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KKL LUZERN: Brausender Wind und US-Canyons als geistlicher Kontrapunkt

Erstmals gastierte Dirigent Matthias Pintscher mit den Alumni der Lucerne Festival Academy und dem Ensemble intercontemporain am Osterfestival. Die faszinierende Interpretation von Olivier Messiaens «Des canyons aux étoiles» sorgte für den spirituellen Höhepunkt.
Unaufgeregt: Matthias Pintscher. (Bild: Priska Ketterer/LF (23. März 2018))

Unaufgeregt: Matthias Pintscher. (Bild: Priska Ketterer/LF (23. März 2018))

Ein warmer Wind braust durch den Konzertsaal, Vogelgezwitscher mischt sich in schwebende Streicherakkorde: «Le désert» ist der erste Satz von «Des canyons aux étoiles». Bald wird die karge Schönheit der Wüste mit fragilen Einzeltönen illustriert. Messiaens Instrumentation entwirft eine schillernde Farbpalette. Landschaften leuchten auf, wenn das Piccolo von Violin-Flageoletten und Cortales, den glockenhellen Messingscheiben, abgelöst wird.

Das Ensemble intercontemporain und die Lucerne Festival Alumni sind die ideale Besetzung für das 1974 uraufgeführte Werk. Dirigent Matthias Pintscher ist nicht nur Principal Conductor der Academy und ihren Alumni, sondern auch Musikdirektor des Ensembles. Grossartig, wie er beide im Konzert ineinander integriert: Die Kompetenz des Ensemble intercontemporain im Bereich der (französischen) Moderne bildet mit der Jugendlichkeit der Alumni eine elektrisierende Symbiose.

Sternenhimmel im Konzertsaal

Das Ensemble und seine jungen Zuzüger und Zuzügerinnen präsentieren sich selbstbewusst: Fest verankert in der Tradition der Moderne, sind Spielfreude und Neugier in jeder Note hörbar. Zudem bildet das international besetzte ad hoc-Orchester auch auf repräsentativer Ebene den perfekten Klangkörper für die universelle Musik Messiaens.

«Ein Solo-Klavier (sehr schwierig)», steht in der Partitur. Hidéki Nagano begeistert mit feinem Empfinden für Farbigkeit auch in den kompliziertesten Passagen. Besonders der Solosatz «Moquer polyglotte» (ein kalifornischer Vogel) hat es in sich. Nagano zuzusehen und zuzuhören, wie er Tasten dämpft, Obertöne provoziert und Bogen um Bogen seiner übergrossen Partitur zur Seite legt, ist eine helle Freude.

Solches ist visuell reichhaltiger als der Beitrag der Lichtkünstlerin Ann Veronica Janssens. Für die «Canyons» macht Lichtkonzept Sinn: Messiaen war Synästhet. Leider werden in nur drei der zwölf Sätze einzelne bunte Lichtkreise auf die Wände projiziert. Hier wirkt die Reduktion altmodisch und zufällig. Beim Hornsolo «Appel interstellaire» scheinen die Kreise noch redundanter: Jean-Christophe Vervoitte trug den komplizierten Satz auswendig vor, liess die Töne durch den Saal fliegen, und eigentlich wäre der klingende Konzertsaal mit seinem Sternenhimmel Visualisierung genug.

«Des canyons aux étoiles» beweist, dass sich moderne Ästhetik und Fassbarkeit keineswegs ausschliessen. Wiederkehrende Klänge wie jene der Windmaschine und illustrative Passagen wie groovende Unisono-Linien, die das kantige Relief der amerikanischen Canyons abbilden, machen das Werk zum Hörgenuss. Diese Welt-Musik ist sinnlich, schreckt auch nicht vor Donnerblech-Eruptionen zurück und tastet sich schliesslich im Satz «Les ressuscités» traumwandlerisch in den Sternenhimmel hinauf. Den 44 Spielerinnen und Spielern gelingt es, Messiaens schimmerndes Netz aus Naturschönheiten und Spiritualität hör- und spürbar zu machen – auch dank Pintschers unaufgeregt klarem Dirigat.

Oster-Festival mit total 9000 Eintritten

Insgesamt fiel das Programm der dreissigsten Ausgabe des Osterfestivals eher weltlich aus, Evergreens wie die Bach-Passionen fehlten. Der spirituelle Höhenflug, den die Academy Alumni und das Ensemble intercontemporain am Freitag antraten, sorgte für einen willkommenen Ausgleich. Rund 9000 Besucherinnen und Besucher waren bei den zehn Veranstaltungen zugegen; die Auslastung lag bei 88 Prozent.

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

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