KKL: Musiker Pippo Pollina: «Ich möchte eine Energiequelle sein»

Pippo Pollina (53), italienischer Liedermacher mit Wohnsitz in Zürich, kommt für einen Auftritt nach Luzern. Im Interview spricht er über Hoffnung und Verzweiflung.

Olaf Neumann
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Kämpft hartnäckig für eine bessere Welt: Pippo Pollina. (Bild: PD)

Kämpft hartnäckig für eine bessere Welt: Pippo Pollina. (Bild: PD)

Pippo Pollina, im Booklet zur neuen CD schreiben Sie, wie sehr das Thema Hoffnung Sie beschäftigt. Sehen Sie Anlass zur Hoffnung in Anbetracht der Weltlage?

Ich glaube, man muss gerade jetzt hoffnungsvolle Lieder schreiben. Wenn man die Lage der Welt genau beobachtet, kann man natürlich nicht zufrieden sein. Man muss versuchen, eine bessere Zukunft für uns alle aufzubauen. Musik kann eine wichtige Energiequelle sein. Religion und Politik schaffen es nicht mehr, eine Plattform für Werte zu sein. Vielleicht ist die Zeit gekommen, wo Künstler Verantwortung übernehmen und diese Werte repräsentieren. So wie es schon einmal gewesen ist nach dem Zweiten Weltkrieg. Damit wir diese Aufgabe eines Tages wieder an die Politik übergeben können.

Kann eine schwierige politische und gesellschaftliche Lage die Künstler beflügeln, kann sie inspirieren oder als Ansporn dienen?

Das Mittelmeer ist zum grössten Friedhof der Gegenwart geworden. Aber die grossen Tragödien und die Widersprüche unserer Zeit setzen bei den Künstlern auch Kreativität frei. Ein Dokumentarfilm über die Flüchtlingskrise wurde zum Beispiel mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Wie schaffen Sie es, an den gegenwärtigen Zuständen nicht zu verzweifeln?

Ich bin schon auch verzweifelt und verspüre Zorn ob der Katastrophen, die wir erleben. Aber es passieren auch immer wieder Dinge, die mir Mut machen und Hoffnung schenken. Diese Gedanken können ein Motor sein für den Aufbau einer neuen Gesellschaft. Künstler müssen wieder mehr Verantwortung verspüren und nicht nur ein Mechanismus des Kommerzes sein. Wir können die Welt nicht verändern, aber wir haben eine machtvolle indirekte Waffe in der Hand. Die konkreten Fragen nach Gerechtigkeit und genug Brot für alle können nur die Politiker beantworten, wir Musiker hingegen können für die notwendige psychologische, spirituelle und emotionelle Grundlage sorgen.

Im Internet war zu lesen, dass Sie am New York Marathon mitgelaufen sind. Wie haben Sie abgeschnitten?

Nein, ich habe es nicht geschafft. Und das ist sehr schade! Ich habe mich bis zu einem gewissen Punkt vorbereitet und musste dann feststellen, dass meine Ambitionen für mein Talent viel zu gross waren. Ich hätte es so gerne gemacht, aber ich habe meine Grenzen gespürt. Wenn ich zu weit gehe, macht es mir keinen Spass mehr. Ich habe dann erkannt, dass ich auch ohne den New York Marathon leben kann.

Vielleicht können Sie das Training ja als Vorbereitung für Ihre Tour sehen. Sie spielen 40 Konzerte allein im deutschsprachigen Raum.

Nach anderthalb Jahren Pause freue ich mich auch so darauf. Wir spielen in insgesamt acht Ländern, sogar in der Ukraine, wo ich bisher noch nicht war.

Was treibt Sie an? Wollen Sie mit Ihren Liedern aufklären und die Menschen wachrütteln?

Ich möchte gerne Energiequelle sein für die Menschen. Ich habe festgestellt, Musik besitzt eine therapeutische Kraft. Sie kann auf einer persönlichen Ebene extrem guttun. Mir schreiben viele kranke Menschen, denen meine Musik die Energie schenkt, um weiterzukämpfen. Das hat nichts mit Aufklärung zu tun, sondern mit einem anderen Element, das rational nicht zu erklären ist.

Interview: Olaf Neumann

kultur@luzernerzeitung.ch