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KKL LUZERN: Präzision mit Spassfaktor

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester feierte sein fünfjähriges Bestehen. Und dies mit acht Werken, zwei Dirigenten, Solisten, mit Chor, Lichtgestaltung und Tänzern.
Katharina Thalmann
Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester bot im KKL «erwachsene Qualität» und auch etwas fürs Auge. (Bild: Corinne Glanzmann (18. September 2016))

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester bot im KKL «erwachsene Qualität» und auch etwas fürs Auge. (Bild: Corinne Glanzmann (18. September 2016))

Katharina Thalmann

Selten strömen so viele junge Leute ins KKL. Dies ist das Verdienst des ZJSO, wie das Orchester kurz genannt wird. Aus solchen Ambitionen dürfte das Orchester 2011 gegründet worden sein: Obschon die Zentralschweiz besonders bezüglich Blasmusik-Formationen sehr gut aufgestellt ist, fehlte es bis dato an der sinfonischen Jugendorchesterbesetzung. Dank von Anfang an hohem Niveau etab­lierte sich das ZJSO rasch und wurde dieses Jahr mit dem Förderpreis der Albert Koechlin Stiftung ausgezeichnet.

Solche Erfolge liessen das ZJSO am Sonntag mit seinem jugendlichen Übermut bisweilen erfrischend unbescheiden wirken. Das grossformatige Programmheft versprach Superlative wie «überschäumendes Talent» und «Überwindung musikalischer Grenzen».

Integriert wurden der Chor Molto Cantabile unter der Leitung von Andreas Felber, die Solisten Noëlle Grüebler und Joseph Sieber sowie die BallettStadt-Ballettschule. Das Programm umfasste acht populäre Werke des 19. und 20. Jahrhunderts und dauerte ganze zweidreiviertel Stunden.

Aus dem Konzert wird ein Event

Dass Lichtdesign für die Musik Mehrwert haben kann, bewies ein ZJSO-Konzert im März in der Jesuitenkirche. Dort sorgten Repertoire, Kirchenschiff und Lichtstimmungen für Gänsehaut. Im KKL war das anders: Sind denn der Konzertsaal, seine Architektur und seine Akustik nicht Erlebnis genug? Die Bühne wurde in alle Farben des Regenbogens getaucht und aus den Musikern wurden bisweilen Nebendarsteller eines spektakulären Events. Da wirkten Shostakovichs «Tahiti-Trot» oder Ravels «Pavane pour une infante défunte» mit sparsam platzierten Effekten wie wohltuende musikalische Inseln. In Anbetracht der Fähigkeiten des Orchesters ist das «Jugend»-Attribut blosse objektive Tatsache: Das Orchester kann mit seinen klanglichen Qualitäten als erwachsen bezeichnet werden. Fragen nach Intonation und Konzentration, die sich sonst bei Jugendformationen öfters aufdrängen, stellten sich nie. Dieser Umstand ist auch der Verdienst des Dirigenten Felix Schüeli, der auf Augenhöhe kommunizierte und dessen Gestaltungsfreude sich auf das Orchester übertrug.

Auch als Begleitorgan für Solisten profilierte sich das ZJSO: Die «Symphonie Espagnole» von Eduard Lalo und Sarasates «Faustfantasie» mit der Geigerin Noëlle Grüebler als virtuose Solistin sind punkto Tempovarianz und Dynamik besonders diffizil. In Constant Lamberts «The Rio Grande» mit dem Pianisten Joseph Sieber als spielfreudigem Solisten liegt die Herausforderung in der rhythmisch-akzentuierten Koketterie mit dem Jazz. In beiden Fällen gelang es dem ZSJO, differenziert Raum zu schaffen für die Soloparts.

Zu besagtem «Jugend»-Attribut machte sich im Verlauf des Abends ein ambivalentes Verhältnis breit: Zum einen wurde ein mit Sinneseindrücken aufgeladenes Konzertformat präsentiert, witzige, gefällige Stücke ins Repertoire aufgenommen und damit neues Pub­likum angesprochen das ist jugendlich! Zum anderen aber folgt das ZJSO dem klassischen Konzertprotokoll einigermassen kompromisslos: Die Herren tragen schwarze Anzüge, die Damen bodenlange schwarze Kleider. Die Herren bekommen Wein, die Damen einen Blumenstrauss. Sollten solch antiquiert anmutende Abläufe nicht auch Gegenstand der Debatte in einem Jugendorchester sein?

Zum Abschluss des Abends waren in Ravels «Boléro» erneut die Tänzer zu erleben, die bereits die symphonischen Tänze aus Bernsteins «West Side Story» aufgelockert hatten. Die Interpretation des ZJSO strahlte Ruhe und Geduld aus zwei essenzielle Elemente, will man den Sog des «Boléro» vermitteln. Die Choreografie bereicherte in diesem Fall die Musik, steckt in dieser Partitur doch viel rhythmische Bewegungsinformation. In bester Erinnerung bleibt der jüngste Tänzer der Kompanie, der schon in der «Cool Fuge» der «West Side Story» durch grosse Musikalität und Leidenschaft aufgefallen war. Im Mambo aus «West Side Story» als Zugabe glänzte die Rhythmus-Gruppe erneut durch Präzision mit hohem Spassfaktor.

Das ZJSO ist jetzt fünf. Für die zweite Hälfte seines ersten Jahrzehnts hofft und freut man sich auf eine weitere intensive Auseinandersetzung mit Musik.

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