KKL: Helge Schneider – In Hochform dank IQ-Blockern

Helge Schneider pendelt zwischen Musik und Komik. Beides beherrscht er bestens. Und manche Zuschauer konnten gar nicht mehr mit dem Lachen aufhören.

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Der Kontrabass ist nur eines von vielen Instrumenten, die Helge Schneider am Samstag in Luzern spielte. (Bild: Roger Grütter)

Der Kontrabass ist nur eines von vielen Instrumenten, die Helge Schneider am Samstag in Luzern spielte. (Bild: Roger Grütter)

Michael Graber

Er habe, frotzelt Helge Schneider, mindestens «30 IQ-Blocker genommen, damit ich heute auf einer Ebene mit Ihnen kommunizieren kann». Dann holt er aus zur zweistündigen Fahrt durch sein ganzes Schaffen. Klassiker wie «Katzenklo» und «Der Meisenmann» fehlen natürlich nicht. Schneider wird dabei folgende Instrumente spielen: Gitarre (akustisch und elektrisch), Klavier (Konzertflügel und eine Kindervariante zum Reinblasen), Vibrafon, Trompete, Trommel, Schlagzeug und Kontrabass.

Grossartige Choreografie

Das ist nicht nur von der musikalischen Begabung her imposant, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er eigentlich auch noch eine achtköpfige Band auf der Bühne hat. Und da ist auch noch ein Tänzer, der im (zu) eng anliegenden schwarzen Ganzkörperanzug eine anrührende Choreografie aufführt (inklusive akrobatischer Kerze und Velostrampeln).

Nicht fehlen darf auch sein «Teebutler», der Schneider immer wieder Tee bringt. «Das ist aber nur Theatertee, also Wasser», sagt der Deutsche. «Trotzdem werde ich immer wieder sagen: ‹Ganz schön heiss.›» Sagt es dann auch tatsächlich und kommandiert den Butler mit einem «Sitz!» wieder an seinen Platz am Bühnenrand.

Das ist alles herrlich komisch. Etwa wenn Helge Schneider zu einem neuen Lied ansetzt und sich dann in ellenlangen, absurden Episoden verliert, wie dieses Lied entstanden sei – meistens sind sie durch komplette absurde Reisen inspiriert. Musik und Komik halten sich an diesem Samstagabend im ausverkauften Luzerner Saal die Waage. Und bei einem epischen Schlagzeugduell zwischen Schneider und dem Drummer seiner Band sind die Grenzen sogar komplett fliessend.

Absitzen in Zeitlupe

Es sei schön «hier in ...» – dann liest er von der Hand ab – «... der Schweiz», sagt Schneider. Ein typisches Element in seiner Show ist die Entschleunigung. Und sei es nur, wenn er sich in Super-Zeitlupe langsam auf den Klavierstuhl setzt, nur um es anschliessend gleich noch einmal zu machen. Er macht viele Kunstpausen, spielt mit der Mimik, grinst viel oder formt kleine Grimassen.

Im ersten Teil der Show trägt er zudem die schrecklichsten Schlangenlederschuhe, die je hergestellt wurden. Und unter den kurzen Hosen schauen die bleichsten Beine von Westeuropa hervor. Helge Schneider ist ein Ereignis. Eines, das einem gefällt oder halt eben nicht.

Das Publikum ist begeistert

Im KKL gefällt er allen. Logisch, die Zuschauer haben ja auch gutes Geld bezahlt, um ihn zu sehen. Und so hat er das Publikum ab der allerersten Sekunde im Sack. Schon alleine, wie er mit dem Kontrabass auf die Bühne trappelt, löst bei einigen krampfartiges Gelächter aus. Manch einer hört während der Show – abgesehen von der Pause – gar nicht mehr mit dem Lachen auf.

Komplett verständlich. Helge Schneider ist urkomisch. Und obwohl natürlich viele seiner Sprüche und Interaktionen alles andere als spontan sind, so erweckt er stets den Eindruck, alles gerade im Moment zu kreieren. Im letzten Jahr ist Schneider 60 Jahre alt geworden, müde wirkt er im KKL aber in keinem einzigen Moment der 120 Minuten.

«Meisenmann» wird gefressen

Auch bricht er immer wieder aus der Routine aus, den Text vieler bekannter Lieder hat er leicht modifiziert (so wird der «Meisenmann» diesmal am Schluss gefressen). Helge Schneider ist auch nach über 25 Jahren im Geschäft immer noch in Hochform. Ob das am Theatertee, an den IQ-Blockern oder doch einfach am Talent des Mannes liegt, sei hier mal offengelassen.