KKL: Starkes Heimspiel der Botschafter Luzerns

Sprühendes Musizieren mit der Stargeigerin Arabella Steinbacher: Die Festival Strings beenden mit einem Glanzlicht eine Erfolgssaison.

Fritz Schaub
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Plastische Gestaltung: Geigerin Arabella Steinbacher. (Bild: PD/Jiri Hronik)

Plastische Gestaltung: Geigerin Arabella Steinbacher. (Bild: PD/Jiri Hronik)

Während das renommierte Luzerner Kammerorchester Festival Strings wegen der Neuverteilung der Subventionen prekäre Zeiten durchmacht, reitet es künstlerisch auf einer Erfolgswelle. Davon zeugen die erfolgreichen Auftritte bei den Tourneen und die Konzertübertragungen und Dokumentationen in Radio und Fernsehen.

Es liegt am System dieses 1956 von Rudolf Baumgartner und Wolfgang Schneiderhan gegründeten Orchesters, dass es die Mehrzahl seiner Auftritte auf Ausland-Tourneen bis nach Südamerika, China und Russland absolviert und damit bis heute als Botschafter der Musikstadt Luzern wirkt.

47 000 Konzertbesucher

Die Bilanz des letzten Jahres darf sich sehen lassen: Von den 38 Konzerten fanden 25 im Ausland statt. 47 000 Besucher, 10 000 davon in der Schweiz, hörten die Konzerte, wobei Luzern mit 8200 den Löwenanteil ausmacht. In der Sonntags-Matinee konnte man wieder eines der Konzerte in der Heimatstadt erleben, diesmal mit der deutsch-japanischen Geigerin Arabella Steinbacher.

Aufgemischte Mozart-Tradition

Dass das Orchester regelmässig mit internationalen Grössen auftritt und auch auf dem Plattenmarkt wieder präsent ist, ist ein untrügliches Zeichen für den wieder gewonnenen internationalen Stellenwert. Diese Zusammenarbeit mit hochgradigen Solisten verleiht auch dem Orchester neue Impulse. Beispielhaft erlebte man das im ersten, ganz Mozart gewidmeten Teil des Konzertes mit Arabella Steinbacher.

Mozart-Glück pur bescherte schon das Divertimento D-Dur KV 136, das in die frühe Salzburger Zeit fällt und eigentlich ein (sinfonisches) Streichquartett ist. Auch mit einer 20-köpfigen Streicherbesetzung klang diese unterhaltsame Spielmusik kammermusikalisch und durchsichtig. Die Strings spielten wie aus einem Guss, angriffig und doch flüssig, geschmeidig und doch mit einem Drive, der sich vom Konzertmeister Daniel Dodds auf das gesamte Orchester übertrug.

Lebendige Klassiker

Arabella Steinbacher, die das Violinkonzert Nr. 4 KV 218 zusammen mit den Festival Strings soeben mit zwei anderen Mozart-Konzerten auf einer CD eingespielt hat, glänzte durch plastische Gestaltung auch in hohen Lagen, durch einen zugespitzten Klang und durch Spritzigkeit bei den spielerisch-virtuosen Elementen.

Mit einer mit kernigem Ton gespielten Prokofiew-Zugabe leitete Steinbacher direkt über zum zweiten Teil, in dem die Strings Klassiker des 20. Jahrhunderts spielten, die nicht zum Stammrepertoire des Orchesters gehören. Sie warfen unweigerlich die Frage auf, ob sie ohne Dirigenten gemeistert werden könnten. Sie darf bejaht werden, wieder dank der sicheren Führung vom ersten Pult aus und dem Schneid, der in den beiden rhythmisch geprägten Stücken das ganze Orchester mitzog. Das galt namentlich für das 1937 entstandene, am Stil der Brandenburgischen Konzerte von Bach orientierte Concerto in Es «Dumbarton Oaks» von Igor Strawinsky.

Prominente Bläser

Hier traten die Bläser Ivo Gass und Robert Teutsch (beide Horn), Rui Lopes (Fagott), Dimitri Ashkenazy (Klarinette) sowie Christian Delafontaine (Flöte) einem reduzierten Streicherapparat gegenüber und entwickelten in der idealen Balance mit dem Streicherapparat ein lebendiges, abwechslungsreiches und farbiges Spiel.

Aus dem üblichen Rahmen fiel auch das fast zur gleichen Zeit im Auftrag Paul Sachers im schönen Saanen komponierte Divertimento von Béla Bartók, in dem die Streicher wieder ganz unter sich waren. Aus der Gegenüberstellung von Soli und Tutti ergab sich auch hier ein Konzertieren auf hohem Niveau, wobei trotz dem Divertimento-Charakter auch düstere Töne und beklemmende Steigerungen zu ihrem Recht kamen. Die Festival Strings bedankten sich für den reichen Applaus mit einem fein differenziert vorgetragenen Satz aus einem weiteren Mozart-Divertimento.