KKL: Weltraum-Musik bringt den Konzertsaal zum Schweben

Das Blasorchester Stadtmusik Luzern und Posaunist Tobias Lang begeisterten im Konzert «Star Wars» am Samstag in Luzern. Und entführten das Publikum buchstäblich in andere Sphären.

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Solist Tobias Lang bewies seine Virtuosität und Vielseitigkeit.

Solist Tobias Lang bewies seine Virtuosität und Vielseitigkeit.

Als ob der Konzertsaal des KKL abheben und wie ein Raumschiff durch die Weiten des Universums fliegen könnte, wurde man schon mit den ersten Klängen vom Blasorchester Stadtmusik Luzern in andere Welten geleitet.

Das Programm «Star Wars» im Winterkonzert am Samstagabend konzentrierte sich ganz auf «Weltraum-Musik», worauf der Abschluss des Konzertes beim World Band Festival im Herbst mit «Mercury» schon verheissungsvoll hingewiesen hatte. Was Hervé Grélat mit seinen Musikern in den Raum klingen liess, reichte von lautmalerischen Metamorphosen bis zu epischer Filmmusik. Spannend eingebettet in diese anscheinend erdferne Musik war das Posaunenkonzert von Derek Bourgeois (*1941), in dem der junge Luzerner Tobias Lang mit herausragender Interpretation begeisterte.

Solist zeigte, was auf der Posaune möglich ist

Eben erst in seiner Stelle als stellvertretender Soloposaunist im Zürcher Opernorchester bestätigt, zeigte Tobias Lang mit wandelbarem Ton in allen Lagen, mit virtuoser Leichtigkeit und Souveränität, was auf der Posaune möglich ist. Gesanglich ausgespielte Melodien, rhythmisch pointierte Läufe und fein ausbalancierte Stimmungswechsel harmonierten gut mit dem aufmerksam begleitenden Orchester, das hier in kleinerer Besetzung spielte. Im letzten Satz, der mit seiner rasanten Virtuosität an den berühmten Hummelflug erinnert, riss der Solist die Musiker förmlich mit, während er in der Zugabe bewies, dass er auch im Jazz zu Hause ist.

Wie in «Godspeed» von Stephen Melillo (*1957) aus sphärisch dicht gespieltem Tuttiklang Oboe und Harfe zart hervortraten, um sich dann wieder zum Weltraumklang zu erweitern, nahm die zahlreichen Zuhörer von Beginn an gefangen. Undurchdringlich heftiges Chaos löste sich immer wieder in Harmonien auf, und am Ende siegte strahlendes Dur.

In «Spiritual Planet» von Wataru Hokoyama (*1974) fanden sich ähnliche Stimmungen, allerdings waren die Dissonanzen schärfer, die Effekte zugespitzter, und die teilweise beängstigende Düsternis wurde greifbar von den tiefen Instrumenten ausgespielt. Nach heftigen Schlagzeug-Gewittern führte eine schlichte Klaviermelodie, untermalt von gestrichenen Tönen am Vibrafon, Gong und leisen Claves (Klanghölzer) vorübergehend in vollkommene Ruhe, bevor sich das ganze Orchester wieder in brausende Klangfülle ausbreitete.

«Star Wars»-Filme wurden lebendig

«Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit» aus den Planeten von Gustav Holst, für Blasorchester arrangiert von Merlin Patterson, wurde mit Leidenschaft und spielerischer Leichtigkeit interpretiert. Die kleinen Soli gelangen ebenso wie die Wechsel zwischen virtuosem Vorwärtsstürmen und ruhiger Klangfläche, und Grélat leitete das Orchester souverän durch alle Strudel der Partitur.

In der «Star Wars Trilogy» von John Williams bündelten die Musiker nochmals alle Kräfte, um die Filme lebendig werden zu lassen. Das gelang ihnen bis auf kleine Intonationstrübungen hervorragend, die acht Schlagzeuger bewiesen nochmals ihre Vielseitigkeit und gaben im Marsch das unerbittliche Tempo vor. Horn und Harfe vereinten sich zum lieblichen «Leia’s Theme», was beim einen oder anderen Zuschauer wegen des kürzlichen Todes von Leia-Darstellerin Carrie Fisher auch eine gewisse Wehmut auslöste.

Die triumphal endende Filmmusik wurde von den Zuhörern kräftig bejubelt. Das Blasorchester Stadtmusik Luzern bedankte sich mit der Zugabe «Sheltering Sky» von John Mackey.

 

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch