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KKL LUZERN: «Eine Einführung in den Orient»

Die Sängerin Amel Brahim-Djelloul verbindet Klassik mit arabischer Musik. Vor ihrem Auftritt in Luzern sagt sie, wieso dieser Kulturaustausch mehr Platz gibt für persönliche Gefühle.
Eine Stimme von samtener Wärme: Die aus Algier stammende Sängerin Amel Brahim-Djelloul (41). (Bild: PD)

Eine Stimme von samtener Wärme: Die aus Algier stammende Sängerin Amel Brahim-Djelloul (41). (Bild: PD)

Katharina Thalmann

Amel Brahim-Djelloul redet schnell und lacht viel. Die samtene Wärme ihrer Stimme erreicht das Ohr sogar über die Telefonleitung aus Frankreich. Die in Algier geborene Sopranistin stand auf den Bühnen von Paris über Berlin bis Washington, sie sang Mozarts Pamina, Debussys Mélisande oder Verdis Nanetta, Und nun debütiert sie im Lunchkonzert des Luzerner Sinfonieorchesters mit dem Programm «1001 Nacht».

Wer bei diesem märchenhaften Konzerttitel an Orientalismen aus der Popkultur denkt, liegt falsch. Seit einigen Jahren interpretiert Brahim-Djelloul nebst dem klassischen Konzertrepertoire traditionelle Musik aus ihrem Herkunftsland Algerien und der ganzen mediterranen Region. Und so singt sie – wie auf ihrer CD «Amel chante la mediterranée» – im Konzert auch Volkslieder aus dem Maghreb und arabisch-andalusische Gesänge, begleitet von Klavier und Violine wie von arabischen Lauten und Schlagzeug.

Für Kopf und Herz

Aufgewachsen in Algier, absolvierte sie dort einen Teil ihrer Ausbildung. Abgeschlossen hat sie ihre Studien in Paris. «In Algerien ist die klassische Musiktradition nicht sehr ausgeprägt», sagt die Sängerin. Und weiter: «Die traditionelle Musik zu spielen, erfordert ein hohes Mass an Sensibilität. Es finden sich davon subtile Einflüsse in der Musik des 20. Jahrhunderts.» So erklingen im ersten Konzertteil Stücke europäischer Komponisten wie Louis Aubert oder Maurice Delage, die sich seit der Zeit um 1900 von orientalischer Volksmusik inspirieren liessen.

Amel Brahim-Djelloul gestaltet ihrerseits eine Symbiose aus der traditionellen algerischen und mediterranen Musik und der Kunstmusik Europas. «Ich versuche, die Musikkulturen miteinander zu verbinden. Die Stücke, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts komponiert wurden, sind für mich eher ‹zerebrale›, auch mit dem Kopf gesteuerte Musik. Sie sind reich an Rhythmen und Melodien, die Instrumentation ist sehr farbig.»

Dass jene Stücke mit einem direkten Bezug zum Orient sich mit dem anspruchsvollen Repertoire der Volksmusiktradition verbinden lassen, gelingt nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn man nämlich sowohl als Interpret als auch als Hörer beiden Genres auf Augenhöhe begegnet. Allzu oft wird traditionelle Folklore vorschnell mit kommerziellem Folklorismus verwechselt.

Forschung und Familie

Dieser Fehler wird Amel Brahim-Djelloul und ihrem Ensemble nicht unterlaufen. Der Grund, warum sie sich zunehmend mit «ihrer» Musik auseinandersetzt, liegt in der Familie: Ihr Bruder Rachid Brahim-Djelloul ist Geiger und Sänger, aber auch Musikwissenschaftler. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der algerischen sowie der arabisch-andalusischen Musik. Seine Schwester sagt dazu: «Rachid hat in mir das Vertrauen geweckt, dass ich fähig sei, die algerische Musik zu singen. Er setzt sich auf theoretischer Ebene mit diesen Kompositionen auseinander. So wurden sie für mich nach und nach eine personalisierte Klangsprache.»

Opern und grosse Gefühle

Amel Brahim-Djelloul ist Opernsängerin. Warum ist es für sie wichtig, auch auf Konzertbühnen in einem kammermusikalischen Rahmen aufzutreten? «Die Oper gefällt mir sehr. Die Geschichten sind wunderbar, und ich liebe es, Rollen zu spielen. Allerdings sind immer sehr viele Leute auf der Bühne, alle Abläufe sind geplant – eine Opernproduktion würde sonst gar nicht funktionieren! Alles in allem ist es also schwierig, ganz ungezwungen zu musizieren.» Mit dem Ensemble, mit dem sie jetzt im KKL Luzern auftritt, fühle sie sich freier: «Es gibt mehr Platz für das persönliche Gefühl.»

Apropos persönliche Gefühle: Wie ist es für Amel, mit ihrem Bruder Rachid auf der Bühne zu stehen? «Früher war es so: Er war der grosse Bruder, ich war die kleine Schwester. Eines Tages haben sich unsere Wege dann etwas auseinanderentwickelt, das war nötig, und später haben sie sich wieder gekreuzt. Inzwischen wissen wir: Wir gehen in dieselbe Richtung, setzen musikalisch die gleichen Prioritäten. Das ist eine rare Form von Beziehung. Wir musizieren vollkommen natürlich miteinander, das ist eine wunderbar sensible Angelegenheit.»

Zuletzt stellt sie eine Aufgabe an ihr Publikum: «Die Reaktion ist mir sehr wichtig. Wir geben quasi eine Einführung in den Orient, und dank der Musik stellt man sich Bilder aus dem Orient vor. Natürlich spielt auch die historische Dimension eine Rolle. Indem wir traditionelle Musik mit Musik der französischen Komponisten verbinden, hoffen wir, dass man nach dem Konzert über die Kulturen spricht.»

Hinweis

«1001 Nacht», Lunchkonzert, Donnerstag, 12.30, Konzertsaal, KKL Luzern, VV: Tel. 041 226 05 15.

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