KLANGPROBEN: Zupfen und Kratzen nach Lust und Laune

Saitenklänge hören, fühlen und probieren: Die neue «Klangproben»-Reihe in der Musikinstrumentensammlung Willisau startete mit einer echten Herausforderung.

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Reizvolle Instrumentenkulisse: die Lautenisten Andreas Schlegel und Dana Howe. (Bild: Roger Tanner)

Reizvolle Instrumentenkulisse: die Lautenisten Andreas Schlegel und Dana Howe. (Bild: Roger Tanner)

Die Musikinstrumentensammlung in Willisau ist immer einen Besuch wert. Hier werden nicht nur historische Instrumente mit exotisch klingenden Namen vorgestellt. Auf dem Serpent, Zink und Regal oder dem Trumscheit und Krummhorn dürfen Besucher nach Belieben auch blasen, zupfen und schlagen, was das Zeug hält: eine musikalisch spannende Entdeckungsreise für Jung und Alt.

Doch das genügt heute nicht mehr, meint der Leiter der Sammlung, Adrian Steger. Und geht mit einer neuen Präsentationsform in die Offensive, die eine Mischung von Konzert und Vortrag ist und am Sonntag viel Publikum anzog.

Gitarre in Tropfenform

In der Instrumentensammlung findet an Stelle einer Sonderschau jeden zweiten und vierten Sonntagnachmittag eine solche «Klangprobe» statt. In dieser Saison sind die Klangproben den gezupften Saiteninstrumenten gewidmet. Die Inspiration dazu gaben die Restaurierung einer Theorbenzister aus dem 18. Jahrhundert und der Erwerb eines italienischen Cembalos des verstorbenen Surseer Cembalobauers Ruedi Käppeli.

Den Auftakt gestalteten die beiden Lautenisten Andreas Schlegel und Dana Howe. Die Kulisse auf dem kleinen Podium im Saal der Instrumentensammlung war viel versprechend. Zu Füssen der Musiker waren ein halbes Dutzend Zistern aufgestellt. Dahinter postierten sich die beiden Künstler und entlockten den Saiten zuweilen tänzerische, aber auch besinnliche Klänge.

Die Zister ist neben der Laute eine Vorgängerin der Gitarre, wobei die Tropfenform das markanteste äussere Merkmal ist. Klanglich erinnert die Zister, dank Stahl- statt Darmsaiten, mit ihrem silbernen Ton zeitweise an ein sanft gespieltes Banjo. An­dreas Schlegel, der durch den ersten, musikalischen Teil führte, zeigte an Hand der verschiedenen Instrumente die feinen Unterschiede von Zistern aus halb Europa. Einmal ist es eine Bandurria, Bandora, Sister, Cister oder die Emmentaler Halszither – die Namen ändern je nach Land und Epoche, was für den Laien schnell unübersichtlich wird.

Aber die beiden Interpreten brachten mit ihrem ausdrucksstarken und einfühlsamen Saitenspiel spielend leicht für Herz und Kopf Licht ins Dunkel. Anhand von Notenprojektionen konnten die Zuhörer beim Tellenlied den Saitenvirtuosen sogar mitsingend folgen.

Was ist eigentlich eine «Theorbe»?

Im zweiten Teil des abwechslungsreichen Nachmittags präsentierte der Restaurator und ­Gitarrenbaumeister Philipp Neumann aus Leipzig die restaurierte Theorbenzister des damals berühmten Nürnberger Instrumentenbauers Andreas Ernst Kram aus dem Jahre 1770. Eine Theorbe, erläuterte der Restaurator, ist ein Saiteninstrument, welches meist mit einem zusätzlichen Steg «theorbiert» ist, um es mit langen Basssaiten zu bestücken. Der Zustand der theorbierten Zister aus Nürnberg war derart schlecht, dass Neumann das ganze Instrument in seine Einzelteile zerlegen musste, um es mit höchster Sorgfalt wieder in frischem Glanze erstrahlen zu lassen. Alleine die Rosette im Schallloch war für den Restau­rator eine echte Herausforderung.

Nur noch hinter Glasscheiben

Das fragile alte Instrument kann allerdings nicht mehr gespielt, sondern nur in einer der Glasvitrinen in Willisau bewundert werden. Ansonsten kann auch an den weiteren Klangproben – laut Flyer – nach Lust und Laune «gezupft, gerissen, gekratzt und geschrappt» werden.

 

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch