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KKL: Höhenflug auch ohne Dirigent

Mit Magie und Drive überraschen die Festival Strings im letzten Saison­konzert in Luzern als Beethoven-Orchester. Und das mit, aber auch ohne die prominente Solistin.
Urs Mattenberger
Beethovens Violinkonzert ohne Dirigent: Arabella Steinbacher musiziert als Solistin mit den Festival Strings Lucerne im Konzertsaal des KKL. (Bild Roger Grütter)

Beethovens Violinkonzert ohne Dirigent: Arabella Steinbacher musiziert als Solistin mit den Festival Strings Lucerne im Konzertsaal des KKL. (Bild Roger Grütter)

Urs Mattenberger

«Daumen drücken» hatte die Geigerin Arabella Steinbacher sich gewünscht vor dieser «Herausforderung», nämlich der Aufführung von Beethovens Violinkonzert ohne Dirigent (Ausgabe vom Dienstag). Tatsächlich wirkte das Konzert der Festival Strings Lucerne am Donnerstag wie ein Aufbruchsignal für die Wende nach einer Phase, in der man dem Orchester die Daumen drücken musste.

Verzaubert nach dem Violinkonzert und elektrisiert durch Beethovens erste Sinfonie – beides Premieren für die Strings – verliess man am Ende staunend den Saal: ungläubig, dass die Existenz eines solch hochkarätigen Orchesters auf dem Spiel stand, weil ihm nach der Neuordnung der Subventionen zwischen Kanton, Stadt und Regionalgemeinden nur noch die städtische Subvention von 80 000 geblieben war – bis zu 160 000 Franken weniger als zuvor.

Auch wenn damit nach Angaben von Geschäftsführer Christoph Mauruschat die Existenz des Orchesters längerfristig noch nicht gesichert ist: Die 80 000 Franken, die der Kanton seit dieser Saison wieder zahlt, entspannen erstmals die finanzielle Lage. Und sie anerkennen, dass die Strings zu den «grossen Kulturinstitutionen» gehören, für die der Kanton mit verantwortlich ist.

«Ein Lucerne-Festival-Konzert»

Das Konzert führte diesen Rang exemplarisch vor. Es bewies, dass das Spiel ohne Dirigent – dank der animierten Leitung von Konzertmeister Daniel Dodds – selbst bei Beethoven vorzüglich funktioniert. So profitierte das Violinkonzert vom kammermusikalischen Spiel, das bei diesem Ensemble Tradition hat – mitunter klang das so transparent wie ein Streichquartett, wo die Solistin und die Geigen des Orchesters miteinander dialogisierten. Aber das lichte Klangbild bot nicht nur der Solistin Raum für die freie Entfaltung ihres sinnlich leuchtenden Geigentons. Die Strings gestalteten vielmehr deren Ausdrucksreichtum – vom Höhenflug in weit gespannten Kantilenen über tänzelnde Figurationen bis zum angriffigen Doppelgriffspiel im Finale – auch mit überraschend scharfen und orchestralen Akzenten pointiert mit.

Beethoven auf der Höhe der Zeit: Das galt auch für die Aufführung der ersten Sinfonie. «Wie ein Lucerne-Festival-Konzert», begeisterte sich ein Besucher. Und tatsächlich hatte die Wiedergabe Qualitäten, die man ähnlich vom Beethoven-Zyklus unter Bernard Haitink kennt, mit dem die Strings an den Meisterkursen des Festivals zusammenarbeiten. Dass da nicht jeder Einsatz auf Anhieb haargenau sass, blieb nebensächlich angesichts der Spontaneität und Geschmeidigkeit, zu der die 34 Musiker zusammenfanden. Die Präsenz der Holzbläser, die szenische Wirkung der beidseitig platzierten Hörner und Trompeten und eine Dynamik, die die Kontraste vom lauernden Pianissimo bis zum Eklat ausreizte, sorgten für eine Magie und einen Drive, der schon im Frühwerk den Revolutionär Beethoven feierte.

Start zur Jubiläumssaison

Mit Projekten wie diesen gehen die Festival Strings den umgekehrten Weg wie das Luzerner Sinfonieorchester, das mit Repertoireerweiterungen hin zum Barock gewonnene grossorchestrale Qualitäten mit kammermusikalischen Ansätzen verbindet. Das führt bei Mozart und Beethoven mit unterschiedlichen Akzenten zu gleichermassen spannenden Resultaten. Umso erstaunlicher ist, dass selbst in diesem Konzert der Festival Strings Parkett und erster Balkon zwar gut besucht waren, die oberen Balkone aber geschlossen blieben.

Die grösste Auslastung hatte in der jetzt zu Ende gehenden Saison der Strings das Konzert mit James Galway (1640 Besucher). Insgesamt verzeichnete das Orchester in Luzern 8000 Besucher (in der Schweiz und im Ausland 9000). Neuerlichen Auftrieb dürfte dem Ensemble die Jubiläumssaison bringen, die im August, 60 Jahre nach der Gründung durch Wolfgang Schneiderhan, im Rahmen von Lucerne Festival eröffnet wird – noch einmal mit Arabella Steinbacher als Principal Guest Artist.

Hinweis

SRF 2 Kultur sendet am Dienstag, 31. Mai, 22.06 Uhr, das Eröffnungskonzert der Festival Strings am Osterfestival in Andermatt.

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