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KLASSIK: Aus Musik entstehen ganze Welten

Der dramatische Tod des Dirigenten Israel Yinon wirkt nach. Auch beim Abschlusskonzert des Hochschul-Festivals im Luzerner Neubad.
Simon Bordier
Das Ensemble Helix bestritt am Samstagabend im Neubad den Abschluss des Festivals «Szenenwechsel». (Bild Boris Bürgisser)

Das Ensemble Helix bestritt am Samstagabend im Neubad den Abschluss des Festivals «Szenenwechsel». (Bild Boris Bürgisser)

Simon Bordier

Eine Brücke zu schlagen zwischen 2015 und 1915 ist schwer; es braucht schon mehrere Brücken. Dies verdeutlichte das Konzert des Studios für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik am Samstagabend im Luzerner Neubad: Die Turbulenzen in Béla Bartóks «Rumänischen Volkstänzen», die unerbittliche Ragtime-Motorik in Charles Ives’ «Klaviertrio» oder die schwindelerregenden Spielautomaten-Melodien in der «Hackordnung» des Obwaldner Komponisten Christoph Blum – hier zeigte sich noch einmal deutlich die musikalische Vielfalt von 1915 bis heute, aber auch deren brüchiges musikalisches Fundament.

«Er war ein Entdecker»

Das Konzert bildete den eindrücklichen Abschluss des Festivals «Szenenwechsel», einer einwöchigen Werkschau der Hochschule, die sich diesmal mit einer Volksmusik-Stubete, einem Big-Band-Abend und klassischen Konzerten um das Jahr 1915 drehte. Der dramatische Tod des Dirigenten Israel Yinon, der am Donnerstagabend während des Konzerts mit der Jungen Philharmonie Zentralschweiz auf der KKL-Bühne zusammengebrochen ist, hat während des Festivals für einen Schock gesorgt (wir berichteten).

Michael Kaufmann, Direktor der Hochschule Luzern – Musik, zeigt sich vor dem Abschlusskonzert im Gespräch noch immer betroffen und nachdenklich: «Yinon hat sich als Entdecker vergessener Werke, insbesondere von verfemten Komponisten aus der Nazi-Zeit, einen grossen Namen gemacht. Dass er nun am Donnerstag die ‹Alpensinfonie› von Richard Strauss, einem erklärten Antisemiten, dirigiert hat, macht ihn zu einem ganz besonderen Vertreter der Kunst.» In seiner Person widerspiegle sich die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Musik seit dem Ersten Weltkrieg, so Kaufmann: «Sein plötzlicher Tod führt uns auch die einschneidende Wirkung von Krieg und Terror und deren heutige Aktualität vor Augen.»

Gedenkkonzert möglich

Am Freitag hatte Kaufmann eine Versammlung der Jungen Philharmonie einberufen. «Der Schock unter den jungen Musikerinnen und Musikern sitzt tief. Aber es herrscht auch Frust darüber, dass die beiden Konzerte, für die man sich so lange und intensiv vorbereitet hatte, nicht stattfinden konnten.» Unterstützt von einem psychologischen Care-Team sei man den Abend nochmals gemeinsam durchgegangen. «Wie genau es nun weitergeht, steht noch nicht fest. Aber vorstellbar ist zum Beispiel ein Gedenkkonzert», sagt Kaufmann.

Das Abschlusskonzert im «Neubad» war auch ohne explizite Hommage an den verstorbenen Dirigenten ein mehr als würdiger Abschluss des Festivals. Das Programm war gespickt mit kurzen Stücken ganz unterschiedlicher Provenienz und bot damit eine «musikalisch-panoptische Weltreise» durch die von Krieg und Terror erschütterte Musiklandschaft der vergangenen hundert Jahre.

Dass die meisten Stücke von Studierenden der Hochschule für das hauseigene Ensemble Helix neu arrangiert wurden, sorgte für zusätzliche Spannung: Man spürte, dass sich die jungen Musikerinnen und Musiker mit allen Facetten der Werke auseinandergesetzt hatten. Unter der Leitung von Josef Kost konnten sie sich voll entfalten. Stellvertretend für die Qualität des Ensembles seien die Sopranistinnen Nuria Richner und Anu-Mari Uuspõld erwähnt, die in «Four Balmont Songs» von Nikolai Borisovich Obukhov beziehungsweise in den «Vier Liedern für Gesang und Klavier» von Anton Webern durch ihre reine Intonation entzückten.

Als Höhepunkt wartete zum Schluss die eingangs erwähnte «Hackordnung» des Komponisten Christoph Blum (Jahrgang 1990): ein multimediales Erlebnis für Auge und Ohr, das bei der Uraufführung eindrücklich zeigte, wie aus einfachsten musikalischen und visuellen Elementen ganze Welten entstehen – und untergehen – können (die Projektionen stammten von Laura Moor und Florian Graf).

Nächstes Thema: Emigration

Das Festival findet nächstes Jahr wieder im ähnlichen Rahmen statt, dann zum Thema Emigration, so Kaufmann: «Viele Musikerbiografien sind durch Vertreibung und Flucht geprägt. Es gibt aber auch interessante Beispiele ‹innerer Emigration›, die in der Musik zum Ausdruck kommt.»

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