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«Star Wars» und 21st Century Symphony Orchestra im KKL sind eine Wucht

«Star Wars» hat wohl die bekannteste Filmmusik der Welt. Das 21st Century Symphony Orchestra spielt sie live zum ersten Streifen der legendären Kinoreihe. Und dies mit Qualitäten, die man nicht oft hört.
Roman Kühne
Das 21st Century Orchestra spielt «Star Wars»: Auf der Leinwand gerade zu sehen ist der mächtige Darth Vader. (Bild: Philipp Schmidli (6. April 2018))

Das 21st Century Orchestra spielt «Star Wars»: Auf der Leinwand gerade zu sehen ist der mächtige Darth Vader. (Bild: Philipp Schmidli (6. April 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Was für ein Auftakt! Es gibt wohl kein Stück Musik in der ganzen Filmgeschichte, das schon in den ersten Takten all diese Emotionen und Bilder weckt. Auf der Leinwand das unendliche All, schwarz, Sterne sind dazwischen eingestreut. In diese wunderliche Weite schneiden die kristallenen Anfangsfanfaren die majestätische Erkennungsmelodie. Wuchtig und diskussionslos.

Es ist «Star Wars»-Zeit. Ein Raunen geht durch den Saal, ­Zuschauer applaudieren. So auch am Freitagabend im fast voll ­besetzten KKL beim Auftritt des 21st Century Symphony Orchestra. Doch worin liegt das Geheimnis? Welches ist der Kraftquell dieser kurzen Sequenz? Was macht John Williams anders, ja besser als seine vielen Komponisten-Kollegen?

Eine grosse, einzigartige Geschichte

Natürlich, man kann das Hauptthema von «Krieg der Sterne» technisch betrachten. Der reine B-Dur-Akkord am Anfang, offen und klar. Es gibt wohl keinen Dreiklang, der besser die ewige Weite des Universums spiegelt. Die anschliessenden Quarten (Viertonabstände) suggerieren den Zuhörern Stärke und Heldentum. Ein massiver Einsatz des ganzen Blechregisters verleiht dem Anfang zusätzlich Brillanz. Das hohe B in der Trompete, schwierig zu spielen, ist klanglich nicht zu toppen. Die hinzukommenden Streicher und die weite Hauptmelodie machen klar, dass es sich um eine grosse, einzigar­tige Geschichte handelt.

Ein weiterer Faktor: Die Musik von John Williams war im Entstehungsjahr 1977 ein Anachronismus. Seit den 1960er-Jahren dominierten in den US-Kinos Pop-, Rock- und Jazzklänge. Der Bombast des ersten «Star Wars»- Teil, seine musikalische Wucht und Üppigkeit schlugen ein wie eine Bombe und leiteten das Comeback des sinfonischen Filmscores ein. John Williams stellt die Emotionen der Schauspieler wie in einer Oper dar. Wichtige Figuren erhalten ihr Thema, ihr Leitmotiv. Prinzessin Lea, die Sandleute oder, in den späteren Teilen, Darth Vader werden mit einprägsamen Melodie angekündigt.

Der Einfluss der Spätromantik, vor allem Richard Wagners «Ring des Nibelungen», tritt deutlich zu Tage. Andere Analysen zeigen auf, dass das Hauptthema von «Star Wars» der Logik von Hits aus dem Pop- und Rockbereich folgt. Aber schlussendlich, und dies ist auch gut so, lässt sich das Wunder Musik nicht in Worte fassen. Und so kann man sich an dieser Premiere des ersten «Star Wars»- Films mit dem Zusatztitel «Eine neue Hoffnung» zurücklehnen und – im wahrsten Sinne des Wortes – geniessen.

Sinfonischer Ansatz statt Effekthascherei

Denn was das 21st Century Orchestra an diesem Abend unter der Leitung von Kevin Griffiths zeigt ist, hervorragend. Der Londoner ist seit sieben Jahren Chefdirigent des Collegium Musicum Basel. International ist er vor allem mit seinen Aufnahmen von zeitgenössischer Musik von Steve Reich aufgefallen. Er wählt für die Aufführung einen ausgesprochen sinfonischen Ansatz, setzt weniger auf das reine Unterstreichen der Filmeffekte, sondern spielt die Musik aus.

Dies führt zu starken Momenten. Die Einführung des Jedi-­Ritters Obi Wan Kenobi wird mit ­geheimnisvollen Streichern gezeichnet, die skurrile Stimmung des Sandplaneten durch leichte Einsätze der Perkussion unterstrichen. In der «Abfallszene», wo die Helden fast erdrückt werden, gelingt eine lange Steigerung, intensiv und packend. Schneidend werden die vielen, unregelmässigen Schläge im «Entr’act» gesetzt – Igor Strawinsky ist ein weiterer Einfluss in John Williams’ Musik.

Ergreifend malen die Musiker den Tod des Vaters von Luke Skywalker. Die Kampfszenen, das schnelle Hin und Her zwischen den Registern sind ein Genuss. Witzig und federnd hüpft die Tuba bei den «Sandleuten». Auch die Solisten in Oboe, Englischhorn, Flöte oder auch auf dem Waldhorn (etwa im Thema der Prinzessin Lea) agieren und gestalten abwechslungsreich und flexibel. Schade, ist der Mix zwischen dem Film und der Musik nicht immer optimal. Vor allem vor der Pause gibt es Momente, wo die Musik etwas hinter den Dialogen und Geräuschen des Zelluloids verschwindet.

Die Partitur ist anspruchsvoll. Die Einfachheit der Melodien, die Klarheit der Akkorde, das Tempo, die vielen Rhythmuswechsel und die Höhe enthalten auch für etablierte Orchester Knacknüsse. In der Originalaufnahme, notabene mit dem London Symphony Orchestra, werden beispielsweise die Violinen im Hauptthema beim aufsteigenden Notenwirbel immer dünner. Eine Stelle, die das 21st Century Orchestra mit Bravour meistert. Zwar gibt es seltene Schwierigkeiten in Höhe und Präzision. Doch ist etwa der fulminante Schlussteil auf höchstem Niveau. Sinfonisch weit im Klang, kompakt in der musikalischen Bewegung. Das früher oft dominante Blechregister bleibt eingebettet, setzt die Farben des Höhepunktes, ohne zu schneiden. Ein fulminanter Schluss beschliesst den packenden Abend.

Hinweis

Star Wars & 21st Century Orchestra: 13. April, 19.30 Uhr, 14. April, 19.30 Uhr, 15. April, 11 Uhr sowie 18.30 Uhr im KKL Luzern.

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