KKL: «Krach ist vielleicht Musik von morgen»

Das 21st Century Symphony Orchestra spielt live zum Klassiker «Zurück in die Zukunft». Der Hollywoodkomponist Alan Silvestri, der die Musik schrieb, ist begeistert.

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Hollywoodkomponist Alan Silvestri, in Luzern zu Gast, ist ein Mann mit Humor. Hier spielt er sein Entsetzen darüber, wie künftige Musik klingen könnte. (Bild Eveline Beerkircher)

Hollywoodkomponist Alan Silvestri, in Luzern zu Gast, ist ein Mann mit Humor. Hier spielt er sein Entsetzen darüber, wie künftige Musik klingen könnte. (Bild Eveline Beerkircher)

Interview Simon Bordier

Alan Silvestri (65) gehört zu den gefragtesten Komponisten Hollywoods. Er schrieb etwa die Filmmusik zu «Forrest Gump» und zur Trilogie «Zurück in die Zukunft» (original «Back To The Future») von Regisseur Robert Zemeckis. Heute und morgen wird der erste Film der Trilogie im KKL gezeigt. Dazu spielt das 21st Century Symphony Orchestra live die Filmmusik eine Weltpremiere, für die Silvestri nochmals zur Feder gegriffen hat.

Alan Silvestri, was reizt Sie daran, die Hintergrundmusik aus der Komödie «Zurück in die Zukunft» auf die Konzertbühne zu bringen?

Alan Silvestri: Es geht nicht nur um die Musik, sondern darum, dass diese einen neuen Zugang zum 30-jährigen Film ermöglicht. Die Spannung und Lebendigkeit des live spielenden Orchesters überträgt sich auf den Film. Davon konnte ich mich bei den Proben selber überzeugen: Das 21st Century Orchestra und der Dirigent David Newman sind grossartig!

Zu Beginn des Films hört und sieht man eine Sammlung tickender Uhren. Blitz, Donner und schmetternde ­E-Gitarren-Akkorde prägen weiter das Geschehen. Waren Sie als Filmkomponist dafür zuständig?

Silvestri: Nein, ich wurde spezifisch mit der Musik beauftragt. Mit der Live-Aufführung im KKL stellen sich aber neue Herausforderungen. Die tickenden Uhren etwa würden im Konzertsaal nicht richtig zur Geltung kommen. Deshalb wird das Orchester das Ticken begleiten und auch an anderen Stellen spielen, wo sonst keine Musik zu hören ist. Das wird aber wohl nur eingefleischten Fans auffallen. Denn ich hielt mich bei den Zusatzstellen möglichst an die originale Klangsprache.

In «Zurück in die Zukunft» folgt man dem jugendlichen Helden Marty mit einer Zeitmaschine von 1985 ins Jahr 1955. Auch musikalisch gibts einen Zeitsprung: Man hört andere Hintergrundgeräusche und typische Songs jener Zeit wie «Mr. Sandman». Die dramatische Hintergrundmusik bleibt aber die ganze Zeit über gleich, was jedoch kaum auffällt.

Silvestri: Das liegt am Orchesterklang, der zeitlos wirkt. Den haben wir gewählt, um bei allen Zeitsprüngen die Einheit zu bewahren. Auch die Songs haben neben ihrem ästhetischen Wert eine wichtige Funktion: Man kann sie wie Etiketten einsetzen, an denen das Publikum sogleich die geschichtliche Epoche erkennt.

Der Film hat auch selber Hits hervorgebracht: «The Power Of Love» und «Back In Time» der Band Huey Lewis & the News markieren im Film das Jahr 1985 und eroberten nebenbei die Singlecharts. Was verbindet die Popsongs mit dem Film?

Silvestri: Sie wurden ja eigens für den Film geschrieben. «The Power Of Love» passt aber tatsächlich besonders gut. Es liegt vielleicht daran, dass sich Sänger Huey Lewis und Regisseur Zemeckis über die Hauptfigur Marty einig waren, die hoch sensibel, aber auch mutig sein sollte. Diese Sensibilität ist im Song musikalisch umwerfend eingefangen.

Kurz bevor Marty ins Jahr 1985 zurückfliegt, tritt er mit einer E-Gitarre in einer Tanzhalle der 50er auf. Dabei lotet er die musikalischen Grenzen aus: Hard Rock geht dem 50er-Publikum definitiv zu weit. Heutzutage scheinen dem Musikgeschmack keine Grenzen gesetzt sind wir weiter?

Silvestri: Ich glaube, die Pop- und Rockgeschichte hat noch nicht mal richtig angefangen. Jede Generation nimmt an, dass sie alles gehört hat, was es zu hören gibt. Dabei nimmt die Entwicklung weiter ihren Lauf: Was heute irritierend oder gar wie Krach klingt, ist vielleicht die Musik von morgen. Wichtig ist, dass wir auf Musikwerke zählen können, welche die Zeit überdauern, wie jene von Beethoven.

Oder vielleicht die von Michael Jackson. Im Fortsetzungsfilm fliegt Marty in die Zukunft, ins Jahr 2015. Nebst fliegenden Autos, selbsttrocknenden Kleidern und Smartphone-ähnlichen Geräten taucht in der Utopie Michael Jackson auf: Sein Song «Beat It!» läuft dort im Fernsehen. Ein unsterblicher Hit, wie wir heute wissen.

Silvestri: Heute wird vor allem in Internetforen ein Sport daraus gemacht, die Filmutopie von 2015 mit der tatsächlich eingetretenen Welt zu vergleichen. Ich glaube nicht, dass es Regisseur Robert Zemickis um Prophezeiung ging. Ob Michael Jackson 2015 tatsächlich noch gespielt werden würde, war eigentlich egal. Jackson war damals einfach eine prominente Figur, die man auf eine Zeitreise schicken und dabei virtuos und witzig mit anderen Dingen kombinieren konnte. Es ist wie mit einem musikalischen Thema, das man beim Komponieren immer wieder neu und unerwartet aufgreifen kann. Entscheidend ist in der Musik wie im Film ein perfektes Timing.

Hinweis

Das Live-in-Concert «Back To The Future» findet zweimal im KKL-Konzertsaal statt: Die Vorstellung von heute ist ausverkauft, für das Konzert morgen, 18.30 Uhr, gibt es noch Karten. Info/VV: www.kkl-luzern.ch, Tel. 041 226 77 77.

«Zurück in die Zukunft» wird am Sonntag, 14.30 Uhr, auch im Kino Seehof in Zug in einer Kindervorführung gezeigt. Info und VV: www.kinozug.ch, 041 726 10 01.