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KKL: Krimi mit grossem Showdown

Das Luzerner Sinfonieorchester suchte mit einer Uraufführung neue Horizonte. Und fand sie mit Mullova in Schostakowitschs Violinkonzert.
Urs Mattenberger
Nadelstiche und grosse Gesten: Dirigent Michael Sanderling und Geigerin Viktoria Mullova im KKL. (Bild Pius Amrein)

Nadelstiche und grosse Gesten: Dirigent Michael Sanderling und Geigerin Viktoria Mullova im KKL. (Bild Pius Amrein)

Selbst wenn man enttäuscht werde, lohne sich das Risiko, sich auf Neues und eine Horizonterweiterung einzulassen, sagte die Komponistin Francesca Verunelli (35) im Gespräch mit unserer Zeitung: «Jeder, der neugierig ist, kann ein guter Hörer sein.» Macht umgekehrt offenes Hören aus jeder Komposition ein gutes Werk?

Werk im Auftrag des Orchesters

Das Luzerner Sinfonieorchester unter der inspirierenden Leitung von Michael Sanderling warf am Mittwoch und Donnerstag solche Fragen auf. Es erklangen – vor Schostakowitschs erstem Violinkonzert mit der Russin Viktoria Mullova (54) – Werke, die nicht zum Repertoire gehören: die zweite Sinfonie des Komponisten Kurt Weill und eine Uraufführung von Verunelli. Entstanden ist ihr Werk im Auftrag des Orchesters und der Art Mentor Foundation Lucerne, die der Italienerin ihren zweiten Kompositions-Award vergaben: für ein Konzept, das das Spiel mit Bedeutungsverschiebungen, wie sie in der Sprache selbstverständlich sind, auf Musik überträgt.

Kann man also mit abstraktem musikalischem Material Erwartungen aufbauen und Geschichten erzählen wie «im Krimi»? Der Auftakt zu «Graduale, disambiguation» war viel versprechend. Da lösen sich isolierte, flüchtige Klangereignisse ab und gehen ineinander über. Eine Flatter-Figur der Violinen, Glitzerregen vom Flügel, das Brummen der Kontrabässe, scharf gesetzte Pizzicati, die nervöses Flirren scharf unterbrechen, ergeben ein handfest wiederkehrendes Vokabular.

Suche nach «rotem Faden»

Aber die Erwartung eines Spannungsverlaufs wie im Krimi enttäuscht das Werk. Die Betriebsamkeit wird nur nachhaltig gebrochen, wenn die Holzbläser mit diskreten Glissandi einen Stillstand einleiten, in dem das Werk später endet. Entsprechend unterschiedlich waren die Pausenreaktionen. Ein Konzertbesucher war positiv überrascht über diese «klar fassbare» Sprache. Eine andere vermisste den gestalthaft entwickelten «roten Faden» und brachte damit das Problem des Werks auf den Punkt.

Spannend war, dass die Konzentration auf Grundmotive und deren rhythmisch pointierte Repetition dem Programm selbst bis hin zu Schostakowitsch einen roten Faden gaben. Ausgeprägt galt dies für Kurt Weills zweite Sinfonie. Zum beklemmenden Grundton des 1933 geschriebenen Werks gehört, dass es kaum je zur befreienden Geste findet. Sander­ling betonte diesen unerbittlichen Zug, in dem er selbst in Anklängen an Weills Songs eine von scharfen Blechbläsersätzen geprägte Strenge beibehielt. In der schneidenden Expressivität des Mittelsatzes und im brachialen Musical-Hall-Ton des Finales kündigte sich schon Schostakowitsch an, der dann doch zum erwarteten Höhepunkt wurde.

Geige mit weitem Horizont

Sanderling und das Orchester erwiesen sich in diesem Showdown als kongeniale Partner der Geigerin Viktoria Mullova – mit einer Interpretation, die Folklore-Anklänge zur Fratze steigerte, aber mit Detailschärfe und Transparenz das Werk zu orchestraler Kammermusik auffächerte. Das schuf viel Raum für die Solistin: Die russische Geigerin lud auch die innige Melancholie des Werks mit feinnervig vibrierender Spannung auf, wechselte von trockener, nadelstich-scharfer Attacke zu einem warm und verschwenderisch aufleuchtenden Ton und spannte ausgerechnet im bekannten Werk des Abends die Horizonte atemberaubend weit aus: ein spätes, aber umso bemerkenswerteres Star-Debüt beim Luzerner Sinfonieorchester.

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