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«Klar, ich war ja auch Ministrant bei Bischof Haas»

Nachgefragt

Gion Mathias Cavelty verehrt den österreichischen Skifahrer Franz Klammer und liest trotz brachialer und ulkiger Aufforderung zum Nichtlesen weiter.

Mathias Cavelty, wie viele Leser haben Sie 2000 mit Ihrem Kultbuch «Endlich Nichtleser» von ihrer Lesesucht befreit?

Ich habe einige Dankesschreiben erhalten, die ich natürlich nicht gelesen habe. Aber ein Bundesrat war darunter.

Sie bluffen, denn Sie hätten ja dann mindestens den Namen des Absenders gelesen.

Sie haben mich erwischt! Wenn man so strikte Regeln aufstellt, sollte man sich selbst dran halten. Ich bin fasziniert von alten religiösen Gesetzbüchern, die einen zu sklavischem Gehorsam zwingen. Die Gnostiker wie Simon Magus, der erste Häretiker, die deren Welterklärungen auf den Kopf gestellt haben, sind denn auch meine satirischen Vorbilder.

Ihre Bücher sind voller verblüffender Szenen. Die todbringende Bundeslade und die Riesenmenschen wirken ulkig. Steht aber alles genau so in der Bibel.

Klar, ich war in Chur ja auch Ministrant bei Bischof Haas und mein Vater war CVP-Ständerat. Ich kenne mich also in der Bibel ziemlich gut aus. Für mein neues Buch habe ich aber nochmals monatelang recherchiert, um die verrücktesten Stellen zu finden.

War «Endlich Nichtleser» Parodie oder echter Hass?

Das Buch war eine Abrechnung, deshalb kommen auch ein paar Literaturkritiker vor. Ich hatte zuvor drei Bücher bei Suhrkamp gemacht, der Verleger Siegfried Unseld war zwar zuerst irritiert, unterstützte mich dennoch. Ich merkte aber, dass ich in jener heiligen Verlagswelt nichts verloren hatte. Klar, die hämischen Verrisse haben mich gekränkt und am Wettlesen 1997 beim Bachmannpreis in Klagenfurt haben sich die Kritiker unglaublich lustig gemacht über meinen Text, der mit alchemistischen Motiven spielte. Nach «Endlich Nichtleser» brachte ich dann zehn Jahre lang kein Buch zustande.

Franz Klammer, der Held Ihres neuen Romans, ist ein einfältiger Tatmensch, der aber auf Hirngespinste und heilige Bücher pfeift. Ihr Vorbild als Nichtleser?

Ja, das ist eigentlich gut interpretiert. Er lässt sich von den haarsträubenden Geschehnissen und Untergangspropheten nicht kleinkriegen. Klammer sagt, er wolle Skifahren, sonst nichts – er folgt damit seinem tiefen Willen. Das bewundere ich. Weil mich die Welt mit ihren Widersprüchen und Fake News irritiert. Zudem bin ich ein ängstlicher Mensch – und ein Ordnungsfreak.

Wie hat der reale Franz Klammer auf Ihr Buch reagiert?

Wir haben ihm noch kein Exemplar geschickt. Ich fürchte mich davor. Ich weiss nicht, ob er meinen Humor versteht. Schliesslich lasse ich ihn in meinem Roman Jesus Christus unabsichtlich zerquetschen. Aber Sie müssen wissen: Franz Klammer war ein Held meiner Kindheit. Er hat mir auf meine Bitte eine Autogrammkarte geschickt. Da war ich acht Jahre alt. Russi fand ich zu glatt und perfekt. Klammer, der wilde Kerl, hat mir immer imponiert.

Viele Leser sind von Ihren Büchern irritiert, fühlen sich vom literarischen Feuerwerk mit Zeitmaschinen, Verschwörungstheorien und blasphemischen Gags vor den Kopf gestossen.

Schon möglich, dass ich übertreibe. Aber so ist halt der Cavelty. Bereits in der Schule waren die Lehrer ratlos, als ich in den Aufsätzen die Aufgabe immer auf den Kopf gestellt habe.

Blasphemie finden Sie lustig.

Ja, denn der Ursprung der Satire ist die Umkehrung und da muss man möglichst weit gehen. Die Satire in der Schweiz ist ja kumpelhaft und harmlos. Victor Giacobbo, der mit Toni Brunner um die Wette lacht, ist doch keine Satire mehr. Für mich waren die Gnostiker die brillantesten Satiriker. Johannes der Täufer ist in meinem Buch so einer. Er will die Schöpfung abschaffen, weil sie das Werk eines betrügerischen Gottes sei. Deshalb betrachtet er Jesus, der diese Welt retten will, als Verräter. Verrückt, aber faszinierend kreativ. (hak)

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