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KKL: Ning Feng – Keine Angst vor dem Direktvergleich

Nach Kultstar David Garrett spielte der unbekannte Geiger Ning Feng im Konzertsaal Tschaikowsky. Und überraschte mit dem Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan 3500 Konzertbesucher.
Der chinesische Geiger Ning Feng (Archiv). (Bild: PD/Lawrence Tsang)

Der chinesische Geiger Ning Feng (Archiv). (Bild: PD/Lawrence Tsang)

Klassikkünstler, die im KKL Luzern auftreten, leben gefährlich. Denn hier riskieren sie, dass sie sich im Direktvergleich mit den Grossen ihres Fachs messen lassen müssen. Ein Extrembeispiel schien am Mittwoch der Auftritt des chinesischen Geigers Ning Feng mit dem Luzerner Sinfonieorchester. Beide spielten mit dem Violinkonzert und der vierten Sinfonie exakt dasselbe Tschaikowsky-Programm, mit dem hier Tage zuvor das BBC Philharmonic mit David Garrett gastierte.

Dort der Kultstar Garrett, hier ein Geiger, der dem Luzerner Publikum unbekannt ist, auch wenn er von Berlin aus eine internationale Karriere startete: Die erste Überraschung war am Mittwoch angesichts dieser ungleichen Ausgangslage der Publikumsaufmarsch: Das Konzert war nicht nur, wie jenes von Garrett, restlos ausverkauft. Vollbesetzt inklusive Orgelempore war auch die Wiederholung des Konzerts gestern. Und diesen über 3500 Konzertbesuchern dürfte Feng ein Begriff bleiben – auch wegen Garrett. Den Direktvergleich nämlich, so zeigte der Abend, müssen etablierte Stars, die mehr zu verlieren haben, mindestens so fürchten wie die Newcomer.

Bedingungslose Attacke in den Höhen

Dies machte Fengs Einstieg in Tschaikowsys Violinkonzert mit dem ersten Ton klar: Wo Garretts cooles Understatement auf sein Spiel abfärbte, füllte Feng die Solistenrolle mit grossem Ton aus, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Die Formel vom «warmen, lyrischen Ton» (Programmheft) traf für einmal den Kern der Sache: Er gab den plastisch phrasierten Melodien Tschaikowskys einen geschmeidigen Körper und spitzte sich in virtuosen Höhenflügen zu jener bedingungslosen Attacke zu, die man bei Garrett vermisst hatte.

An diesen ging dafür der langsame Satz, in dem er die schlichte Liedmelodie eindringlich hatte sprechen lassen, während Feng die grosse Linie ungebrochen und gleichförmiger durchzog. Die erhitzte Dringlichkeit des letzten Satz aber bestätigte: Der Tschaikowsky des Chinesen hatte mehr Energie und Charakter.

Dem Direktvergleich musste sich aber auch das Luzerner Sinfonieorchester stellen, und es tat es zweimal mit frappantem Erfolg. Im Violinkonzert fiel auf, wie feinnervig es auf die Intentionen des Solisten einging. Das BBC Philharmonic hatte sich bei Garrett diskret zurückgehalten, wo das Soloinstrument im Vordergrund steht. Dafür drehte es, wo dieses pausiert, aus dem Stand mächtig auf.

James Gaffigan brachte grossartig die Pole enger zusammen: Das Orchester verzahnte sich von Anfang an aktiv mit dem Solisten, und seine grossen Klangströme wuchsen organisch aus dem mal leicht tänzelnden, mal sich intensivierenden Spiel des Geigers heraus. Dass das Orchester über solistische Feinheiten hinaus dynamische Höhepunkte auf den Punkt hin schärfte und auch mal knallen liess, bewies, wie selbstverständlich ihm grosssinfonische Qualitäten geworden sind.

Dass diese nichts mit einem Breitwandsound zu tun haben, zu dem die grösser besetzten Engländer tendierten, bewies Tschaikowskys vierte Sinfonie. Da war von den mächtigen Blechbläserfanfaren des Beginns über die sich voluminös ausdehnenden Streicher bis hin zu reihenweise vorzüglichen Soli von Klarinette, Oboe, Flöte und Fagott alles drin, was grosse Sinfonik ausmacht.

Aber Gaffigan verlebendigte den Koloss nach Kräften, indem er Übergänge ausbalancierte, melodische Linien auf Zielpunkte hin spannte oder entspannte und so die Zugkraft wie den Zerfall in diesem Drama akzentuierte. Obwohl am Ende kaum Steigerungsreserven übrig blieben: Das Orchester bewies, dass es in diesem Saal allen Gefahren trotzen kann.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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