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KKL: Junge Stars musizieren mit Luzerner Sinfonieorchester

Unter dem Titel «Rising Stars» lud das Luzerner Sinfonieorchester drei Jungstars ein. Pianistin, Geigerin und Komponistin Alma Deutscher, Trompeterin Lucienne Renaudin Vary und Bariton Benjamin Appl meisterten ihre Debüts unter viel Applaus.
Katharina Thalmann
Die britische Pianistin Alma Deutscher mit dem Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Dominik Wunderli (2. März 2018))

Die britische Pianistin Alma Deutscher mit dem Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Dominik Wunderli (2. März 2018))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Alma Deutschers Youtube-Kanal hat mehr als vier Millionen Aufrufe, Lucienne Renaudin Vary steht bei Warner Classics unter Vertrag, Benjamin Appl bei Sony Classical. Der «Rise», der Aufstieg dieser Stars, hat also längst begonnen. Hohen Unterhaltungswert hat das Konzertformat allemal. Wobei sich ein Vergleich zu Castingshows ein bisschen aufdrängt. In «The Voice of Switzerland» oder «Kampf der Chöre» etwa werden Jungtalente einem neugierigen bis voyeuristischen Publikum präsentiert, frenetischer Zwischenapplaus demonstriert die Begeisterung für überdurchschnittliche Leistungen.

Ähnlich ist es am Freitag im KKL: Die 13-jährige Britin Alma Deutscher wird als «neuer Mozart» gehandelt. Sie spielt ihr eigenes Klavierkonzert. Bereits die ersten Takte der Orchester­exposition versetzen das KKL in eine andere Zeit: Deutschers kompositorische Mittel entstammen dem 18. und 19. Jahrhundert. Aus romantischen Bouquets und barocken Harmonieprogressionen komponierte sie ein pastellig-wohlklingendes Konzert.

Perlende Skalen und Prinzessinnenkleid

Es ist ein schön anzuhörender Anachronismus. Darin liegt der grosse Unterschied zu Mozart: Dieser schrieb auf der Höhe seiner Zeit, er gehörte zur Speerspitze der Avantgarde.

Während Deutschers Komposition primär beeindruckt, berührt ihr Spiel umso mehr. Ihren zarten Klang forciert sie nie, perlende Tonleitern und entrüstete Tremoli wechseln sich virtuos ab. Ihre Erscheinung könnte einer Erzählung von E. T. A. Hoffmann entsprungen sein. Das silberne Prinzessinnenkleid schimmerte im Licht. Ist das Grinsen, das sie während der Stretta-Passage der Kadenz ins Publikum warf, Teil der Show? Oder entsprang es einem natürlichen Impuls? Beim Verbeugen wurde Deutscher mit Geschenken überhäuft. Blumensträusse und goldene Geschenkkörbchen wurden ihr aus dem Publikum aufs Podium gereicht.

Eher «Rockstar» als «Rising Star»

Man sollte oberflächliche Vergleiche vermeiden. Doch der Kontrast zwischen Alma Deutscher und der Trompeterin Lucienne Renaudin Vary ist frappant: Vary betritt die Bühne mit schwarzen Lederstiefeln und schwarzem Samtblazer. Die Französin mit Jahrgang 1999 macht einen durch und durch geerdeten Eindruck, der Begriff «Rockstar» scheint adäquater als «Rising Star».

Sie spielt Haydns Trompetenkonzert Es-Dur von 1796 und begeistert mit einem unangestrengten, natürlichen und differenzierten Klang. Im ersten Satz mit dem markigen Thema und den quirligen Tonleitern spielt sie zuweilen etwas schneller als das Orchester. Dirigent Lawrence Foster reagiert gelassen und hielt das Orchester zu Flexibilität an.

Die selbstironisch intonierten Trompetenfanfaren im dritten Satz färbt Vary jedes Mal anders, versieht jede mit anderer Mimik. «Très française»: Sie strahlt Glamour und Zugänglichkeit aus, wirkt bisweilen wie eine Mischung aus Juliette Binoche und Candy Dulfer. Im Anschluss spielen «Lucienne and Friends» eine Jazz-Session in der Seebar. Vielleicht kommt die Direktheit, mit der sie zuvor Haydn gespielt hat, gerade aus ihrer Jazz-Erfahrung?

Der Bariton Benjamin Appl erweist sich mit seiner klugen Auswahl von Schubert-Liedern als kuratorisch denkender Künstler. Er singt instrumentierte Versionen. Dass aus intimen Klavierliedern veritable Orchestergesänge werden können, zeigen die sechs Stücke eindrücklich. Max Reger, Johannes Brahms oder Franz Liszt nahmen sich im 19. Jahrhundert solcher Aufgaben an.

Goethe-Hymne mit scharfer Autoritätskritik

Angefangen mit einer innigen Version von «An die Musik», führt Appl das Publikum hin zu «Prometheus». Goethes Hymne an die Jugend beinhaltet scharfe Autoritätskritik. «Du bist die Ruh» singt Appl mit wundervoller Resonanz und makelloser Diktion. Der Mini-Zyklus endet mit dem «Erlkönig». Appl, der auch auf internationalen Opernbühnen steht, schöpft das dramatische Potenzial voll aus. Dem Wort «Nebelstreif» verleiht er einen unheimlichen Wiener Akzent.

Die Schubert-Sinfonie Nr. 1 im Programm zu rechtfertigen, fällt leicht. Schubert schrieb den charmanten Erstling mit 16 Jahren, auch ihm haftete zeit seines kurzen Lebens der Nimbus des Wunderkinds an. Indes hätte ein stilistischer Bruch, ein Ausflug ins 21. Jahrhundert der Sache gutgetan. Denn Alma Deutschers ästhetische Haltung bestätigte sich so bis zur letzten Note: «Warum soll ich die Welt mit hässlicher Musik noch hässlicher machen?»

Gegenfrage: Gehört es nicht zur Aufgabe der jungen Künstlergeneration, dem Publikum nicht zu geben, was es will, sondern was es braucht? Und woran misst sich in der Galaxie «Klassik» das Star-Potenzial einer Solistin? Es ist wohl ähnlich wie bei «The Voice of Switzerland»: Der Applaus, also die Kommerzialisierbarkeit, entscheidet, welcher Stern in welchem Orbit zirkuliert. Und auch, wann der Zenit erreicht ist.

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