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KKL LUZERN: Ein Chor spielt mit dem Feuer

Der Konzertchor Klangwerk Luzern hat am Mittwoch das «Elias»-Oratorium von Mendelssohn aufgeführt. Er wuchs dabei über sich hinaus.
Klangwerk Luzern brachte, mit Unterstützung des Barockorchesters Capriccio, alttestamentarische Wucht grossartig zu Geltung. (foto: roger gruetter) (Bild: Roger Grütter)

Klangwerk Luzern brachte, mit Unterstützung des Barockorchesters Capriccio, alttestamentarische Wucht grossartig zu Geltung. (foto: roger gruetter) (Bild: Roger Grütter)

Simon Bordier

«Das Volk hat immer Recht.» Mit dieser Behauptung, die hierzulande hin und wieder zu hören ist, hätte man dem Propheten Elias im 9. Jahrhundert vor Christus nicht kommen müssen. Er lebte im damaligen Nordreich Israels, wo sich eine Mehrheit vom Gott Israels abgewandt und sich für den heidnischen Wettergott Baal entschieden hatte.

Einsamer Kampf

Elias liess sich davon nicht beeindrucken. Er wusste, wer der eigentliche Herr über Feuer und Wasser ist, und hätte sich mit diesem Wissen zufriedengeben können. Doch der Herr hatte ihn beauftragt, die Menge auf seine Seite zurückzuholen. Für den Propheten begann ein einsamer Kampf und ein Spiel mit dem Feuer.

Das Auf und Ab konnte man am Mittwoch im Konzertsaal des KKL in Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium «Elias» hautnah miterleben. Schillernde Klangfarben, heftige Wortwechsel und eine den Naturgewalten nachempfundene Dramatik sind bezeichnend für dieses über zweistündige Chorstück. Der Konzertchor Klangwerk Luzern brachte all dies unter der Leitung von Moana N. Labbate eindrücklich und überraschend zur Geltung. Der 120-köpfige Chor wuchs in Begleitung des Barockorchesters Capriccio über sich hinaus.

Vokale Akzente wie Paukenschläge

Ein Ereignis für sich waren die Akzente, die so heftig und kompakt aus den 120 Kehlen kamen, dass sie jenen der Pauke in nichts nachstanden. Auch bei punktierten Noten fiel die Verbrüderung der Stimmen mit dem Schlaginstrument auf. Das sanfte Gegenstück dazu waren die Choräle, in denen die gute Klangbalance sowie die klare Diktion zum Tragen kamen. Bemerkenswert war angesichts der Chorgrösse die Flexibilität. Diese kam bereits im Eingangschor zum Vorschein, wo Spitzentöne, Seufzer und Sprechgesang einander rasch ablösten. In einigen exponierten Stellen der Sopran- und Tenorstimmen waren leichte Trübungen hörbar. Doch die Chormitglieder sangen mit so viel Verve, dass diese kaum störten.

Einzelheiten machten deutlich, wie viel Arbeit in dem Werk steckte. Dabei wurden die alttestamentarischen Bilder immer wieder zum Leuchten gebracht: Etwa der «Engel»-Doppelchor durch aufwärtsstrebende Phrasierungen, das «Brandopfer» durch ein von Flammen verzehrtes Subito-Piano oder der «Sturmwind», der den Chorklang förmlich aufzufächern schien.

Bariton mit dramatischem Flair

Als versierter Dramatiker erwies sich zudem der Bariton Peter Brechbühler. In der Rolle des Elias konnte er über die Baal-Priester nur müde lachen, wobei er seine voluminöse Stimme regelrecht absacken liess, während er zu den feurigen Worten Gottes seine Stimme wie einen Hammer schwang. Die Sopranistin Maya Boog fiel mit ihrem schönen «Odem» auf, den sie in der Arie der Witwe in einem feinen Piano verströmte. Die Mezzosopranistin Astrid Pfarrer überzeugte unter anderem als resolute Königin, während der Tenor Nino Aure­lio Gmünder seine Opernstimme als Komplize Elias’ und als König erbeben liess. Tendenziell hörte man im Solistenquartett eher zu viel als zu wenig Vibrato. Dieses passte insofern nicht so recht, als das Barockorchester einen schlanken Klang pflegte. Erfreulich waren hingegen die engelhaften Terzette und Quartette, die von Maya Boog und Astrid Pfarrer sowie mit Frauenstimmen aus dem Chor bestritten wurden (souverän: Judith Galliker und Laura Steiner).

Irdische Mission vollendet

Das Barockorchester Capriccio begleitete sehr agil. Gebannt verfolgte man zudem die feinen harmonischen Wechsel in den Piano-Passagen der Streicher. Einen durchmischten Eindruck hinterliessen die Blechbläser: Die Tutti-Akkorde wirkten nicht immer kompakt, doch dafür wies etwa ein schöner Trompetenstrahl den Weg zum Schlusschor, und das Solo-Horn rundete das finale Gesangsquartett mit einer Top-Intonation ab. Beim kräftigen «Amen» bestand dann kein Zweifel mehr, dass Elias mit seiner irdischen Mission fertig und auf seinem feurigen Wagen sicher im Himmel angekommen war.

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