KLANG MEGGEN: Zweimal «Dame mit drei Herren»

Die gestrige Matinee auf Schloss Meggenhorn entzückte musikalisch. Aber auch mit einer ganz besonderen Übereinstimmung.

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Die Westschweizer Formation Quatuor Byron überzeugte auf Schloss Meggenhorn. (Bild: PD)

Die Westschweizer Formation Quatuor Byron überzeugte auf Schloss Meggenhorn. (Bild: PD)

Mit «Dame mit Herren» gestern auf Schloss Meggenhorn traf die Musik genau die Stimmung, die das Wetter bereithielt: Konnte man bei Haydn zunächst Sonnenstrahlen hören und gleichzeitig draussen sehen, liessen dunkle Wolken und Regenschauer da wie dort nicht lange auf sich warten.

Das ist eine der Besonderheiten bei Klang Meggen, man sieht den See und die Berge durch die grossen Fenster, während im Saal feinste Kammermusik geboten wird. Und nach den Konzerten kann man mit den Musikern bei Apéro und Diner plaudern.

Zum fünften Mal findet das kleine Festival nun auch im Sommer statt. Es ist aus den Wünschen des Publikums entstanden, das den Jahresabstand von Klang im Winter zu lange fand. Und eine Besucherin aus Luzern war glücklich über ihr Ticket: «Ich dachte, die Konzerte seien längst ausgebucht – an einem so schönen Ort und so schöne Musik! Das ist doch ein Geheimtipp.»

Vom 16-jährigen Mozart

Das Westschweizer Quatuor Byron besteht passend zum Thema aus einer Dame und drei Herren; und es standen Kompositionen einer Dame und dreier Herren auf dem Programm. Und dass François James und Wendy Ghysels zwischendurch die Plätze tauschten, gab dem variablen Klang spannende Unterschiede. François James spielte die erste Geige in Mozarts Divertimento, dem man nicht anhört, dass es ein 16-Jähriger geschrieben hat, und in Haydns Quartett Nr. 4 c-Moll op. 17.

Was er da an geschmeidig warmen Tönen hervorzauberte, liess zunächst an den Sonnenaufgang aus Haydns «Schöpfung» denken. Die vier Streicher kosteten Reibungen und chromatische Feinheiten voll aus und steigerten sich nach dem tänzerisch-derben Menuett und elegischen Adagio mit leidenschaftlichen Akzenten bis ins düstere Finale.

Gefühlvolles von Komponistin

In Schuberts Quartettsatz und Fanny Mendelssohns Quartett Es-Dur sass nun Wendy Ghysels am ersten Pult. Während bei Schubert einige Intonationsschwankungen dem Regen draussen entsprachen, entfaltete sich bei Fanny Mendelssohn (die ja als Frau gar nicht komponieren durfte!) gefühlvolle Dramatik, die aufhorchen liess. Was da an Klangreichtum, an harmonischen Einfällen und Themen durch alle Instrumente strömte, war beeindruckend.

In Adagio und Romance spielten Robin Lemmel, Viola, und Aurélien Ferrette, Cello, die fantasiereichen Kantilenen intensiv aus, während im Allegretto heftige Ausbrüche und rasante Akkordfolgen quasi auf den letzten Satz hinwiesen, in dem aberwitzig virtuose Läufe den späteren «Hummelflug» von Rimsky-Korsakow schon vorwegzunehmen schienen. Wie sehr das Quartuor Byron die Zuhörer fesselte, zeigte sich auch daran, dass ein kleines Kind ruhig dabei war und manchmal mitdirigierte.

Gerda Neunhoeffer