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KKL: Pompöses Finale der Piraten-Saga

Noch einmal taucht das 21st Century Orchestra in die Piratenwelt ein. Kunst, Essen und Musik bilden ein stimmiges Gesamtwerk im ausverkauften Luzerner KKL.
Roman Kühne
Dieses Jahr verwandelt sich das KKL Luzern zum letzten Mal in eine Piratenwelt. Ein Gesamtkunstwerk, das alle Sinne betört. Im Bild die Bilder-Projektion im Luzernersaal. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Dieses Jahr verwandelt sich das KKL Luzern zum letzten Mal in eine Piratenwelt. Ein Gesamtkunstwerk, das alle Sinne betört. Im Bild die Bilder-Projektion im Luzernersaal. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Roman Kühne

Fast schon vertraut wirkt sie, die wuchtige Ausstattung, welche den Luzernersaal in ein buntes Wunderrad verzaubert. Geläufig ja, und doch fremd, anders und stimulierend. Die neuen Bilder, die das kreative Duo Roger Krütli und Martin Kuhn an die Wand projizieren, verfehlen auch diesmal ihre Wirkung nicht. Es sind drei eindrückliche Szenen, die hier den Film «On Stranger Tides», den vierten Teil von «Pirates of the Caribbean», zum Thema machen. Direkter in der Sprache als in anderen Jahren recken sich gigantische Sumpfpflanzen gegen den Abendhimmel. Poetisch sind die Runden, die die Meerjungfrauen drehen. Die Übergänge zwischen den Gemälden werden dieses Mal richtiggehend inszeniert, die Wechsel mit einer kurzen Spitze der Soundkulisse unterstrichen.

Auch das Essen hält vollständig, was es verspricht. Spannend ist der Hauptgang, wo eine Riesengarnele in einem Steak steckt. Der Küchenchef Christian Iten erklärt: «Es ist ein Spiel mit dem Kontrast von Land und Wasser, der ja auch im Film eine wichtige Rolle hat. Zudem sollte im Essen auch der wilde Charakter von Penelope Cruz einen Widerhall finden.»

Grosse Herausforderungen

Der Anlass ist eine logistische Herausforderung. In kürzester Zeit muss die Küchenbrigade für 400 Gäste ein dem Standard (15 Gault-Millau-Punkte) entsprechendes Menü auftischen. «Bereits die Organisation der qualitativ hochstehenden Produkte ist aufwendig. Und dann müssen die Garnelen auf den Punkt gegart pünktlich zum Gast gelangen. Das Feintuning ist hier eine echte Herausforderung», führt Christian Iten aus.

Etwas Wehmut schwingt mit. Das dritte und wahrscheinlich letzte Mal verwandelt sich das KKL in einen Piratenhorst, wird ein «Gesamtkunstwerk» fast schon im wagnerischen Sinne, für Gaumen, Nase, Auge und Ohr entworfen. Zwar hat die Disney-Gruppe ursprünglich bis Teil sechs geplant. Die riesige Recycling-Maschinerie scheint jedoch nach «On Stranger Tides», zumindest vorläufig, ausgebremst. Dies sicher zu Recht. Der Film ist zwar spannender und unterhaltsamer gemacht als sein Vorgänger er liegt aktuell auf Platz 14 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten – lebt aber doch, und immer noch, vor allem von Johnny Depp und seinen immer gleichen Grimassen und Kapriolen.

Musik reloaded

Auch die Komposition hinterlässt ­einen gemischten Eindruck. War die Musik zu Teil drei dem platten Film deutlich überlegen, so scheint sich Hans Zimmer in «On Stranger Tides» vor allem aufs Recyclieren alten Materials zu verlegen. Dabei verwendet er diese Themen nicht nur als witzige Zitate, Anspielungen an Figuren und Situationen, sondern sie bilden das Hauptgerüst. Von der Eröffnung des Abends bis zum Abspann bringt die Partitur wenig Neues. Die Ohrwürmer in immer neuer Schleifenform. Zusätzlich trägt eine der besten Weisen des Abends, die Verkörperung der mystischen Meerjungfrauen, die Handschrift des klassischen Chorkomponisten Eric Whitacre. Der US-Amerikaner feiert mit seinen modernen Klangkonstruktionen momentan erstaunliche Erfolge, bringt frischen Wind in die angelsächsische Gesangsszene.

Hier hat der Chor des 21st Century Symphony Orchestra Gelegenheit, gross aufzutrumpfen. Selten noch ein wenig unsicher in den schwierigen Akkorden, singen sie mit klanglicher Brillanz, erzeugen eine surreale Lichterwelt, ein orphisches Flirren im täuschenden Schein des blutigen Mondes.

Die Musiker überzeugen

Auch für die Musiker des Orchesters fand sich wohl schon Abwechslungsreicheres auf dem Notenblatt. Unter der hervorragenden Leitung von Ludwig Wicki lassen die Künstler jedoch keine Sekunde nach. Wie aus einem Guss wird das über zweistündige Spektakel vorgetragen, die Energie des Spiels hochgehalten. Hervorragend zelebrieren die Waldhörner und Posaunen den wilden Ritt im Abspann. Raffiniert werden die rhythmischen Kontraste in Cello und Perkussion gezeichnet. Eine Stärke sind, wie immer, die wuchtigen Kampfszenen und die teils epischen, teils lyrischen Streicherweiten. Mit Witz und Verve spielt Gerhard Pawlica sein Cellosolo ein wenig mehr dieser Agilität, dieser Eckigkeit würde man sich auch beim Orchester wünschen. Am Schluss ist das Publikum zu Recht begeistert. Mit langen stehenden Ovationen wird der Abend gefeiert.

HINWEIS

21st Century Symphony Orchestra & Chorus: «Pirates Of The Carribean: On Stranger Tides», Konzertsaal, KKL, Luzern. Aufführungen: Heute, 19 Uhr; 9., 18., 19. 12., je 19.30 Uhr; 28. 12., 19 Uhr; 31. 12., 20.30 Uhr (Silvester-Gala); 3. 1., 19.30 Uhr. Vorverkauf: www.artproductions.ch

Wir verlosen 3-mal 2 Tickets für die Aufführung von Donnerstag, 18. Dezember, 19.30 Uhr, Konzertsaal, KKL, Luzern. Wählen Sie bis morgen Montag, 13 Uhr, die Telefonnummer 0901 83 30 23 (Fr. 1.50 pro Anruf, Festnetztarif), oder nehmen Sie teil auf www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe

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