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KKL: Szenenwechsel mit starken Emotionen

Das Konzert der Jungen Philharmonie Zentralschweiz bot zusammen mit dem Luzerner Sinfonieorchester Orchestermusik in grossem Stil. Gemeinsam überzeugten sie vor allem in der opernhaften «Symphonie fantastique» von Hector Berlioz.
Gerda Neunhoeffer
Musizierten wörtlich nebeneinander: Junge Philharmonie Zentralschweiz und Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. Januar 2018))

Musizierten wörtlich nebeneinander: Junge Philharmonie Zentralschweiz und Luzerner Sinfonieorchester. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. Januar 2018))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Von impressionistischer Kammermusik bis zu opulenter Sinfonik reichte das Spektrum im Konzert am Mittwochabend im KKL-Konzertsaal. Zum dritten Mal fanden sich die Junge Philharmonie Zentralschweiz und das Luzerner Sinfonieorchester im Gemeinschaftsprojekt zu hervorragender Symbiose zusammen.

Und wie letztes Jahr bei Mahlers erster Sinfonie oder vor zwei Jahren beim Konzert für Orchester von Bartók brauchte es einen sehr gross besetzten Klangkörper, den das Luzerner Sinfonieorchester allein nicht hat. Wie gut, dass es hier mit dem Orchester der Musikhochschule Luzern ein zweites Orchester in der Stadt gibt, mit dem man solche Konzerte durchführen kann. Mit einem rein französischen Programm gab es wirkungsvolle «Szenenwechsel» im gleich­namigen Musikfestival der Hochschule, das noch bis Sonntag in vielfältigen Konzerten an verschiedenen Orten stattfindet.

An jedem Pult ein Profi und ein Studierender

Schon am 7. Januar zeigte die Junge Philharmonie Zentralschweiz bei ihrem Konzert in der Matthäuskirche ihre Vielseitigkeit und Flexibilität. Auf die Frage, wie es denn nun sei, mit dem Luzerner Sinfonieorchester zusammenzuspielen, erhielt man begeisterte Antworten. Und das trotz der vielen Proben: Zunächst bereiteten die Stimmführer des Luzerner Sinfonieorchesters die Studierenden in je zwei Registerproben auf das Konzert vor, in vier Gesamtproben und der Generalprobe wurde der Zusammenklang unter dem polnischen Dirigenten Jacek Kaspaszyk ausgefeilt.

In der besonderen Aufstellung, in der an jedem Pult je ein Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters mit einem Studierenden gemeinsam spielte, ergab sich ein homogenes Klangbild, das besonders im Hauptwerk des Abends, der «Symphonie fantastique» von Hector Berlioz, überzeugte.

Das Programm mit rein französischer Musik stellte drei Komponisten in den Fokus des Themas «Question de style». Zunächst Maurice Ravel, dessen «Introduction et Allegro» für Harfe, Klarinette, Flöte und Streichquartett ein zarter Einstieg mit vielfarbigen Klängen war, der verzauberte. Julia Steinhausers exzellentes Harfenspiel verband sich schillernd mit den schwebenden Flötentönen (Camille Quinton) und der dunkel gefärbten Klarinette von Stojan Krkuleski, während die Violinen von Lisa Schatzman und Lucie Koci, die Viola von Nora Vetter und Heiner Reichs Cello einen samtweichen Klangteppich woben: Es war impressionistisches Leuchten pur.

Dann Szenenwechsel zum Konzert für Klavier und Orchester cis-Moll von Francis Poulenc: Die Harfe wurde gegen den Flügel getauscht (ein Kompliment den Helfern, die jeden Umbau rasch bewältigten), und die vielen Musiker füllten die Bühne. Florian Hoelscher, Professor an der Musikhochschule Luzern, spielte den oft virtuosen Solopart mit technischer Präzision, das Orchester agierte klangvoll. Die Streicher überzeugten mit weicher Sanftheit im zweiten Satz, der mit grosser Ruhe gespielt wurde. Dabei hätte man sich noch mehr farbliche und dynamische Abstufungen gewünscht, und im letzten Satz vielleicht eine Prise mehr Humor und Spritzigkeit.

Eine tragische Liebesgeschichte

Das alles aber und viele weitere Facetten wurden nach der Pause in der Sinfonie von Berlioz hörbar. Die tragische Liebesgeschichte eines jungen Musikers, die der Komponist in fünf opernhaften Szenen schildert, wurde sehr lebendig und voller Emotionen musiziert. Das grosse Orchester, mit acht Kontrabässen, vier Harfen, sieben Pauken und ganz ungewöhnlichen Instrumenten, zwei Ophikleiden (tiefes Blechblasinstrument mit Klappen und nach oben gerichtetem Schall­trichter), hatte sich fantastisch zusammengefunden. Wie Oboen, Flöte und Hörner die leise Einleitung im ersten Satz (Reveries, Passions) begannen, die von den Streichern wie ein Hauch weitergesponnen wurde und sich dann gefühlvoll steigerte, führte spannungsreich in die Geschichte ein.

Dann wogten die Streicher nach kleinen Melodieeinwürfen der Holzbläser wie Wellen auf und ab, die kurz gespielten ­Scalen wurden hervorragend gemeinsam ausgespielt. Das Gefühls­leben nochmals in allen Registern auf, und die feine Oboenmelodie erhob sich strahlend über dem Tutti. Harfen, Streicher, Holzbläser und Hörner charakterisierten «Un Bal», den sie so schwungvoll und lebhaft interpretierten, dass man den Walzer hätte mittanzen können.

Danach erfolgte wieder ein starker Szenenwechsel: Mit samtweichem Klang spielte Bettina Klinglmayr (Hochschule) eine klagende Melodie auf dem Englischhorn, die vom Orgelspieltisch aus von Andrey Cholokyans Oboe zart beantwortet wurde. ­Innig leise fanden sich zunächst die Bratschen dazu, bis sich das ganze Orchester in «Scène au champs» einmischte, was auch klanglich an Beethovens sechste Sinfonie erinnert.

Gewitter, Wildheit und Totenglocken

Die Idylle wurde durchsichtig musiziert, bis sich unausweichlich das Gewitter ankündigte. Den Donner zelebrierten vier Schlagzeuger an den Pauken, dazwischen spielte Bettina Klingl­mayer ihre zarte Melodie – das war ein Höhepunkt dieser Aufführung. Kontrastreich dazu der «Marche au supplice», in dem die vier Fagotte ihre Virtuosität ebenso bewiesen wie das Tutti.

Unheimlich begann «Solange d’une nuit du Sabbat» mit tiefen Klängen, dazu Streichertremoli und «Gelächter» der Holzbläser. Die Musiker gestalteten jedes Detail differenziert aus, und in einem wilden Reigen, in den plötzlich von oben her Totenglocken erklangen und Posaunen und Ophikleiden das «Dies irae»-Thema intonierten, endete die eindrucksvolle Interpretation. Die beiden Orchester hatten sich zu einem homogenen Klangkörper vereint, der den vielen Zuhörern Bravorufe und begeisterten Applaus entlockte.

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