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Klangorgien füllen den Raum

Mit Präzision, vielschichtigen Klängen und grosser Spielfreude zeigen die Brassband Bürgermusik und die BML Talents, wieso sie auch an Wettbewerben so erfolgreich sind. Die Komposition des jungen Percussionisten Jonas Elmiger sorgt für eine Überraschung.
Gerda Neunhoeffer
Die Brassband Bürgermusik Luzern mit Dirigent Michael Bach im KKL. (Bild: Roger Grütter, 23. März 2019)

Die Brassband Bürgermusik Luzern mit Dirigent Michael Bach im KKL. (Bild: Roger Grütter, 23. März 2019)

Wenn Fanfaren aus allen Richtungen tönen, wenn südamerikanische Rhythmen den Konzertsaal des KKL erschüttern, wenn weiche Blechbläserklänge mit scharf akzentuiertem Staccato wechseln, dann ist es «brassig – mitreissend – leidenschaftlich».

So lautet das Thema der Konzertgala der Brassband Bürgermusik Luzern am Samstagabend. Die Musiker erfüllen dies hundertprozentig. Was da über die Rampe kommt, begeistert die Zuhörer von Beginn an und reisst sie mit in den Strudel der verschiedensten Klangwellen. Dass die Moderation diesmal vom ehemaligen BML-Musiker Markus Trachsel kommt, ist fast familiär.

«Viel mehr Töne in kürzester Zeit!»

Auf die Frage an Tobias Lang, der inzwischen Soloposaunist im Orchester der Oper Zürich ist und mit virtuosem Solo in der «Fantastic Polka» überzeugt, was der Unterschied für ihn zwischen Opernorchester und Brassband sei, sagt Lang: «In der Brassband viel mehr Töne in kürzester Zeit!»

Das gilt auch für die Stücke an diesem Abend – viele Töne, die wunderbar ineinandergreifen und in irrwitzig schnellen Läufen exakt durch alle Instrumente rauschen. Und dann streichelt wieder runder, weicher Sound die Ohren.

In «English Heritage» von George Lloyd kommt neben sanft klingenden Soli und choralartigen Stellen virtuose Tonakrobatik vor, die an den Hummelflug von Rimski-Korsakow erinnert. Mit Bravour meistern alle Instrumentengruppen diese Hürden unter der kundigen Leitung von Michael Bach, ohne dabei je die vielschichtige Klangqualität zu verlieren. Gefühlvoll erklingt «Jill’s Theme» aus «Spiel mir das Lied vom Tod». Im Hauptthema zu «E. T.» von John Williams (Arrangement von Ludwig Wicki) spürt man die unendlichen Weiten, nach denen sich der Ausserirdische sehnt. Man hört, dass Wicki die Möglichkeiten der Brassband Bürgermusik genau kennt, jedes Detail scheint den Musikern auf den Leib geschrieben.

Im «Champagner Tango» wechseln scharfe Tutti-Akkorde mit sehnsuchtsvoller Melodik, und in «Hunting Scene» von Adam Hudec treten die Solisten des Stücks verkleidet auf: Duri Cathomen (Principal Cornet der Brassband) als Jäger und Mattia Klaus (Principal Cornet der BML Talents) als pelziges Tier. Doch bei allem Klamauk bleibt das hervorragende Spiel im Vordergrund und wird zu Recht bejubelt.

Südamerikanisches Temperament von Talents

Dass die BML Talents den «Grossen» in nichts nachstehen, haben sie bereits genügend bewiesen. So traten sie letztes Jahr bei Tattoo on Stage auf und sind, wie auch die Brassband, zum Europäischen Wettbewerb eingeladen, der im April in Montreux ausgetragen wird. Wie sie die «Salsa Tres Prado» von Philip Harper angehen, hat südamerikanisches Temperament in Topform. Da springt der Funke von den vier Mädchen im Vordergrund sofort über, sie rufen, tanzen, spielen und klatschen, von den Schlagzeugern kommen die Rhythmen haarscharf. Dirigent Patrick Ottiger führt präzise durch die Turbulenzen. In der Zugabe «Red Morning Star» überwiegt kraftvoller Balkansound.

Es gibt zwei besondere Überraschungen: Einmal stehen vier Musiker ganz im Dunklen und lassen acht Feuerzeuge rhythmisch aufleuchten, quasi Augenmusik. Und Jonas Elmiger hat für seine Maturaarbeit ein Stück für Percussion komponiert. Er und seine sechs Kollegen zaubern wundersame Klänge auf Marimba, Vibrafon und Congas. Mitten im Stück wird der Saal wieder dunkel, und auf acht Bongos wird mit wirbelnden, farbig leuchtenden Sticks gespielt, was toll wirkt.

Am Ende des Konzertes vereinigen sich Brassband und Talents gemeinsam auf der Bühne, und mit vollem Sound spielen sie die «Baba Yaga» und «Das grosse Tor von Kiew» aus Modest Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung». Unheimlich tönen die Schläge aus der Tiefe, und wie dann im Xylofon Gelächter aufklingt, wie sich der Hexenritt steigert, das ist grosses Kino, das sich im «Grossen Tor» zu raumfüllender Klangorgie steigert. Natürlich folgen Zugaben, und mit «Trumpet Blues» und «Melody Shop» wird es noch mal richtig jazzig.

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