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KKL: Jetzt kommt die Orgel ins Rampenlicht

Ein mobiler Spieltisch gibt der Orgel des Konzertsaals einen prominenten Platz auf der Bühne. Die Elektrifizierung des Instruments schafft auch neue musikalische Möglichkeiten und insbesondere mehr Klangkraft.
Urs Mattenberger
Elegantes KKL-Design: Simon Hebeisen am neuen mobilen Orgel-Spieltisch auf der Bühne des Konzertsaals. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. 9. 2017))

Elegantes KKL-Design: Simon Hebeisen am neuen mobilen Orgel-Spieltisch auf der Bühne des Konzertsaals. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. 9. 2017))

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Organisten spielen in Kirchen nicht nur zum Lob Gottes. Sie haben mit ihm auch gemeinsam, dass sie weit oben sitzen, für das Publikum unsichtbar und nur an den Klängen zu erkennen sind, die sie produzieren. An Konzertorgeln wie jener im KKL-Konzertsaal haben sie es etwas besser. Aber selbst da kehren sie, entrückt auf den Orgelbalkon über der Empore, dem Publikum den Rücken zu. Und das in einer Zeit, wo der Direktkontakt der Stars zum Publikum immer wichtiger wird.

Damit ist ab kommender Woche Schluss. In diesen Tagen nämlich installiert die Orgelbau-Firma Goll aus Luzern im KKL für die von ihr erbaute KKL-Orgel einen neuen Spieltisch. Dieser ist mobil und kann auf verschiedenen Positionen und auch mitten auf der Bühne platziert werden. Dass Organisten künftig von da aus die Orgel spielen und dabei mit dem Publikum in Blickkontakt treten können wie andere Solisten, kommt also beinahe einer kopernikanischen Wende gleich

Praktische und musikalische Vorteile

Dabei war das nur ein Grund für die 300 000 Franken teure, vom KKL finanzierte Installation. Ausschlaggebend für diese Neuerung, die bei modernen Konzertsälen heute zum Standard gehört, waren praktische Gründe. «Viele Organisten vermissen hier den direkten Kontakt zum Dirigenten und zu den Musikern auf der Bühne», erklärt Simon Hebeisen, Geschäftsführer des Orgelbau-Betriebs Goll.

Kommt hinzu, dass Organisten auf der Orgelempore nicht einschätzen können, wie die Balance der gewählten Register für das Publikum im Saal klingt: «Deshalb ist die Vorbereitung unglaublich zeitaufwendig. Das geht heute nicht ohne einen ­Assistenten im Saal und dauert bis zu 14 Stunden für ein einstündiges Rezital. Vom mobilen Spieltisch aus können Organisten in Zukunft allein registrieren, weil sie von der Bühne aus einschätzen können, wie das im Saal klingt.»

Neben solch praktischen Erwägungen bietet der mobile Spieltisch aber zusätzlich auch einen musikalischen Mehrwert, und zwar dank der Elektrifizierung der ganzen Orgel, die das erforderte. Die KKL-Orgel ist zwar ein mechanisches Instrument – die Luftventile werden per Tastendruck über bis zu zehn Meter lange Holzlamellen geöffnet.

Aber schon beim Bau der Orgel wurde im Instrument Platz geschaffen für den Einbau von Magnetschaltern, die die Luftventile über einen elektrischen Impuls öffnen. Die ohnehin anstehende, sich über die drei vergangenen Jahre erstreckende Reinigung der Orgel wurde gleich zum Anlass genommen für die jetzt abgeschlossene Elektrifizierung. 350 Magnetschalter mussten eingebaut und verkabelt werden, über welche die 4500 zu Registern zusammengefassten Orgelpfeifen zum klingen gebracht werden können.

Umwandler in der Orgel an der Rückseite des Konzertsaals und dem Spieltisch auf der ­Bühne schicken digitalisierte ­Impulse zwischen beiden hin und her. «Man muss lediglich den Spieltisch über ein Kabel in eine der auf der Bühne angebrachten Steckdosen anschliessen, und schon ist das Instrument spielbereit.»

Einweihungsrezital zieht alle Register

Es ist diese Elektrifizierung, die die musikalischen Möglichkeiten des Instruments erweitert. Denn sie ermöglicht zusätzliche Koppelungen zwischen vier Manualen und den Registern und namentlich Oktav-Verdoppelungen auch im Bass. «An Tutti-Stellen führt das zu deutlich mehr Klangkraft. Aber man kann das auch bei feinen Stellen einsetzen. Dann klingt etwa eine ‹Voix céleste› wie ein zartes Streichorchester», freut sich Hebeisen: «Alle Organisten sind mit der Orgel als Solo-Instrument sehr glücklich. Aber im Orchester-Tutti war seine Klangkraft bisher an der unteren Grenze. Mit den neuen Koppelungen kommen wir da eine Stufe höher».

Die Voraussetzungen stehen also gut, die KKL-Orgel stärker aus dem Nischen-Dasein herauszuführen, das sie neben Orchesterkonzerten führt. Einen Schritt weiter geht bereits in dieser Saison die Reihe der «Orgelklänge», die das seit ein paar Jahren anstrebt. Diese finden neu zur Primetime abends um 19.30 Uhr statt. Den Auftakt macht im Einweihungsrezital ein international bekannter Orgelvirtuose, der deutsche Organist Christian Schmitt, der von den Bamberger Symphoniker als Konzertorganist engagiert ist. Er spielt ein Programm, das auf dieser Orgel bestens funktioniert und die neue Möglichkeit gezielt nutzen wird: Der erste Satz der Orgelsinfonie Nr. 6 von Charles Widor vertritt die französische Orgelsinfonik, auf die das Instrument ausgerichtet ist, Werke von Olivier Mes­siaen und Daniel Roth führen sie in die Moderne weiter. Franz Liszts Fantasie und Fuge «Ad nos, ad salutarem undam» reizt die Farbenvielfalt von feinsten Klängen bis zum äussersten Fortissimo aus.

Carpenter-Effekt dank mobilem Spieltisch?

Der Spieltisch, an dem man Christian Schmitt all das spielen hört und sieht, erinnert trotz der KKL-Eleganz seines Designs an das Spieltisch-Cockpit des amerikanischen Organisten Cameron Carpenter. Der hatte mit seiner digitalen Orgel – mit Spieltisch und einer Phalanx von Lautsprechern auf der Bühne – auch im KKL ein breites Publikum für die Orgelmusik gewonnen. Könnte die KKL-Orgel mit ihrem mobilen Spieltisch eine Art Carpenter-Effekt auslösen?

Hebeisen relativiert: «Carpenters Auftritte sind wegen seiner spektakulären Technik eine Show ganz eigener Art. Das gilt auch für sein digitales Instrument.» Dieses gebe zwar einzelne Register verblüffend authentisch wieder, anerkennt der Orgelbauer: «Aber wenn einen im Tutti eine Klangwand aus zwölf Lautsprechern entgegenfährt, wirkt das für mich rasch einförmig.» Demgegenüber bleibt die KKL-Orgel trotz Elektrifizierung ein akustisches Instrument: «Wenn hier im Tutti 4000 Pfeifen im Gehäuse zum Klingen kommen, wird das nicht einfach lauter, sondern ermöglicht einen Raumklang, der einen umhüllt und der mit die Faszination der Orgel ausmacht.»

Hinweis

Rezital zur Einweihung des mobilen Spieltischs mit Christian Schmitt, Orgel: Di, 3. Oktober, 19.30, Konzertsaal, KKL (Einführung: 17.30) VV: Tel. 041 226 77 77

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