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KKL: Herbe Süsse – blanke Schärfe

Prominenter Solist, prestigeträchtige CD: Das Luzerner Sinfonieorchester und James Gaffigan gaben mit dem Geiger Vadim Gluzman mehr als nur ein Konzert.
Probe fürs Konzert und eine prominente CD-Aufnahme: Geiger Vadim Gluzman, Chefdirigent James Gaffigan. (Bild: PD/Ingo Höhn)

Probe fürs Konzert und eine prominente CD-Aufnahme: Geiger Vadim Gluzman, Chefdirigent James Gaffigan. (Bild: PD/Ingo Höhn)

Urs Mattenberger

Bisher waren die Rollen an der Spitze des Luzerner Sinfonieorchesters klar verteilt. James Gaffigan ist Chefdirigent des Orchesters, dessen Repräsentation nach aussen übernimmt Intendant Numa Bischof, der zudem die Programme stark mitgestaltet. Diese Konstellation erinnert noch immer ein wenig an Zeiten, als man den Intendanten – unter weniger profilierten Chefdirigenten – als Nummer eins des Orchesters wahrnahm. Dagegen setzte das LSO-Konzert vom Mittwoch ein starkes Symbol.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Gaffigan sich dazu bekannt, Dirigenten müssten künftig stärker die Rolle des Kommunikators gegenüber dem Publikum wahrnehmen. Im Konzertsaal des KKL nun ergriff der Chefdirigent das Mikrofon und damit das Wort. Und bekräftigte damit indirekt die Rolle, die ihm mit der Vertragsverlängerung bis 2022 zukommt: Dass er länger bleiben will, als alle international erfolgreichen Chefdirigenten vor ihm, macht ihn auf neuartige Weise zur Nummer eins.

Prestigeprojekt mit Brahms

Gaffigan kam gleich zur Sache mit der Faszination für die wolkenhaft-unfassbare Klangwelt von Ferrucio Busonis «Gesang vom Reigen der Geister» oder die Fluchtbewegungen weg und wieder hin zur Tonalität in Bohuslav Martinus sechster Sinfonie. Trotz – oder dank – seines kultivierten New Yorker Englisch übertrug sich dieser Enthusiasmus aufs Publikum. Aber das Meisterstück dazu blieb – nach der Pause – das Violinkonzert von Johannes Brahms. Dass das Luzerner Sinfonieorchester ein solch zentrales Repertoirestück mit dem Geiger Vadim Gluzman auf CD aufnimmt, bekräftigte das Renommee, das es unter Gaffigan gewonnen hat. Und die Interpretation zeigte eine Eigencharakteristik, die bei einem derart oft gespielten Stück nicht selbstverständlich ist.

Abenteuerliche Traumwelten

Prägend dafür war auch der Solist, der seine Figurationen feingliedrig ins Orchester einfädelte, aber im weiteren Verlauf demonstrierte, dass dieses Stück keineswegs «gegen die Violine» geschrieben ist, wie prominente Kritiker einst meinten. Gluzman hatte zwar auch die Ruhe und einen wunderbar leuchtenden Ton für ätherisch schwebende Gesangslinien, in denen er Rubato-Impulse von Gaffigan partnerschaftlich mitgestaltete. Aber er machte aus dem Werk auch ein hochexpressives Virtuosenkonzert, das den musikantischen Schwung des Finale geradezu schmissig ausreizte.

Die Vorlage dazu lieferten Gaffigan und das Orchester mit einer vitalen Gangart, die kammermusikalischen Feinsinn mit prachtvoller Klangentfaltung verband. Die überraschend energische Grundhaltung rückte umso betörender auch lyrische Qualitäten ins Zentrum – mit vorzüglichen solistischen Leistungen namentlich der Holzbläser um die Oboistin Andrea Bischoff.

Die Klangkultur, die all das ermöglichte, wurde im ersten Teil mit Extremwerten auf die Probe gestellt. Die «Traumwelt» (Gaffigan) von Busonis Geister-Gesang betörte mit weich wattierten, ziellos dahinschlängelnden und zum Schluss rätselhaft verlöschenden Klangbewegungen. Martinus «Fantaisies Symphoniques» schloss daran mit flüchtigen Bewegungsmustern unmittelbar an, steigerte sich aber zum rhythmisch verschachtelten Kaleidoskop, das Folklore-Anklänge und Moderne mit herber Süsse und blanker Schärfe mischte. «Wiederentdeckungen» und «grosse» Klassiker? Das Konzert bewies damit, welche Hörabenteuer das farblos klingende Saison-Motto des LSO bereithält.

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