl Orffs mittelalterlich-archaisierendem Chorwerk «Carmina Burana» markdurchdringend wiederholt wurde, war jedes Bedauern wie weggeblasen. Denn zuvor hatten das Jugendblasorchester Luzern, die vereinigten Musikschulorchester zwischen Uri und Emmen und die Luzerner Kantorei mitsamt Kinder-, Mädchen- und Herrenchor bewiesen: Sie können bei passender Werkwahl ein Konzert hinlegen, das nicht nur ein einzigartiges Gemeinschaftserlebnis für die Mitwirkenden ermöglicht.

Es vermochte vielmehr ohne jeden Schüler- und Kinderbonus auch das Publikum im Saal zu begeistern wie irgendein professionelles Erwachsenenkonzert. Damit war dieses Grossereignis nicht nur ein künstlerischer und sozialer Event. Es lieferte schlagende Argumente für künftige Abstimmungskämpfe um Einsparungen bei Musikschulen.

Blasorchester-Party

Dazu passte die breite Abstützung mit dem Einbezug des Jugendblasorchesters im Vorkonzert. Die unter der Leitung von Remo Capra kompakt auftretende Grossformation deckte ihrerseits ein breites Stilspektrum ab vom federnd-schmissig dargebotenen «Colossus of Columbia March» bis zu Satoshi Yagisawas hymnisch strahlender «Machu Picchu»-Suite, die sinfonisch auch dramatisch-düstere Register zog. Das war als Beschwörung des Glanzes und des Untergangs des Inkareichs ein Beispiel dafür, wie auch konzertante Werke griffige Zugänge bieten können, und das letzte Stück führte das handfest weiter: In Eric Whitacres «Las Vegas!» feierte das mehrfach ausgezeichnete Jugendblasorchester als Unterhaltungsorchester ein stilistisch schillerndes musikalisches Fest bis hin zu Partylärm und Bläsergeklirr.

Highlight und Überraschung

Den Verdacht, die beeindruckende Klangkraft der Bläser würde dem Grosswerk nach der Pause etwas die Show stehlen, fegte gleich der erste Streich von Carl Orffs «Carmina Burana» hinweg: Unter Leitung von Kantorei-Leiter Eberhard Rex schoss deren Auftakt wie eine alles verbrennende Stichflamme in den Saal. Grundlage dafür war die kernige Klangkraft der versammelten Kantoreichöre – künstlerisch das kollektive Highlight des Konzerts. Dessen grösste Überraschung aber war, wie der Chorklang von den vereinigten Musikschulorchestern zuverlässig begleitet wurde.

Verstärkt durch Profis – ein weiterer sympathischer Schulterschluss – steuerten die jugendlichen Instrumentalisten die ganze Palette an orchestralen Effekten bei, die das Werk verlangt: atmosphärische Klanggrundierungen, energische musikantische Einsprengsel (vorzüglich die Trompeten und Hörner), bissige Farbtupfer und rhythmische Grooves. Wo Orff diese zu Perkussionsgewittern zuspitzt, scheute auch Rex nicht vor knalligen Effekten zurück.

Hier wie im Vorkonzert profitierte die Aufführung vom Prinzip, das man vor allem von Laienchören kennt – dass nämlich im Kollektiv die Beteiligten über sich hinauswachsen. Ein Musterbeispiel dafür war der separate Auftritt des Kinderchors der Kantorei, der aus der Echokammer und am Schluss auf den Balkonen seitwärts der Orchesterbühne seinen grossen Auftritt hatte.

Eine Klasse für sich

Aber die Leistung, die Sängerknaben, Mädchen- und auch der Herrenchor zeigten, ging weit darüber hinaus. Die Bestimmtheit, mit der dieser Kantoreichor perkussiv genau artikulierte oder Linien plastisch fliessen liess, verhalf auch den bombastischen Stellen zu Klarheit und war trotz weniger Koordinationsprobleme eine Klasse für sich: Zu verdanken ist sie neben Eberhard Rex auch Anna Katharina Kalmbach, die sich mit dieser Produktion als künstlerische Leiterin des Mädchenchors verabschiedet.

Ein schönes Symbol für eine solch professionelle Arbeit mit Jugendlichen bot das Solistentrio. Neben dem ironischen Kabinettstück des Tenors Sebastian Lipp und dem strömenden Bariton von Sergej Aprishkin hatte hier auch die Sopranistin Regula Mühlemann kurze Auftritte. Und die Sängerin, deren Karriere einst in der Kantorei begann, setzte mit ihrem geschmeidigen Sopran mehrere berückende Glanzlichter. Sonderapplaus und lang anhaltende Standing Ovations für alle Beteiligten.

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