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KKL: Grammy-Gewinner Gregory Porter ist der Richard David Precht des Jazz

Der Jazzsänger und Grammy-Gewinner Gregory Porter erwies sich am Montagabend als der Richard David Precht des Jazz: Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in den Mainstream.
Wolfgang Meyer
US-Sänger Gregory Porter in seinem typischen Look. (Bild: PD)

US-Sänger Gregory Porter in seinem typischen Look. (Bild: PD)

Die Mäntel hängen an der Garderobe. Im Foyer stehen leere Weingläser verstreut. Im Dunkel des vierstöckigen Konzertsaals sitzen stille schwarze Schemen, und das architektonische U der Balkone bündelt die Aufmerksamkeit der rund 1800 Besucher auf einen etwas beleibten Mann mit Schlauchschal ums Gesicht.

Auf dem Kopf eine schwarze Ballonmütze mit kurzem Schirm. Breitbeinig sitzt er auf einem Barhocker, den Schatten des Schirms im Licht der Scheinwerfer wie ­einen Zensurbalken über den ­Augen. Neben ihm ein unter­setzter Mann mit grauem schmalkrempigem Hut am Flügel. Im Raum zwischen Menge und Person diese dunkle warme Stimme, in die man sich einkuscheln möchte, wie in einen tiefen Ohrensessel am Kamin.

Mit Gregory Porter holte der Jazzclub Luzern eine Stimme ins KKL, die Jazz mainstreamfähig macht. Mit den Alben «Liquid Spirit» und «Take Me to the Alley» holte er in England und Deutschland Gold sowie gar Platin und wurde beide Male mit dem ­Grammy für das beste Jazz-Gesangs­album des Jahres ausgezeichnet.

Auch in der Schweiz schaffte es der sechsundvierzigjährige Kali­fornier mit Letzterem auf Platz elf in den Charts. Den Vorwurf des intellektuellen Ausverkaufs lässt er nicht gelten. Als ihn etwa das Schweizer Magazin Jazz ’n’ more ungläubig auf sein Duett mit der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer anspricht, meint er: «Wenn sich der Jazz in eine Ecke verkriecht, dann erweist er sich damit einen Bärendienst. Dann ist er tot. Mir ist es wichtig, meine Musik einem neuen Publikum zu präsentieren, das ansonsten nie nur in die Nähe eines Jazzalbums gehen würde.»

Wie ein Protagonist seines eigenen Spielfilms

Ob es sich dabei um kulturellen Stützunterricht oder gutes Marke­ting handelt – sein Sound ist unverkennbar. Das samtene Timbre spielt in den unteren Lagen voll und rund aus den Tiefen seines braunroten Sakkos. Tivon Pennicot, der auch mit Roy Hargrove und Esperanza Spalding tourte, nimmt Porters Sound und wirft ihn auf dem Tenorsaxofon in technisch ungleich höher aufgelöstem Spiegelbild wieder zurück. Der Pianist Chip Crawford liefert dazu eingängige Voicings und manchmal verspielte Melodien.

In seinen Kompositionen tritt Porter wie der Protagonist eines eigenen Spielfilms als klarer und griffiger Charakter aus seiner ­Musik heraus. In der Aufbereitung der Stücke seines frühen Vorbilds Nat King Cole und den Medleys, die er daraus schneidert, bleibt er hinter dieser Strahlkraft zurück. Von der Kunst des aufstrebenden Organisten Ondrej Pivec an der Hammond hört man an diesem Abend leider nicht viel, da er bis auf die wenigen Passagen, in denen er sich einfühlsam und ­effektvoll im Vordergrund bewegt, nur schwer zu hören ist. Auch der Sound von Kontrabass und Basedrum wabert wie eine ­Wolke durch den Saal. Das wirkt schmeichlerisch und macht Platz für Porters Stimme, lässt aber leider einen grossen Teil der Energie im Raum verpuffen. Die Rhythm Section bemüht sich hinter dem Weichzeichner der Mischung ­angestrengt, aber nicht immer ­erfolgreich, den Groove bis zum Publikum zu bringen.

Zuerst für die Armen gesungen

Trotzdem klatscht dieses artig nach jedem Solo und lässt sich von Porter im glänzenden Lederschuh von den dunklen Gassen der Stadt, den Armen und Geplagten erzählen. Eine unwirk­liche Szenerie am Ufer des Vierwaldstättersees im Herzen des glamourösen Kultur- und Kongresszentrums mit vollen Abendgarderoben und emsigen Angestellten, die sich ums Geschirr kümmern. «Doch die Armen ­waren die ersten, für die ich sang. Weil sie es brauchten», erzählt Porter. Ganz die Aura von Gelassenheit und innerer Freude.

Wolfgang Meyer

kultur@luzernerzeitung.ch

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