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KKL: King's Singers: Eine Gesangskunst, die berauscht

Die sechs Mitglieder der englischen King’s Singers verbreiteten weihnächtliche Stimmung auf Topniveau. Mühelos füllten sie ohne Instrumentalbegleitung den Saal mit hauchleisem bis orchestralem Klang.
Gerda Neunhoeffer
Die King’s Singers haben sehr individuelle Stimmen und bringen sie dennoch zur perfekten Harmonie. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Dezember 2017))

Die King’s Singers haben sehr individuelle Stimmen und bringen sie dennoch zur perfekten Harmonie. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Dezember 2017))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Reigen der weihnächtlichen Konzerte im KKL und in den Kirchen Luzerns startete gestern Vormittag. Es begann aber nicht mit grossem Orchester- und Chorklang, Weihnachtsoratorium oder «Messias» – das alles und mehr kommt erst noch. Sondern mit den berühmten King’s Singers und deren Gesangskunst.

Von Renaissance über Christmas Carols aus England und deutschen Weihnachtsliedern bis hin zu Jazzversionen und kunstvollen Arrangements populärer Musik reichte das Programm. Und analog zu den unterschiedlichen Stücken war auch die stimmliche Bandbreite der sechs Herren. Ohne Instrumente, ohne Verstärker, ganz alleine mit ihren Stimmen füllten die Sänger den Konzertsaal mühelos mit aussergewöhnlichen Klängen. Warum das Konzert des Lucerne Chamber Circle nicht ausverkauft war, bleibt unverständlich.

Tongebung und Dynamik perfekt abgestimmt

Wer aber dieses Konzert im KKL erlebt hat, wurde hervorragend auf Weihnachten eingestimmt und mit Gesang wie aus einer anderen Welt beschenkt. Die King’s Singers begannen mit «Gaudete» («Freut euch»). Textgestaltung, Tongebung und Dynamik waren perfekt abgestimmt. Dieser unglaublich dichte, saubere und samtene Klang zog sich durch die zwei Stunden des Konzertes, das viel zu schnell verging.

Der hauchleise Unisono-Start in «Veni, veni Emmanuel» steigerte sich unmerklich zu wundervoll sechsstimmigem Wohlklang, der sich fast orchestral ausbreitete. In den Arrangements von ­Philip Lawson, der in der ersten Besetzung der King’s Singers 1968 gesungen hatte, merkte man seine Kenntnis der Gesangmöglichkeiten dieses Ensembles. So wurde der Beginn in «Maria durch ein Dornwald ging» von Countertenor Patrick Dunachie mit sanft weicher Stimme allein gesungen, in jeder Strophe begann dann ein anderer solistisch. Von Christopher Bruertons klar artikuliertem, wohltönendem Bariton wechselte die Melodie in die hell timbrierte Tenorstimme von Julian Gregory, während Bariton Christopher Gabbitas und Bassist Jonathan Howard mit glanzvoller Tiefe die nächsten Strophen anstimmten. Und Countertenor Timothy Wayne-Wright liess den Stern in «Noël Nouvelet» strahlend aufscheinen. Wie Glocken tönten die Stimmen in «Carol oft he Bells». Und als der Text vom Stern, der grösser als die Venus war, in «The Sheperd’s Carol» erzählte, glänzten die Töne königlich in kraftvoller Steigerung. In «Master Of Music» erreichten die King’s Singers gerade in den Dissonanzen berauschenden Sound.

Gewürzt mit Humor und jazzigen Elementen

Nach der Pause stellten sich die Ausnahmesänger ohne Notenständer noch näher zusammen. In dem dicht zusammenstrebenden Halbkreis begannen sie mit einem rhythmisch geschärften Song aus Westafrika. Kleine Erläuterungen zu den Liedern gaben sie in hervorragend verständlichem Deutsch und mit viel Humor. Dieser klang in «Winter Wonderland» ebenso auf wie in einem genau auf sie abgestimmten Arrangement von «Jingle Bells». Da wurde der Text in atemberaubendem Tempo und dennoch ganz klar gesungen.

Und immer wieder entwickelten sich erstaunliche Harmonien, die das ganze Spektrum der Stimmen umfassten. Mit jazzigen Elementen wurde «Santa Claus Is Coming To Town» gewürzt. Aus dem dichten Klangteppich aller sechs Stimmen, die oft noch vielstimmiger wirkten, schwangen sich die einzelnen Solostimmen schwebend auf, ohne je den Gesamtklang zu verlassen. Und obwohl jede einzelne Stimme so individuell ist wie der einzelne Sänger, verschmolzen sie doch zu einem so intensiven gemeinsamen Klang, dass man atemlos lauschte und auf den nächsten, wieder einmaligen Song wartete.

Und man wurde jedes Mal überrascht, was da noch alles gestaltet wurde: perkussive Silben und Fingerschnippen, sanft wie Wellen gleitender Sound in einem argentinischen Lied über die Reise von Maria und Joseph nach Ägypten und wie aus einem Guss und mit extrem weichem Klang «It’s Christmas Time Once More».

Nach jubelndem Applaus und der glaubhaften Versicherung, wie gerne sie in dem wunderbaren Saal im KKL singen und dass sie sich freuen, wieder zu kommen, verabschiedeten sich die King’s Singers mit «Still, still». Am Ausgang gab es für die Damen die langstieligen Rosen, die vorher Schmuck auf der Bühne waren; eine schöne Geste, die der Lucerne Chamber Circle pflegt.

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