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KKL: Tangomesse zum Tanzen gebracht

Gefühlsstarke Lebendigkeit verliehen am Mittwoch der Konzertchor Klangwerk und das Orchester Santa Maria der Misa Tango des Komponisten Luis Bacalov. Eher verhalten war der Beginn mit Francis Poulencs «Gloria».
Fritz Schaub
Luis Parra und Nicole Hansen tanzen zur Musik des Konzertchors Klangwerk und des Orchesters Santa Maria. (Bild: Eveline Beerkircher (24. Mai 2017))

Luis Parra und Nicole Hansen tanzen zur Musik des Konzertchors Klangwerk und des Orchesters Santa Maria. (Bild: Eveline Beerkircher (24. Mai 2017))

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitun.ch

Wem die Tangomesse von Luis Enriquez Bacalov – geboren 1933 in Buenos Aires – unbekannt war, konnte sich nicht vorstellen, wie sie neben dem geistlichen Werk eines tiefgläubigen Katholiken mit dem grossen Namen Francis Poulenc würde bestehen können. Nach dem Konzert war es fast umgekehrt. Ein Konzertbesucher meinte stellvertretend für wohl die meisten: «Die Tangomesse hat mich tief bewegt».

Überraschend begann das Konzert nicht mit dem 1959 entstandenen «Gloria» von Francis Poulenc (1899–1963), sondern einem gregorianischen Choral, der als «Einstimmung und Rückbesinnung zum Ursprung des Messeteils des ‹Gloria›» gedacht war. Im Rückblick empfand man dies jedoch eher als Vorwegnahme der «Misa Tango» des ar­gentinischen Komponisten. Dies auch, weil bereits zwei Protagonisten der Tangomesse mitwirkten: Auf der Orgelempore sang Tenor Nino Aurelio Gmünder, der auch den Tenorpart in der Messe übernahm, die gregorianische Weise mit, die vom Bandoneon Luciano Jungmans mit sinnlich-warmem Ton begleitet wurde.

Überhaupt drückte der international tätige Bandoneonist und Komponist mit seinem expressiven Spiel dem Abend den Stempel auf. Im selbst komponierten «Tango Azul» kehrte er, getragen vom Streicherteppich des Orchesters Santa Maria, die tem­peramentvolle Seite des Bandoneon-Spiels hervor, während er das Instrument in einem Ar­rangement von Astor Piazzollas «Oblivion» tiefgründig schluchzen liess und so die Sehnsucht und das Heimweh der entwurzelten Emigranten zum Ausdruck brachte. Damit gemahnte er an den Ursprung des in den Arbeitervierteln von Buenos Aires entstandenen Tangos, aber auch an die heutige Flüchtlingsaktualität.

Stilvoller Tangotanz zum «Agnus Dei»

Im Stile des Tango nuevo von ­Astor Piazzolla komponierte Luis Bacalov die Misa Tango, indem er Stilbereiche der klassischen und populären Musik einbezog. Dass er im Credo und im Sanctus sehr tänzerische Musik entfesselt, die Leonard Bernstein und dessen «West Side Story» und «Can­dice» zum Vorbild hat, kann heute niemanden mehr brüskieren. Man kann zu Gottes Lob auch tanzen, was andere Kulturen taten, bevor das Christentum den Tanz aus dem Gottesdienst verbannte.

Und so hatte auch der Umstand, dass das Paar Luis y Nicole (Luis Parra und Nicole Hansen von der Luzerner Tanzschule «Tango Argentino») nach den Improvisationen zu den Tangos von Astor Piazzolla und Luciano Jungman zum abschliessenden Agnus Dei einen gefühlvollen Tango darbot, nichts Anrüchiges.

Die Stimmen von Deborah Leonetti (Sopran) und Nino Aurelio Gmünder (Tenor) verfügen nicht ganz über den Schmelz, den mediterrane Stimmen haben. Aber die beiden harmonierten prächtig, indem die Sängerin ihrem Sopran eine Mezzofarbe beimischte und sich so dem etwas baritonalen Timbre des Tenors anglich. Mediterrane Farben entfaltete der aus dem Lehrerinnen- und Lehrer-Chor hervorgegangene Konzertchor Klangwerk und liess sich von den synkopierten Rhythmen mitreissen. Schon im weniger eingängigen «Gloria» hatte Leiterin Moana N. Labbate Gegensteuer gegen das Grossaufgebot von 100 Sängerinnen und Sängern gegeben, indem sie auf leichte Tongebung und rhythmische Akzentuierung setzte.

Ganz sakrale himmlische Töne setzte hier die Sopranistin Deborah Leonetti. Das Orchester hielt sich bei Poulenc gegenüber dem Chor eher zurück, umso mehr war es bei der Tango-Messe gefordert, in dem sich Cello und Klavier (Barbara Mattenberger, Korrepetitorin des Chors) zum Bandoneon gesellten und eine Art barockes Concertino bildeten, wobei das Klavier ein wenig die Funktion des Basso continuo hatte. Gerade die langsamen, tief berührenden Momente wie die Einleitung durch das Bandoneon und das Solocello im «Sanctus» oder der flehende Ausklang des «Danos la paz» («Gib uns den Frieden») im «Agnus Dei» werden lange nachhallen. Während der Beifall nach dem «Gloria» noch reserviert war, schwoll er nach der Tango-Messe mächtig an.

CD-Tipp

Luis Bacalov: Misa Tango. Astor Piazzolla: Adios Nonino, Libertango. Placido Domingo, Ana Maria Martinez. Deutsche Grammophon.

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