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KKL: Glatter Sound und starke Solos

Mit dem Big-Band-Konzert der Hochschule Luzern – Musik ging das Szenenwechsel-Festival zu Ende. Zu Gast war der Komponist und Arrangeur Jörg Achim Keller, der sich als Meister des klassischen Big-Band-Fachs erwies.
Katharina Thalmann
Die Big Band der Hochschule Luzern musizierte am Sonntagabend im Luzerner Saal des KKL mit viel Spielfreude und eindrücklichen Soloauftritten. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. Februar 2018))

Die Big Band der Hochschule Luzern musizierte am Sonntagabend im Luzerner Saal des KKL mit viel Spielfreude und eindrücklichen Soloauftritten. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. Februar 2018))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

«Ein guter Komponist kopiert, ein sehr guter Komponist klaut», sagte kürzlich ein Jazzstudent. Den Spruch hatte er nicht erfunden, sondern im ersten Semester an der Jazzschule gelernt. So stand das Big-Band-Konzert vom Sonntag unter dem Motto «New Bottle – Old Wine», alter Wein in neuer Flasche. Auch das ist ein legitimer Zugang zu den Stilfragen, die während des Szenenwechsel-Festivals erörtert wurden.

Billy Strayhorns Klassiker «Take The A-Train» eröffnete das Konzert. Jörg Achim Keller ist bekannt für seine handwerklich makellosen Arrangements, deren Vorbild ein eher traditionelles Klangbild ist. Dieser Big-Band-Stil gehört nach wie vor zu den Kernkompetenzen von Jazzmusikern. Den Jazzschülern, die sich gerne der allgemeinen Tendenz zu avantgardistischem Pop hingeben, tat die Probewoche mit Keller sicher gut. Trotzdem spielten sie den «A-Train» verhalten; es dauerte eine Weile, bis sie sich der Akustik angepasst und sich an das ungewöhnlich breit gestreute Set-up im Luzerner Saal gewöhnt hatten.

Posaunensection mit Power

Duke Ellingtons «Creole Love Call» hat Keller mit Coleman und Schönberg angereichert. Waren die treibenden Saxofonlinien etwa zwölftönig à la Schönberg? Erfrischenderweise spielten Andri Schärli (Altsaxofon), Noah Weber (Schlagzeug) und Vito Cadonau (Bass) ein ansatzweise freejazziges Solo, das sich sowohl von Ellington als auch von Schönberg distanzierte.

Dem ersten Posaunisten Mau­rus Twerenbold gehörte das nächste Stück: Herbie Hancocks «Dolphin Dance» verlieh er mit entschlossenem Sound Tempo. Überhaupt hatte die Posaunensection Power: Die Soli von Jasmin Lötscher überzeugten, und Jonas Inglin an der Bassposaune sorgte in Horace Silvers «Doodlin’» für einen groovenden Grund.

Kitsch ohne Schmalz

Als Leader zurückhaltend und sympathisch, teilte Jörg Achim Keller immer wieder Anekdoten mit der kundigen Konzertkundschaft. Er schreckt auch vor Klassikern nicht zurück und bewies mit «Over The Rainbow», wo das zweite Thema als zärtlicher Kontrapunkt aus Saxofon (wunderbar phrasiert: Miriam Scherrer) mit Klavier und Gitarre daherkam: Keller kann’s! Er beherrscht Kitsch ohne Schmalz – und das vermutlich im Wissen, dass das klingende Resultat eher glatt ist. Exzentrische Ecken und überraschende Kanten sind seine Sache nicht. Das wiederum freut den Jazz-Club Luzern. «Angenehmer Sound» und «unproblematische Musik», hörte man in der Pause.

«Dank der Kooperation mit dem Jazz-Club hatten wir heute volles Haus», freut sich Hochschuldirektor Michael Kaufmann. Ein Wermutstropfen vor der Pause war Kellers Arrangement von Kurt Weills «Mackie Messer»: Indem er auf die vielen Modulationen verzichtete, nahm er dem Stück seine Pointe.

Das zweite Set begann mit wesentlich mehr Drive als die erste Hälfte. Pianist Kenny Niggli überraschte mit einem ausladenden Solo-Intro zu Horace Silvers «Ecaroh» voller überraschender Wechsel im Time, differenzierter Artikulation und ohne Rücksicht auf Verluste. Das war der erste Funken jener Jazz-Anarchie, die man liebt.

Bilderbuchswing mit Spassfaktor

Von da an änderte sich die Stimmung: An «Doodlin’» hatte die Band offensichtlich ihre Freude, endlich kam ein Hauch Kommunikationsbedürfnis auf (neben der anarchistischen Gleichberechtigung eine weitere liebenswerte Eigenschaft des Jazz). Die Saxofone und gedämpften Po­saunen sorgten hier für klas­sischen Bilderbuchswing mit Spassfaktor.

1987, im zarten Alter von 21 und bereits im zweiten Jahr seiner Profikarriere, schrieb Keller für eine NDR-Produktion mit Chet Baker. «In Your Own Sweet Way» von Dave Brubeck stand damals wie am Sonntag auf dem Programm – eine eigentlich undankbare Aufgabe für den Trompeter Martin Gilgen. Jedoch liessen einen sein ganz eigener Zugang, sein wunderschöner Sound und seine kreativen Lines das berühmte Vorbild schnell vergessen. Im letzten Stück, dem Silver-Tune «Nutville», sorgte Benjamin Knecht mit seinem Saxofon-Solo für ein erfreuliches Highlight, zeugte es doch wie kein zweites von einer hohen Kenntnis des Big-Band-Stils. Als Zugabe folgte Celentanos «Azzurro», für einmal als gefühlvolle Ballade. Das war dann wirklich alter Wein in einer neuen Flasche.

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