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KKL: Zwei Pole im Wechselspiel

An der ausverkauften Radio Pilatus Music Night treffen zwei völlig unterschiedliche Bands aufeinander. Dies ermöglicht einen spannenden Konzertabend. Aber es werden auch Chancen vergeben.
Roman Kühne
Pee Wirz (rechts) und Lukas Schaller von Dada Ante Portas vor dem 21st Century Symphony Orchestra. (Bild: Maurizio Garofalo (Luzern, 18. 9. 2017))

Pee Wirz (rechts) und Lukas Schaller von Dada Ante Portas vor dem 21st Century Symphony Orchestra. (Bild: Maurizio Garofalo (Luzern, 18. 9. 2017))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

«Natürlich wartet niemand auf uns», sagte Pee Wirz im April zur «Luzerner Zeitung». Wie er sich täuschen sollte. Die vier ausverkauften Vorstellungen im Konzertsaal des KKL zeigen ein anderes Bild. Die Radio Pilatus Music Night ist ein Selbstläufer geworden. Im achten Jahr gingen die ­Tickets allerdings besonders schnell weg. Dies ist auch das Verdienst von Dada Ante Portas, der rockenden Innerschweizer Gruppe, bei der Pee Wirz den Lead-Part füllt. Aber auch von Kunz, dem ebenfalls aus der Region stammenden Mundartkünstler, und dem 21st Century Symphony Orchestra unter Ludwig Wicki. Alles Namen, die weit über die Region ausstrahlen.

Mit den zwei Bands treffen an der diesjährigen Music Night Pole zusammen, die nur wenige Berührungspunkte aufweisen. Kunz singt seine Lieder in Mundart, setzt auf das Hackbrett in der Stückbegleitung. Er selber sieht seinen Stil als Mundartfolk. Die Lebendigkeit, die man mit solcher Musik assoziiert, trifft am ehesten auf «Marie» zu. Der spannende Refrain wird mit einem quirligen Rhythmus gepaart. Das Violinensolo im Stile einer Rockgitarre gibt den nötigen Pfeffer. Höhepunkt ist der akkordische Sprechgesang in bester Rap-Manier.

Reine Wasser im Vierwaldstättersee

Toll ist auch die Komposition «Räubertochter», das mitreissendste Stück des Abends, eine Paarung aus Zigeuner-Elementen und Klezmer-Rhythmus. Hier ist es ein Solo auf der Gitarre, das für Abwechslung sorgt. Von diesen Einzeleinlagen hätte man sich mehr gewünscht. Die Qualität der Musiker wäre vorhanden gewesen. Viele Stücke von Kunz kommen doch sehr lieblich daher. Mehr Schlager denn Alpenrock. Von den Texten werden es wohl die wenigsten in die Shortlist des Schweizer Buchpreises schaffen. Auch ist das Stimmspektrum von Kunz begrenzt. Seine Stimme wirkt an diesem Abend teilweise gepresst («Räge zom Schluss»), heiser gar. Doch er ist authentisch. Zieht mit Natürlichkeit und Charme sein Programm durch. Singt vom «Vierwaldstättersee» und «Lüüt so wie mer». Nettigkeit und reine Wasser, fast frei von jeder Selbstironie.

Rockiger Sound versus heile Alpenwelt

Auf der anderen Seite findet sich Dada Ante Portas, eine waschechte Rockband, schon lange im Geschäft. Genau 20 Jahre ist es her, dass sie in Horw ihren ersten Auftritt hatten. Im Vorprogramm ulkte ein Clown, und nachher gab es eine Kunstausstellung. Wenig wies darauf hin, dass hier eine erfolgreiche Gruppe ihre ersten Schritte wagte. Mit rockigem, zum Teil hartem Sound setzen sie an diesem Abend den Gegenpol zur heilen Alpenwelt. Ihre Stücke, wie der Hit «Taking your love», sind klarer und trockener, oft auch spannender und raffinierter in der Akkordik. Pee Wirz verfügt über eine wandelbare Stimme. Die Ballade «She Cries For Some­one Else» intoniert er mit viel Emotion und Gestaltungskraft.

Eine belebende Abwechslung sind Stücke vom neuen Album «When Gravity Fails», wo die Band auf härtere Klänge setzt. Oder «No Scheme», das der Trompeter Patrick Ottiger mit einem Solo aufpeppt. Erstaunlicherweise verliert die Gruppe gegen den Schluss hin – wo Kunz klar aufdreht – ein wenig an Schwung.

Schade ist, dass sich die beiden Gruppen gar nicht kreuzen. Die Programmgestaltung beschränkt sich darauf, nach zwei bis drei Stücken wieder die an­dere Band auf die Bühne zu schicken. Da wird die Chance verschenkt, aus dem Abend mehr zu machen. Es bleibt beim blossen Abspielen von Einzelnummern.

Nur selten aufbrechender Spannungspunkt

Vor allem am Ende des Konzertes ziehen sich die Unterbrüche in die Länge. Selbst der finale Applaus wird von den beiden Bands einzeln (!) entgegengenommen. Das 21st Century Orchestra unter Ludwig Wicki begleitete mit seinen üblichen Qualitäten, solide und sicher. Der pompöse Auftakt ist gekonnt, erfüllt jedoch vor allem die Erwartungen an einen solchen Anlass. Das Orchester wird, typisch für solche Konzerte, auf den rein begleitenden Part reduziert. Nur selten findet sich ein rhythmisch aufbrechender Spannungspunkt («Hey father»), entwickelt sich ein echtes Wechselspiel zwischen Orchester und Sänger («Räubertochter»).

Der überzeugend auftretende Chor spielt die undankbare «Ah-Ah»-Rolle. Da liegt mehr drin. Es gibt während des ganzen Abends etwas viel vom «Gleichen». Die spezielle Konstellation mit Orchester und zwei unterschiedlichen Bands wird zu wenig genutzt. Doch auch wenn es nicht überbordende Begeisterung ist: Ab dem Stück «Dance With Me» ist das Publikum auf den Beinen, geht oft klatschend mit und geniesst den Abend in vollen Zügen.

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