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KKL LUZERN: Klangvoll, kriegerisch, komisch

Das Galakonzert der Brassband Bürgermusik Luzern überzeugte durch Virtuosität und atmosphärische Kraft. Auch zu lachen gab es einiges.
Der Zürcher Comedian Fabian Unteregger setzte das Konzertelement Humor zum Vergnügen des Publikums gekonnt um. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Der Zürcher Comedian Fabian Unteregger setzte das Konzertelement Humor zum Vergnügen des Publikums gekonnt um. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Gerda Neunhoeffer

Da stand er gut sichtbar auf der Bühne des KKL: der Prix Walo, den die Brassband Bürgermusik Luzern vor einer guten Woche in Zürich bekommen hatte. Er verlieh dem Galakonzert am Sonntagabend besonderen Glanz und setzte die Zuhörer im gut besuchten Konzertsaal in Erwartung eines ausserordentlichen Abends.

Und die Erwartungen wurden weit übertroffen; da hörte man nicht nur bestens dargebotene Musik, da blitzten nicht nur die Instrumente der BML, sondern auch der Humor des Comedians Fabian Unteregger zwischen den Musikstücken gewaltig auf. Was er über die Fussballnationalmannschaft sagte (elf Landschaftsgärtner ...), was er über veganes Essen zu berichten wusste, wie er bekannte Persönlichkeiten persiflierte oder seine Stimme als James Blunt singend einsetzte, das brachte stets hörbares Vergnügen in den Saal.

Die Uhr tickte

War es im letzten Jahr der charakteristische Gang durch alle Sternzeichen mit Madame Etoile in «Horoscope», so hatte man dieses Mal auf Humor gesetzt, der musikalisch vor allem gegen Ende in «The Clock and the Dresden China Figures» von Albert Ketelbey spürbar wurde. Wie da das Ticken der Uhr vorne an der Bühne auf zwei Woodblocks zelebriert wurde und die anderen Schlagzeuger mit Marimbafon, Xylofon und Glockenspiel virtuos filigrane Feinheiten ausspielten, wozu die Bläser den stimmigen Hintergrund gaben, das gipfelte in heitersten Turbulenzen.

Der einheitliche Klang der Stimmgruppen zeigte Qualitäten, die vermuten lassen, dass jeder Musiker auch solistisch auftreten könnte. Und in vielen kleinen Soli bewiesen sie das auch eindrucksvoll. So spielte Duri Cathomen ein klangvolles Solo im einleitenden Marsch «Queensbury» von James Kaye, während seine Kollegen ihre Bandbreite von schmissigem Schwung bis zu einschmeichelndem Piano ausspielten.

Hoch auf dem Pilatus

Das verstärkte sich in der «Festive Ouverture» von Dmitri Schostakowitsch, in der die Trompetengruppe mit meisterlich einheitlicher Virtuosität (bei Themen, die sonst von einzelnen Instrumenten gespielt werden) überzeugte. Die Synkopen wurden exakt ausmusiziert, der festliche Charakter beeindruckte.

Mit weichem Ton gab Philipp Renggli dem getragenen Stück «Pilatus» von Goff Richards die melancholische Stimmung. Sein Eufoniumklang schwebte so leicht über dem feinen Klangteppich der Brassband, dass man mit ihm quasi hoch auf dem Pilatus stand und das Echo von den Felsen widerhallen hören konnte.

Nach einem kurzen Englisch-Exkurs mit Fabian Unteregger, der herrliche Übersetzungen anbot («Säuliamt» heisst «pigoffice»), wechselte die Stimmung der Musik zu vielschichtigem Kampfgetümmel in «Albion» von Jan van der Roost. Drei Trommler standen verteilt, dahinter die Trompeten, und drei verschiedene Rhythmen sowie die Trompeten mit vielerlei Themen ergaben ein wahres Durcheinander, das Michael Bach aber dennoch zusammenfügte. Und als es sich dann zu einem einzigen Rhythmus fand, wurde es noch bedrohlicher. Mit kriegerischer Unerbittlichkeit steigerte sich die Musik bis in quälende Intensität, die zwingend vorwärtsstrebte.

Vom Esel zum Elefanten

Dann beeindruckten die BML Talents unter ihrem Dirigenten Patrick Ottiger mit ausgewogenem Zusammenspiel, klangschönen Soli und erstaunlicher Professionalität. Von südamerikanischen Rhythmen über sanft ruhige Szenen malten sie Klangbilder aus «Windows oft he World» und «Cry oft the Celts». Als Fabian Unteregger dann als «Kliby und Caroline» auftrat und Caroline vom Esel zum Elefanten geworden war, weil sie an «posttraumatischer Belastungsstörung» litt, steigerte sich die Heiterkeit des Publikums zu Lachstürmen.

Der «Bolero» von Maurice Ravel fasste das fantastische Können der BML und der Talents noch einmal grossartig zusammen: Aus dem leisesten Trommelrhythmus heraus steigerte sich das Thema langsam und hervorragend gespielt durch alle Instrumentengruppen. Und wie szenisch geplant kamen immer mehr der Talents dazu, bis sich alle in dem berühmten ekstatischen Ende zusammenfanden. Die Zugaben erreichten diese Intensität nicht mehr ganz, wurden aber ebenfalls mit viel Applaus gefeiert.

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