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KKL: Virtuosität mit fussballerischen Elementen

Die Brassband Bürgermusik Luzern und ihre Talents überzeugten am Samstagabend mit Vielfalt. Das reichte vom tragischen Trauermarsch bis zu fantastischer sinfonischer Klangfülle. Und der Moderator sorgte für sportliche Bezüge.
Natürlich nur ein Scherz: Rainer Maria Salzgeber verweist Dirigent Duri Cathomen von der Bühne, um dann selber im Orchester mitzuspielen. (Bild: Roger Grütter)

Natürlich nur ein Scherz: Rainer Maria Salzgeber verweist Dirigent Duri Cathomen von der Bühne, um dann selber im Orchester mitzuspielen. (Bild: Roger Grütter)

Was haben Sport und Musik gemeinsam? Dieser Frage ging Rainer Maria Salzgeber in seiner Moderation an der Konzertgala der Brassband Bürgermusik Luzern (BML) immer wieder nach. Ist er doch Sportreporter – wie er betonte – «im Farbfernsehen» und jetzt auf der Bühne des KKL, die er mit Fussball und Klarinette betrat. Und er zog den Vergleich: Ohne die Mannschaftsleistungen, ohne viel Training und noch mehr Üben kann kein Fussballstar oder Solist erfolgreich werden.

Salzgeber hatte das Publikum mit seinen launigen Sprüchen ­sofort auf seiner Seite. Das hatten aber ebenso Dirigent Michael Bach und die Musiker, die mit ihrem ansprechenden Klang und ihrer präzisen Dynamik überzeugten. Wie vielfältig ihre Gestaltungsmöglichkeiten sind, demonstrierten die BML und die BML-Talents eindrucksvoll in dem Programm, das von be­kannten Werken bis zu äusserst anspruchsvoller neuer Musik reichte.

Komposition in Erinnerung an eine Fussballtragödie

Schwungvoll und unglaublich schnell spielte die Brassband die Ouvertüre zu «Ruslan und Ludmilla» von Mikhail Glinka. Dass es trotz Virtuosität wie aus einem Guss klang, die Cornets die rasanten Läufe scheinbar mühelos bewältigten und sogar noch steigerten, brachte erste Bravorufe.

In starkem Kontrast dazu erklang «Epitaph For Hillsborough», das der englische Komponist Peter Meechan aus einem sehr traurigen Anlass schrieb. Salzgeber schilderte, wie 1989 bei einem Match 96 Liverpool-Fans ums Leben kamen und es über sechs Minuten dauerte, bis der Schiedsrichter das Spiel abpfiff. Und genau so lang dauert das Musikstück, das mit einzelnen Glockenschlägen aus der Stille heraus begann, bei dem dann zart ein Cornetsolo dazukam und nach und nach alle in den Trauermarsch einstimmten – ein ganz starker Moment in dem Konzert.

Duri Cathomen schloss mit seinem weichen und ausdrucksvollen Spiel in «The Paragon» von Edward Sutton zunächst an die getragene Stimmung an, bevor er zu der subtilen Begleitung der Brassband sein Cornet in bestechender Virtuosität zu Höhenflügen brachte. Das wurde von den vielen Zuschauern bejubelt, auch die Mitspieler applaudierten. Auf die Frage Salzgebers, wie Cathomen ohne langen Unterricht zu so einem Spiel käme, antwortete er lapidar: «Gute Dirigenten», aber auf weiteres Nachfragen, man müsse natürlich auch üben!

Das mussten dann alle in «Destination Moon», 2017 komponiert von Paul Raphael. Es ist ein extrem vielschichtiges Werk, das auch das Selbstwahlstück beim Wettbewerb in Montreux gewesen ist. Von sphärischen Klängen von Vibrafon und Glockenspiel, von vielen hervorragend gespielten Soli geprägt, von heroischen Klängen über mehrere Rhythmen übereinander, von jazzigen Elementen bis zu fast verschwindenden Tönen wurde das eine Reise durch den Weltraum, in der man schon mal schier verloren gehen konnte.

Während des Spielens ständig die Plätze gewechselt

Nach der Pause gab es einen hervorragend inszenierten Auftritt der BML-Talents, die in einem Arrangement über «Best Of ­Hercab & Kongolela» während des Spielens ständig die Plätze wechselten, sogar tanzten und mit ausgezeichneten Soli überzeugten.

In «Wanderer Above The Sea Of Fog» von Christopher Bond sassen dann alle auf ihrem Platz und verliehen dem Stück unter ihrem Dirigenten Patrick Ottiger sowohl getragene Ruhe als auch sprühende Lebendigkeit.

Mit «Olympic Fanfare And Theme» von John Williams war nun wieder die Brassband auf der Bühne, souverän spielte sie sich durch das opulente Werk, hatte sichtbares Vergnügen an «Copacabana» (Nachtclub in New York) von Barry Manilow, wobei sie auch rhythmisch sprach. Und im Spaghettiwestern-Motiv «The Good, The Bad And The Ugly» von Ennio Morricone gar traten zwei Westernhelden auf.

Höhepunkt aber war «Pini della Via Appia» von Ottorino Resphigi, ein sinfonisches Werk, das im Arrangement von Howard Snell genau den Sog erzielte, wie man es von Sinfonieorchestern kennt. BML und Talents zauberten eine fantastische Steigerung, nach welcher jubelnder Applaus ausbrach. In der ersten Zugabe, dem Marsch «Marignan» von Jean Dätwyler, spielte Salzgeber dann tatsächlich auf seiner Klarinette mit, nachdem er Cathomen mittels roter Karte Platzverweis erteilt hatte. In der Fussballhymne «You Never Walk Alone» war dann die Besetzung wieder original und zeigte nochmals den weichen, sinfonischen Klang.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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